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Kultur Devid Striesow pilgert auf Hape Kerkelings Spuren
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00:15 29.12.2015
Idyllisch ist das Pilgerleben: Hape Kerkeling (Devid Striesow) macht ein kleines Päuschen. Quelle: Warner Bros.

Mit diesem Pilger würde man gern ein Stück des Weges ziehen: Freundlich lächelt er jedem entgegen, die Sonnenbrille baumelt an seinem Hals, der Schlapphut sitzt keck auf dem Kopf, und unter dem T-Shirt spannt sich ein ansehnliches Bäuchlein. Wenn die Blasen an den Füßen zu sehr drücken, nimmt er ganz einfach den Bus oder gar das Taxi, und einem Gläschen Wein am Abend oder auch einem ausgiebigen Plausch ist er keinesfalls abgeneigt: Hape Kerkeling begeht noch einmal den Jakobsweg, 800 Kilometer bis ins spanische Santiago de Compostela. Der Mann, der dann mal weg war, ist wieder da.

Allerdings pilgert Kerkeling im Kino nicht persönlich. In seine Haut schlüpft in der Verfilmung seines knapp fünf Millionen Mal verkauften Bestsellers „Ich bin dann mal weg“ der Schauspieler Devid Striesow. Vermutlich war das eine weise Entscheidung. In Kerkeling hätte man doch immer nur Kerkeling gesehen, den TV-Komiker im Ruhestand und Bestsellerautor – und nicht den Sinnsucher, der er 2001 tatsächlich gewesen sein muss. Damals hatten ein Hörsturz und ein Zusammenbruch auf offener Bühne ihn aus der Bahn geworfen. So begab er sich auf die Suche nach sich selbst und auch auf die nach Gott.

Film kommt Grundton des Buches ziemlich nahe

Striesow ist zweifellos die perfekte Wahl für diesen Trip durch malerische Landschaften und überfüllte Herbergen. Er verkörpert spielerisch leicht Charaktere, denen alles Zynische fremd ist – wie wir schon von seinen Auftritten als Saarbrücker „Tatort“-Kommissar wissen. Mit viel Neugier mischt sich sein Kerkeling unter das teils exzentrisch-esoterische Pilgervölkchen, ohne dieses lächerlich zu machen. Dieser Suchende akzeptiert ganz einfach, was unter Gottes ziemlich heißer südländischer Sonne möglich ist – wenn es Gott denn gibt. Und wenn er helfen oder seine Nächstenliebe unter Beweis stellen kann, dann tut er das gerne. Damit kommt der Film-Kerkeling dem Grundton des Buches ziemlich nahe.

Das eigentliche Problem kann aber auch Striesow nicht aufheben: Im Buch ist auf schmalen und manchmal auch ziemlich steilen Pfaden ein Mann unterwegs, der vorwiegend mit sich selbst beschäftigt ist. Kerkeling führt Tagebuch und Selbstgespräche und kämpft gegen seine Einsamkeit an. Solche Reflexionen lassen sich aber nur schwer auf die Leinwand bringen.

Seichter Grübel-Grundkurs für angehende Sinnsucher

Regisseurin Julia von Heinz („Hannas Reise“) versucht, dieser Krux zu entrinnen, indem sie Kerkeling immer wieder aus dem Off seine „Erkenntnisse des Tages“ zusammenfassen lässt. Aber was schon im Buch gelegentlich an spirituelle Kalender-Weisheiten erinnert, gerinnt in der unvermeidlichen Verknappung auf wenige Sätze erst recht zu Plattheiten.

Lohnender wird der Film, wenn immer mal wieder zwei Frauen Kerkelings Weg kreuzen. Zumindest eine von ihnen hat das Zeug, das Interesse der Zuschauer zu wecken: Stella (Martina Gedeck) ist eine Wandererin mit traurigen Geheimnissen. Lange verschließt sie sich dem kommunikativen Kerkeling, irgendwann öffnet sie ihm aber doch ihr Herz. Zusammen mit der Journalistin Lena (Karoline Schuch) bilden die drei im letzten Filmdrittel ein Trio, das durch gegenseitige Unterstützung Pilgerkrisen überwindet. Jeder der drei möchte die strapaziöse Tour mal abbrechen.

Am Ende kommt zumindest Kerkeling auf seiner Wanderung Gott und sich selbst näher. Und für alle Nichtpilgerer hält er Trost parat: „Ich muss vor allem an die denken, die diesen Weg nicht gehen können, und ihnen sei versichert: Dieser Weg ist nur eine von unendlichen Möglichkeiten.“ Das klingt hoffnungsvoll, und doch muss man sagen: Viel mehr als einen sympathischen, aber seichten Grübel-Grundkursus für angehende Sinnsucher hat „Ich bin dann mal weg“ im Kino nicht zu bieten.

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