Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Dracula wird zum Grusical
Mehr Welt Kultur Dracula wird zum Grusical
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 18.12.2015
Von Simon Benne
Musical "Dracula" im Theater für Niedersachsen in Hildesheim. Quelle: Falk von Traubenberg
Hildesheim

Im Grunde ist er ein ganz netter Kerl. Einer, der sich nach Liebe und Erlösung sehnt. Er kann das nur nicht so zeigen. Und das ist auch gut so, sonst wäre das Musical "Dracula" des Theaters für Niedersachsen (TfN), das jetzt in Hildesheim Premiere hatte, ja viel zu schnell zu Ende.

Das Stück folgt in groben Zügen dem Roman von Bram Stoker: "Willkommen in meinem Schloss!", raunt der sinistre Graf Dracula (Alexander Prosek) seinem britischen Besucher Jonathan Harker (ganz jugendlicher Held: Tim Müller) zu, in jenem Tonfall, in dem Bösewichte in Fünfzigerjahre-Gruselfilmen sagten: "Das Zimmer hinter dieser Tür dürfen Sie niiiemals betreten!". Dazu ertönt Wolfsgeheul ("Die Kinder der Nacht"), und bald umgarnen fünf Vampirfrauen den freudig überraschten Harker. Sie sind halb verwest, doch das schmälert ihre Verführungskraft nicht im geringsten, und es gibt dem ganzen etwas von einem Fasching im Leichenschauhaus.

 

Überhaupt trägt die Inszenierung von Craig Simmons dick auf: Ständig drehen sich düstere Nachtnebel auf der Bühne, während das TfN-Orchester hemmungslos in die Pathoskiste greift. Die Beleuchter sind eher als Verdunkeler gefordert. Unter Blitz und Donner macht sich Dracula mit gebleckten Zähnen schließlich nach London auf, um Harkers Verlobte Mina heimzuführen und um nebenbei England Elend und Verderben zu bringen. Der wahnsinnige Käferfresser Renfield (wirres Haar und irrer Blick: Jürgen Brehm) erwartet seinen Meister dort schon, doch als Kreuzzügler der aufgeklärten Art treten dem Blutsauger auch der unerschrockene Prof. van Helsing (Jens Krause) und seine Vampirabwehrtruppe mit dem Kruzifix entgegen.

 

Die deutschen Texte des Broadway-Musicals von Don Black, Christopher Hampton und Frank Wildhorn sind eher sperrig ("Sie war fast noch ein Kind, und ewig weht der Wind"), doch einige der Songs haben echte Gassenhauerqualitäten. Die Sänger sind durchweg solide, und in der Rolle der Mina, die zwischen dem transsilvanischen Untoten und dem britischen Buchhaltertypen Harker hin und her gerissen ist, setzt Elisabeth Köstner stimmlich ein paar Highlights. Dass es oft laut wird, tut der düsteren Mischung aus Mystik und Melancholie, die über der romantischen Geschichte liegt, keinen Abbruch.

 

Vampire sind nicht totzukriegen. Wenn sie nicht den Einbruch dunkler Mächte in die aufgeklärte Welt illustrieren, treten sie - wie in Stephenie Meyers "Twilight"-Saga - eben als Charmeure in Erscheinung, deren Lebensthema ein neoviktorianisches Ringen um Keuschheit ist. Man könnte die Geschichte auch als Kritik am blutsaugerischen Kapitalismus auf die Bühne bringen oder als Mahnung vor zerstörerischem Hedonismus. Das Theater für Niedersachsen beschränkt sich darauf, eine Story um düsteres Verlangen nach den Mächten der Finsternis zu erzählen. Herausgekommen ist dabei ein Grusical, das Spaß macht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Am Ende lang anhaltender Applaus.

 

Nächste Aufführungen in Hildesheim am 16. und 27. Dezember, in Hannover am 4. Februar. Karten: (05121) 16931693.

Es sieht fast so aus, als würden die Kinogänger in den USA und Kanada Anlauf nehmen für die Premiere des neuen Star-Wars-Films, der in dieser Woche in die Kinos kommt. Denn dieses Wochenende sah es fade aus an den Kinokassen. Die Tribute von Panem bleiben in einer schwachen Runde an der Chartspitze.

14.12.2015

Die deutschen Hoffnungen waren groß - wurden aber enttäuscht. Der Gewinner des Europäischen Filmpreises ist ein alter Bekannter. Paolo Sorrentino holt zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit die Trophäe für den besten europäischen Film.

13.12.2015

Der "Freischütz" spaltete das Premierenpublikum an der Staatsoper Hannover. Auch wegen der darin gezeigten Videos, die erst für Besucher ab 16 Jahren freigegeben werden. "Buh"-Rufe gab es aber vor allem, weil diese Oper anders ist als das, was man sonst auf Opernbühnen zu sehen gewohnt ist.

Stefan Arndt 15.12.2015