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Kultur „Eine historische Verpflichtung“: Rückgabe von Kolonialobjekten ist kompliziert
Mehr Welt Kultur „Eine historische Verpflichtung“: Rückgabe von Kolonialobjekten ist kompliziert
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11:15 25.02.2019
Ein Neues Testament und eine Peitsche aus dem Besitz von Hendrik Witbooi liegen in einer Vitrine im Linden-Museum für Völkerkunde. Das Land Baden-Württemberg will die Exponate als geraubte Kulturgüter im Februar an Namibia zurückgeben. Quelle: Marijan Murat/dpa
Windhuk/Stuttgart

Wenn die Bibel an diesem Donnerstag ins namibische Gibeon zurückkehrt, hat sie einen sehr langen Weg hinter sich: Deutsche Truppen erbeuteten das Neue Testament in der Sprache der Nama wohl 1893 während eines Überfalls auf den Regierungssitz von Henrik Witbooi, der ein bedeutender Anführer des Stammes war und heute ein Nationalheld ist. Namibia war damals deutsche Kolonie – der Überfall endete in einem Massaker an Frauen und Kindern. Die Bibel gelangte ins Linden-Museum nach Stuttgart. Eine Delegation aus dem Südwesten bringt sie nun zusammen mit einer Peitsche zurück.

Schwieriges Vorhaben

Die Gegenstände gehören nach den Worten der Direktorin des Linden-Museums, Inés de Castro, zu den bislang sehr wenigen Stücken, die nach einem Raub zu Kolonialzeiten von Deutschland aus zurück in ihr Herkunftsland gebracht werden. Es ist ein schwieriges Vorhaben: Der namibische Staat hatte um eine Rückgabe gebeten. Vertreter des Landes Baden-Württembergs führten nach den Worten von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) viele Gespräche mit unterschiedlichsten Vertretern in Namibia – mit dem Ergebnis, dass Peitsche und Bibel an die dortige Regierung übergeben werden sollen.

Doch die diversen Witbooi- und Nama-Vertretungen haben unterschiedliche Meinungen dazu und beklagen zum Teil eine mangelnde Einbindung. Die Vereinigung der Nama-Stammesältesten (NTLA) reichte – erfolglos – einen Antrag beim Landesverfassungsgericht in Stuttgart ein. Die NTLA fordert, zunächst zu klären, wer Anspruch auf die Rückgabe habe – und das sei ganz sicher nicht der namibische Staat. Die dortige Regierung ist von Angehörigen des Volkes der Ovambo dominiert. Zudem sei eine Rückgabe nur akzeptabel, wenn auch eine Entschädigung für die verlorenen Jahrzehnte gezahlt werde. Seit Jahren laufen Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia um eine Wiedergutmachung für den Völkermord an den Herero und Nama - nach Ansicht von Historikern der erste Genozid des 20. Jahrhunderts.

Rückgabeforderung auch wegen Ausstellung im Humboldt Forum

In Europa konzentrierte man sich lange auf die Rückgabe und Entschädigung von NS-Raubkunst. Im vergangenen Jahr empfahl ein vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Auftrag gegebener Bericht, praktisch alle aus der Kolonialzeit stammenden Kunstwerke an die Herkunftsländer in Afrika zurückzugeben. In Deutschland regte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) an, offensiver über die Rückgabe an die Herkunftsvölker nachzudenken. „Einfach nur passiv abzuwarten, bis jemand etwas zurückhaben möchte, ist nicht der richtige Weg, um unsere koloniale Vergangenheit aufzuarbeiten.“

Das Thema ist auch deshalb von besonderer Aktualität, weil im geplanten neuen Kulturzentrum in Berlin, dem Humboldt Forum im wiederaufgebauten Schloss, ein Großteil der Objekte aus der Kolonialzeit stammt. Der Bundesregierung liegt nach Auskunft von Grütters’ Pressestelle eine Rückgabeforderung der Republik Namibia zur Säule von Cape Cross vor, die sich im Deutschen Historischen Museum in Berlin befindet. „Die Prüfung der Anfrage dauert an.“ Viele Sammlungsbestände, die von dem Thema tangiert sein könnten, befinden sich aber in der Trägerschaft der Bundesländer und der Kommunen.

So auch das Linden-Museum, das vom Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart getragen wird. Landeswissenschaftsministerin Bauer ist überzeugt, dass eine Rückgabe von Peitsche und Bibel an Namibia richtig ist. „Ich halte das für eine historische Verpflichtung“, sagt sie mit Blick auf die kriegerischen Umstände, unter denen die beiden Gegenstände in den Besitz deutscher Truppen gelangten.

„Neues Kapitel der Zusammenarbeit“

Befürchtungen, dass so langfristig deutsche Museen leergeräumt werden könnten, hält sie für unbegründet. Ziel sei vielmehr, zusammen mit den Herkunftsgesellschaften einen Weg zum Umgang mit der gemeinsamen Geschichte zu finden. Baden-Württemberg stellt 1,2 Millionen Euro für eine Namibia-Initiative bereit – etwa für gemeinsame Ausstellungen, einen Austausch mit dem namibischen Nationalarchiv und die gemeinsame Erforschung deutscher Kolonialliteratur. Bauer: „Wir schlagen ein neues Kapitel der Zusammenarbeit für die Zukunft auf. Das ist genauso wichtig wie die Rückgabe von Bibel und Peitsche.“

Von RND / dpa

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