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19:03 25.09.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Noch an den Pforten der Mathildenhöhe in Darmstadt: Ralf Beil, der im Februar Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg wird. Quelle: Institut Mathildenhöhe
Hannover

Diese Definition oszilliert ziemlich schillernd - so zwischen Allerweltsweisheit und Alchemie: „Ein Museum ist ein Ort, an dem Ideen, Menschen und Dinge zusammentreffen“, sagt Ralf Beil, „ein Katalysator für eine Kumulation neuer Energien.“ Was früher Musentempel war, müsse heute eine „Bewusstseinsmaschine“ sein, die in unübersichtlichen Zeiten neue „Haltepflöcke“ biete. Ein Museum sei im besten Fall „Möglichkeitsraum“ für Lebensentwürfe. „Und das“, sagt Ralf Beil, „gilt besonders fürs Kunstmuseum Wolfsburg.“

Dort sitzt der Kunsthistoriker, Germanist und Philosoph und schwärmt von der großen Ausstellungshalle des Wolfsburger Hauses mit ihren 16 Metern Raumhöhe. „Das ist viel höher als die höchste Halle der Mathildenhöhe“, sagt Beil, der bislang das Museum in der Darmstädter Künstlerkolonie leitet und zum Februar 2015 als Nachfolger des im Frühjahr gestorbenen Markus Brüderlin Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg wird.

Was motiviert diesen Schritt von einem Kleinod des Jugendstils, das einst den Avantgardekünstler El Lissitzky zum Architekturstudium nach Darmstadt gelockt hat, an das gerade erst 20 Jahre alte Museum in der Volkswagenstadt? „Die Mathildenhöhe steht für eine Vision der Moderne des 20. Jahrhunderts“, sagt Beil. „Wolfsburg ist deren Realität und auch die des 21. Jahrhunderts.“ Das Institut Mathildenhöhe sei eben ein städtisches Museum, deutet er zudem noch kommunale Zwänge an, Wolfsburgs finanziell gut ausgestattetes Kunstmuseum sei dagegen ein „Schnellboot“, in dem man „Tempo“ machen könne, ein Haus das auch international zur „ersten Liga“ zähle.

Wird man also in Wolfsburg künftig rascher als anderswo neue Kunsttrends, junge Künstler erleben, werden deren Werke die Wolfsburger Sammlung erweitern? Die Sammlung von Gegenwartskunst sei ein wichtiger „Anker“, räumt Beil ein. Wichtiger sei ihm aber, durch Ausstellungen stets wieder neue Wahrnehmung zu erreichen. Und das sei in Wolfsburgs bundesweit einzigartiger Ausstellungshalle besonders reizvoll. „Die lässt sich labyrinthisch, klaustrophobisch oder monumental gestalten“, sagt Beil. „Da bin ich am richtigen Ort.“

Man spürt: Der 49-Jährige, der über „Eat Art“ promoviert hat und Kunstkritiker war, bevor er nach Stationen in Bern und Lausanne 2006 nach Darmstadt ging, verkörpert den neueren Typus eines Museumschefs - eher Kunstvermittler als -konservator, eher Museumsraumgestalter als Musentempelwächter, eher Generalist als Spezialist. „Ich bin Ausstellungsmacher“, sagt Beil, und: „Ich eigne mir gern Orte an.“

Damit, das wird bei der Vorstellung des künftigen Chefs in Wolfsburg deutlich, meint Beil nicht nur die Museumsräume. Schließlich seien auch der benachbarte Hollerplatz und die Fußgängerzone mögliche Spielfelder für Kunstereignisse, schließlich habe die erst 1938 gegründete Stadt Wolfsburg längst ein eigenes architektonisches Profil. „Ich möchte die Stadt im Museum spiegeln und das Museum in der Stadt“, sagt er zu einem ersten eigenen Projekt, das er im Kunstmuseum auf die Beine stellen will. „Wolfsburg unlimited“ soll es heißen.

Der Titel lässt sich durchaus über die einzelnen Ausstellungspläne hinaus als programmatisch für Beil verstehen: Auf der Mathildenhöhe hat er sich regelmäßig über disziplinäre, institutionelle und regionale Grenzen hinweggesetzt, hat mal mit dem Filmmuseum Frankfurt, mal mit der Münchener Villa Stuck, mal mit Darmstadts Jazzinstitut kooperiert. Und genauso könnte er auch künftig agieren: als Türöffner in Wolfsburg - und darüber hinaus. „Es ist wichtig, dass zwischen Hannover, Braunschweig und Wolfsburg mehr passiert - dass wir enger zusammenarbeiten“, sagt er, und erwähnt seine Freundschaft mit Sprengel-Chef Reinhard Spieler, der noch Anfang des Jahres Museumschef in Darmstadts Nachbarstadt Ludwigshafen war. Selbstbewusst konstatiert er: „Die Magnetfelder haben sich nach Norden verschoben.“

Das klingt wieder etwas nach Alchemie. Und lässt doch ahnen, dass dieser Mann neue Energien freisetzen kann.

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