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Kultur Auf der Palliativstation: „Holding on“ im Spieletest
Mehr Welt Kultur Auf der Palliativstation: „Holding on“ im Spieletest
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16:00 23.12.2018
Michael Fox, Rory O’Connor: „Holding on. Das bewegte Leben des Billy Kerr“. Quelle: Hersteller
Leipzig

Wir leben im goldenen Zeitalter der Brettspiele. Die Branche boomt wie nie, die Inhalte werden immer breit gefächerter. Titel wie „Die Legenden von Andor“ oder „T.I.M.E. Stories“ oder das „Lagacy“-Prinzip mit seinem seriellen Charakter haben die Art und Weise verändert, wie in Spielen erzählt wird.

Und Titel mit ernsthaften Inhalten wie „Pandemie“ und „Les Poilus“ haben verändert, was erzählt wird: dort die weltweite Bekämpfung von Seuchen, hier das Elend in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs. Einen – zumindest thematischen – Höhepunkt dieser Entwicklung bietet „Holding on“: Es versetzt die Spieler als Pfleger auf eine Palliativstation.

Spieler haben die Wahl zwischen medizinischen und palliativen Behandlungen, die Billys Erinnerungen zum Leben erwecken. Quelle: Hersteller

Ein Patient ist eingeliefert worden. Er heißt Billy Kerr, ist 60 Jahre alt, hat einen Herzinfarkt erlitten und wird sterben; das ist sicher. Mehr weiß man anfangs aber auch nicht. Die Aufgabe der Spieler: ihm gemeinsam die letzten Tage so erträglich wie möglich zu machen und dafür zu sorgen, dass er mit seiner Vergangenheit und seinen Liebsten Frieden schließt. Ein ungewöhnliches Thema und ein außergewöhnliches Spiel.

Jeder Tag, jede Runde ist in drei Phasen unterteilt: in Früh-, Spät- und Nachtschicht. Jedes Mal deckt der Schichtleiter, der reihum wechselt, eine neue Karte auf, die darstellt, wie es Billy geht, und teilt das nötige Personal ein: die Pflegerfiguren der Spieler und neutrale Aushilfen.

Eine bis drei Personen sind jeweils gefordert. Bleiben Schichten unbelegt, gibt es noch die Möglichkeit, Überstunden zu schieben, was – verdeutlicht durch entsprechende Marker – zu Stress führt, der zu einem anderen Zeitpunkt abgebaut wird.

Poetisch und tieftraurig

Die Pfleger können Billy nun medizinisch behandeln, damit sich seine Gesundheit nicht verschlechtert, oder palliativ: Dann erwachen seine Erinnerungen, erst vage, dargestellt durch Aquarelle, dann klar mit deutlichen Bildern. Über zehn Szenarien erfährt man so immer mehr über den Patienten. Später kommen neue Erinnerungen hinzu oder Angehörige, mit denen man telefonieren kann – was freilich weitere, stets knappe Aktionen kostet.

Das Spiel „Holding on“ behandelt das elende Sterben des Billy Kerr ebenso, wie es sein Leben feiert. Das macht es im Ansatz zu einem sehr poetischen, wenn auch tieftraurigen Spiel. Im krassen Gegensatz dazu steht leider die starre Mechanik der Regeln, die die Spieler ständig unter Sachzwänge setzt. Wobei: Dass der Mensch im heutigen Gesundheitswesen zu kurz kommt, ist ja fast schon wieder philosophisch.

Michael Fox, Rory O’Connor: „Holding on. Das bewegte Leben des Billy Kerr“. Quelle: Hersteller

Info: Michael Fox, Rory O’Connor: „Holding on. Das bewegte Leben des Billy Kerr“. Hub Games/Asmodee, für zwei bis vier Spieler ab 14 Jahren, etwa 37 Euro.

Von Stefan Gohlisch

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