Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Ein bisschen ist gut in Afghanistan
Mehr Welt Kultur Ein bisschen ist gut in Afghanistan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:42 11.02.2014
Von Stefan Stosch
Die Schauspieler Mohamad Mohsen (links) als Tarik und Ronald Zehrfeld als Jesper in einer Szene des Films „Zwischen Welten“. Quelle: dpa (Screenshot)
Berlin

Geklagt wird immer. Beschwerden über den Zustand des deutschen Kinos gehören so sicher zur Berlinale wie die über die Preissteigerung bei der Maß Weißbier auf dem Münchener Oktoberfest. Und doch ist dieses Jahr etwas anders am Potsdamer Platz.

Da muss man nur mal Dominik Graf fragen, den „alten Hasen“ unter den deutschen Wettbewerbsteilnehmern. Erstaunlich entspannt sitzt der 61-Jährige im Berlinale-Palast. Die Premiere seines Films „Die geliebten Schwestern“ liegt erst einen Tag zurück. Dass er mit gleich drei deutschen Kollegen im Wettbewerb konkurriert, begrüßt er. Klar, kommerzielle Erfolge wie „Fack Ju Göhte“ fehlten für ein Gesamtbild des deutschen Kinos - aber das Festival biete reichhaltiges Anschauungsmaterial, was hiesige Filmemacher alles können. 

Grafs jüngere Kollegen mischen sich frohgemut in aktuelle Debatten ein: Dietrich Brüggemann studiert in „Kreuzweg“ mit ungerührtem Blick religiösen Fundamentalismus, Edward Berger zeigt in „Jack“, wie schnell Kinder auch in Deutschland aus sozialen Sicherungssystemen herausfallen können - und Feo Aladag schickt nun in „Zwischen Welten“ einen Bundeswehrsoldaten ins kriegsversehrte Afghanistan. 

Fremd in Afghanistan

Die Filmemacherin, 1972 in Wien geboren und durch ihr Kinodebüt „Die Fremde“ bekannt, sucht mutig das wahre Afghanistan. Sie hat an Originalschauplätzen gedreht - und nicht in irgendeinem sicheren Land, das nur so ähnlich ausschaut. Zudem hat sie mit afghanischen Laienschauspielern gearbeitet. 

Dem Thema Fremdheit bleibt Aladag treu: Unverständnis für die jeweils andere Kultur ist in ihrem Film das alles überlagernde Gefühl. Der junge Dolmetscher Tarik (Mohsin Ahmady) soll zwischen einem Trupp deutscher Soldaten, angeführt von Jesper (Ronald Zehrfeld), und afghanischen Milizen vermitteln, die gemeinsam einen Außenposten gegen die Taliban beziehen.

Wir erleben Afghanistan durch Jespers Augen - und parallel aus Tariks Perspektive: Seine Schwester und er müssen um ihr Leben fürchten, seit der Dolmetscher im Dienst der Ausländer steht und dadurch den Hass der Taliban auf sich zieht. Tariks Vater wurde ermordet, Tarik müht sich vergeblich um eine Ausreisegenehmigung nach Deutschland.

Auch Jespers Bruder starb bei einem Attentat in Afghanistan. Den Schmerz der Trauer kennen beide. Irgendwann spricht Jesper die Frage aus, die beide umtreibt: Wozu war dieser mehr als zehnjährige Krieg gut, wenn jetzt die internationalen Truppen abziehen? Die Antwort könnte desaströs ausfallen, doch setzt Aladag demonstrativ Zeichen der Hoffnung. Tariks Schwester studiert Brückenbau in Kabul. Unter den Taliban wäre das unmöglich gewesen.

Die Regisseurin will viel mit ihrem Film - zu viel, auch wenn sie wohltuend knapp erzählt und immer wieder Zeit findet, die majestätischen Seiten des Hindukusch-Landes zu zeigen. In gut eineinhalb Stunden sollen wir die verschiedenen Parteien in diesem Konflikt kennen- und verstehen lernen. Mit der Macht des Kinos will Aladag die Fremdheit zwischen den Protagonisten überwinden. Sie will, dass das, was nicht gut ist in Afghanistan, ein klein wenig besser wird. Am Sonnabend werden die Bären der 64. Berlinale vergeben. Eines ist gewiss: Ohne Preise fahren die selbstbewussten Deutschen nicht nach Hause.

Neue Enthüllung im Kunstkrimi um Cornelius Gurlitt: Der Sammler hortete nicht nur in München wertvolle Kunst - sondern auch in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg. Auch nach Bekanntwerden der Kunstsensation schaute dort offenbar niemand nach dem Rechten.

11.02.2014
Kultur Schauspielerin, Sängerin, Botschafterin - Hollywood-Star Shirley Temple gestorben

Die US-Filmschauspielerin Shirley Temple ist nach Medienberichten im Alter von 85 Jahren gestorben. Die britische BBC und der "Guardian" sowie US-Sender ABC und CNN beriefen sich dabei auf die Familie beziehungsweise den Agenten von Temple.

11.02.2014
Kultur Komödientag auf der Berlinale - Nur der Maulwurf ist Zeuge

Eigentlich ist die Berlinale nichts für Spaßvögel. Am Montag allerdings hatte die Berlinale-Leitung ausnahmsweise einen Komöden-Tag anberaumt: Beiträge des Norwegers Hans Petter Moland und des Franzosen Alain Resnais standen auf dem Programm.

Stefan Stosch 10.02.2014