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Kultur Wie heiß ist Shades of Grey wirklich?
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00:15 14.02.2015
Von Johanna Di Blasi
Foto: "Erotik" auf der Leinwand: Fifty Shades of Grey. Quelle: dpa
Berlin

Wer bis dato den Hype um das Unterwerfungsdrama „Fifty Shades of Grey“ nicht recht begriff, konnte schon in den Minuten vor Anlaufen des Hollywood-Films in der Astor Film Lounge am Berliner Kurfürstendamm einen Eindruck davon gewinnen, welches virale Fieber die Geschichte um ein junges Sado-Maso-Pärchen insbesondere beim weiblichen Publikum entzündet. Da hörte man Frauen um die 40 im Kinosessel lautstark über ihre Erotikerfahrungen reden. Auch diejenigen, die die Romantrilogie der Britin E. L. James als völlig „beknackt“ abtaten, sprudelten vor Erzähleifer. Männer hatten es hingegen schwer. „Du siehst aus wie Mister Grey“ hieß es ironisch, oder: „Du darfst Dich neben mich setzen, aber nur wenn Du die Hände in den Hosentaschen lässt“.

Der auf dem 40 Millionen Dollar teuren Film lastende Erwartungsdruck war gewaltig. Und das, obwohl kaum jemand auf dem Globus die über 600 Seiten Softporno-Prosa, die Endlosergüsse über vibrierende Zungen, zuckende Schenkel, Lustschmerz-Stöhnen, Auspeitschen und Flehen aus der Feder der geschäftstüchtigen Britin Erika Leonard alias E. L. James für geglückte Literatur hält.

In der Hollywood-Adaption des Romans mit Dakota Johnson und Jamie Dornan in den Hauptrollen sind die Liebesspiele auf ein halbes Dutzend Sexszenen eingedickt, sie machen etwa ein Sechstel der Gesamtlänge aus. Deutlich schimmert durch, dass das „Twighlight“-Märchen von Stephenie Meyer Inspiration bot, etwa bei romantischen Wald- oder Klavierszenen. Bisweilen versuchte Dornan Robert Pattinson, den "Twighlight"-Vampir, zu imitieren, jedoch mäßig überzeugend. Erst nach einer halben Stunde wird geküsst, fünf Minuten später folgt die erste Bettszene - und eineinhalb Stunden dauert es, bis es im schalldichten, rotgetäfelten „Spielzimmer“ zur Sache geht.

In der privaten Liebesgrotte im Penthouse des emotional eigenwilligen Christian Grey sind handelsüblich Sex-Werkzeuge, Gerten und Patschen aller Art, fein säuberlich aufgereiht wie nebenan im begehbaren Kleiderschrank die Maßanzüge und grauschattierten Krawatten des Pedanten. „9½ Wochen“ lässt grüßen.

Über weite Strecken meint man einer überhitzten Altherrenphantasie beizuwohnen, aber nein: Vier Britinnen zeichnen für das zeitgenössischer Herr-und-Knecht-Drama mit konventioneller Rollenverteilung – die Dame liegt unten - verantwortlich: Neben der Autorin sind das die 47 Jahre alte Regisseurin Sam Taylor-Johnson, die Drehbuchschreiberin Kelly Marcel und Donna Langley, die Chefin der Universal-Studios, .

Der „Shades“-Film versetzt Betrachter in einen einzigen BDSM-Fetisch-Store (Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism). Als Product-Placement-Orgie wird auch der Fuhr- und Flugpark des Bosses in Szene gesetzt: ein Audi R8 Spyder oder der private Helikopter mit grau-weißem „Grey Enterprises“-Logo. Höhepunkt ist ein gemeinsamer Segelausflug. Hier wird’s metaphorisch. Der schlanke Flieger durchschneidet die wolkigen Lüfte, Anastasia und Mister Grey sind jeder für sich im angeschnallten Modus in stille Verzückung angekommen. Im Jargon von BDSM bezeichnet „Fliegen“ das Eintauchen in einen sogenannten „Subspace“, einem rauschartigen Zustand nahe der Ohnmacht.

Süß verhuscht ist die 25-jährige Amerikanerin Dakota Johnson als Anastasia „Ana“ Steele. Ein echtes Problem aber ist der 32-jährige irisch-britische Grey-Darsteller Jamie Dornan, vor allem in Close-ups. Sieht so der Rasputin des 21. Jahrhunderts aus oder wurde hier versehentlich ein Sparkassenangestellter als berühmtester Erotiker und Sadist der Gegenwart gecastet? Der Film lässt letztendlich offen, was Anastasia mehr an den Dominanzgott bindet: das Bondage oder die Komfortversprechen. Der Sex, den er im Film bietet, bleibt  letztlich clean wie eine Mundwasser-Werbung.

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