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08:42 09.02.2014
 Der "Schrei" hat schon viel mitgemacht. Quelle: dpa
Oslo

 Der "Schrei" hat schon viel mitgemacht. In den mehr als hundert Jahren seiner Existenz ist das berühmte Werk des norwegischen Expressionisten Edvard Munch (1863-1944) nicht nur einmal in die Hände von Dieben geraten. Zum Glück gibt es das Bild gleich in vier Versionen. Von der Hand des Meisters existieren zwei großen Ölgemälde und zwei Pastelle. Ganz hart traf es eines der großen Gemälde (1910) vor zehn Jahren. Vor den Augen von Besuchern des Munch Museums in Oslo aus dem Rahmen gerissen, war der "Schrei" zwei Jahre später wieder aufgetaucht - aber mit so schlimmen Schäden, dass Experten ihm die Diagnose "nicht mehr ganz zu retten" verpassten. Drei Norweger kamen für den Raub hinter Gitter. Doch es war nicht das erste Verschwinden eines "Schreis".

Vor 20 Jahren gelang Kriminellen mit einer ganz simplen Methode ein verblüffender Coup. Damals handelte es sich um die erste Version von 1893, die in der Nationalgalerie in Oslo zu sehen war. "Das war sozusagen der "Urschrei"", sagt der Leiter der Galerie, Nils Ohlsen. "Er kommt nie auf den Markt, deshalb ist sein Wert nicht definierbar - wie bei der Mona Lisa", sagt Ohlsen. "Das ist nationales Kulturerbe Norwegens. Die Franzosen würden auch nicht den Eiffelturm verkaufen." Wenn man den Wert des "Urschreis" aber beziffern müsse, helfe dieser Vergleich: Eine kleinere, spätere Version des "Schreis" kam in New York vor zwei Jahren für 119 Millionen Dollar unter den Hammer.

Umso erstaunlicher, dass der Kunstdieb Pål Enger vor 20 Jahren über eine einfache Trittleiter und durch ein Fenster in den ersten Stock der Nationalgalerie gelangte. Innerhalb von nur 50 Sekunden hing er das kostbare Kunstwerk ab und machte sich aus dem Staub. Zunächst konnte der Norweger mit Komplizen und Beute unerkannt entkommen. Übermütig ließ er am Tatort noch eine Postkarte zurück: "Vielen Dank für die schlechte Bewachung." Ein Drittel von Norwegens Polizei war da gerade bei der Winterolympiade im 170 Kilometer entfernten Lillehammer im Einsatz. "Damals hatte man einfach noch wesentlich schlechtere Sicherheitsvorkehrungen", sagt Ohlsen. "Die Sache ist nur, den "Schrei" können Sie ja gar nicht verkaufen.

Selbst wenn Sie ihn zu Hause haben, können Sie ihn nirgendwo anbieten", meint der Galerie-Direktor. "Diese ganz berühmten Werke sind durch ihre Berühmtheit glücklicherweise auch geschützt." Dumm für das Schlitzohr, das einige Jahre zuvor schon Munchs "Vampir" gestohlen hatte, war auch, dass ihn eine Überwachungskamera bei der nächtlichen Aktion filmte. Knapp drei Monate später fassten Fahnder den Dieb und fanden den "Schrei" in einem Hotelzimmer in dem Ort Aasgardstrand am Oslofjord südlich von Norwegens Hauptstadt. Das Bild, das im Vordergrund einen auf einer Brücke ans Geländer gelehnten Menschen mit weit aufgerissenem Mund und angsterfüllten Augen zeigt, hatte keinen einzigen Kratzer.

Für den Diebstahl bekam Enger als Chef der Bande mehrere Jahre Gefängnis aufgebrummt. Auch drei Komplizen wurden zu Haftstrafen verurteilt. Ein weiterer Trost für den "Schrei" und die Nationalgalerie: Kunstdieb Enger entschied sich 2011 dazu, von selbstgemalten Bildern zu leben, anstatt sie aus Galerien und Museen zu stehlen. Zumindest vor ihm dürfte das Millionenbild also künftig sicher sein. So leicht käme er aber ohnehin nicht mehr daran: "Der "Schrei" liegt heute bei uns unter einer dicken Panzerglasplatte", sagt Ohlsen.

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