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Welt Zeitfrieden oder Zeitkrieg?
Mehr Welt Zeitfrieden oder Zeitkrieg?
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12:26 31.08.2018
Wer darf an der Uhr drehen? Quelle: Federico Gambarini/dpa
Berlin

„Die Menschen wollen das, wir machen das“, sagte: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. So einfach können die Dinge manchmal sein. Die meist so ferne Europäische Union entdeckt plötzlich direkte Demokratie. Jean-Claude Juncker kündigt an, dass die Zeitumstellung abgeschafft wird.

„Das werden wir heute beschließen“, sagte er mit Blick auf die laufende Kommissionsklausur. 80 Prozent der Teilnehmer einer Online-Umfrage hatten sich für die Abschaffung der Zeitumstellung ausgesprochen. Die meisten davon wollen, dass die Sommerzeit das ganze Jahr hindurch gilt. Juncker setzt sich ein Denkmal als volksnaher Spitzenbeamter.

Der „kleine Jetlag“ zwei Mal pro Jahr – vorbei. Die dauernde Frage: vor oder zurück – unwichtig. Die gesundheitlichen Folgen der Zeitumstellung – erledigt. Das ganze Jahr ist es abends länger hell – dank der EU. Jubel, Freude, Strandbars im Dezember!

Einige Länder wollen eigentlich an der Umstellung festhalten

Aber ist es so einfach? Fangen wir bei dem Satz an: „Die Menschen wollen das.“ 4,6 Millionen Teilnehmer haben abgestimmt, drei Millionen davon allen in Deutschland. Es soll zwar in allen EU-Ländern Menschen mitgemacht haben, aber das Ungleichgewicht ist schon bemerkenswert. Bei der Europawahl 2019 sind etwa 400 Millionen Europäerinnen und Europäer wahlberechtigt. „Die Menschen“ sind also 1,15 Prozent derjenigen, die eigentlich in Europa etwas zu sagen haben müssten.

Zweite Frage: Was wird aus dem „Das werden wir heute beschließen“ folgen – Zeitfrieden oder lange anhaltender Zeitkrieg? Die baltischen Staaten und Finnland haben schon erklärt, dass sie an der Umstellung lieber festhalten wollen. In Spanien könnte die Debatte wieder neu aufflammen, ob man nicht besser wieder die Zeitzone wechselt und sich der Greenwich-Zeit anschließt.

Und auch eine andere Dauerdebatte würde Fahrt aufnehmen können – die nach dem Schulbeginn. Wenn Millionen Eltern ihre Kinder über Monate in stockdunkler Nacht zur Schule treiben müssen, ist die Diskussion um eine ganz andere Zeitumstellung, nämlich die des Schultags, eigentlich unvermeidlich.

So einfach ist das „Die Menschen wollen das“ auch bei einer scheinbar unpolitischen Frage nicht.

Von Jan Sternberg/RND

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