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Kultur Afrikas Transfer
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20:04 28.09.2014
Von Daniel Alexander Schacht
Jelili Atiku will die Erinnerung an den Krieg mit seiner Performance auf dem einstigen Nikolai-Friedhof heraufbeschwören. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Wippend vergrößern die Ballons jede Geste des Tänzers, den die rote Verhüllung mumienhaft erscheinen lässt – passend zur Bühne, die dieser Künstler für seinen Auftritt wählt: „Wie viel Zerstörung gab es hier im Krieg“, sagt der Nigerianer Jelili Atiku, der die Erinnerung daran mit seiner Performance auf dem einstigen Nikolaifriedhof heraufbeschwören will. „Ich mache die blutige Spur sichtbar, die sich durch die Menschheitsgeschichte zieht.“

Die Aktion gehört zu einer Ausstellung, die über die Kunsthalle Faust hinausgeht. Mit „Shifting Africa“ ist es Kurator Harro Schmidt gelungen, den Brückenschlag nach Afrika durch einen zweiten zu ergänzen: Die Präsentation künstlerischer Perspektiven aus der Subsahara ist zeitgleich bei der Biennale in Hannovers Partnerstadt Poznan, dem früheren Posen, zu sehen. „Es geht hier wie dort um Folgen der Globalisierung“, sagt Schmidt. „Die macht künstlerische Transfers leichter, aber auch die Probleme unübersehbar.“

Unübersehbar durchzieht Tom Ottos mehr als 20 Meter lange Installation aus Grenzbalken die Kunsthalle Faust – bis in einen abgedunkelten Teil, in dem mehrere Videos laufen, darunter auch ein Mitschnitt von einem weiteren Mumientanz Atikus – der 46-Jährige, der in Lagos Kunst studiert hat, hat seine Performance schon in Japan, Dänemark und mehreren Staaten Schwarzafrikas aufgeführt. Wie prekär das Verhältnis von Afrikanern und Europäern sein kann, markiert der dänische Konzeptkünstler Kristian von Hornsleth: Er hat ein Dorf in Uganda mit Ziegen und Schafen ausgestattet – als Gegenleistung dafür, dass alle Einwohner ihre eigenen Namen und den des Dorfes offiziell in „Hornsleth“ geändert haben.

Eine besonders bittere Realsatire, deren Dokumentation gut in diese Ausstellung passt. Gleich daneben fallen die über den Kopf gestülpten Tüten ins Auge, mit denen der Angolaner Edson Chagas sich fotografiert. Das Ausstellungsplakat zeigt auch eine Tüte mit Obama-Konterfei. Das Motiv erinnert unweigerlich an Abu Ghraib – und daran, dass der US-Präsident das Lager Guantanamo noch immer nicht geschlossen hat. Dazu passen Virginia Chihotas Lithografien, die die Vereinzelung in der Masse von Flüchtlingen zum Thema machen.

Und wie vollzieht sich in dieser Schau, zu der 19 Künstler aus sechs afrikanischen und drei europäischen Staaten beitragen, das, was der Ausstellungstitel „Shifting Africa“ nennt, also Wechsel, Verschiebung oder Transfer Afrikas? „Unsere Kunst soll das Publikum bewegen“, sagt Jelili Atiku. „Damit es seinen Standpunkt verändert und Afrika aus einer anderen Perspektive wahrnimmt.“ Das kann man jetzt jedenfalls versuchen – in der Kunsthalle Faust.

„Shifting Africa“

Bis 26. Oktober in der Kunsthalle Faust, Zur Bettfedernfabrik 3.

Details unter www.kunsthalle-faust.de

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