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Landesforsten verjüngen massiv ihre Wälder

Der Klimawandel setzt den Nadelbäumen zu Landesforsten verjüngen massiv ihre Wälder

Stürme, Dürre und Dauerregen belasten auch Niedersachsens Nadelwäldern. Deshalb setzen die Landesforsten jetzt massiv auf Abholzung und Neupflanzungen, um die Wälder resistenter zu machen.

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Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten (rechts), hier mit Holger Buschmann vom Nabu.

Quelle: Brinkmann-Thies

Braunschweig. Niedersachsens Landesforsten planen für die kommenden Jahre eine gewaltige Abholzung von alten Nadelholzbeständen, um anschließend in großem Maßstab wieder neu zu pflanzen – als Reaktion auf den Klimawandel. „Die Wetterkapriolen des vergangenen Jahres, an die der Orkan Friederike im Januar 2018 mit großen Sturmholzmengen nahtlos anknüpfte, zeigen uns, dass wir die Wälder fit machen müssen für den Klimawandel“, sagte Klaus Merker, Präsident der Landesforsten am Mittwoch, als er den Geschäftsbericht der Landesforsten in Braunschweig präsentierte. So wollen die Landesforsten allein in den nächsten sieben Jahren 40 Millionen Euro in die Hand nehmen, um neue Bäume zu pflanzen. An die Stelle von Nadelbäumen sollen Laubbäume treten, insgesamt sollen Niedersachsen Wälder durchmischter werden, um Dürreperioden ebenso zu trotzen wie Stürmen und Starkregenereignissen, die die Wälder unbegehbar machen können.

Fünf Millionen Euro an Schäden

Die Wetterkapriolen des vergangenen Jahres haben nach Merkers Worten den Landesforsten im sprichwörtlichen Sinn die Bilanz verhagelt. Denn nach einem weitgehend trockenen Halbjahr hätten ab Juli 2017 überdurchschnittlich hohe Regenfälle, Überschwemmungen und mehrere Stürme dazu geführt, dass es den Forstämtern schwer gefallen ist, ihre Wälder zu bewirtschaften. „Im letzten Jahr hatten wir sehr hohe Regenmengen über Monate. Zwar hat der Boden eine hohe Speicherfähigkeit, aber irgendwann wird er wie ein Schwamm“, berichtet Merker. Der Sturm habe wegen der durchweichten Erde sogar Eichen ins Wanken gebracht. Wegen der stark aufgeweichten Böden habe man den Holzeinschlag und das sogenannte Holzrücken in der zweiten Jahreshälfte zeitweise ganz einstellen müssen – 85 000 Kubikmeter weniger Holz wurden „geerntet“, berichtet der Präsident. Die Schadensbilanz ist nach seinen Worten fünf Millionen Euro hoch. Wege und Übergänge hätten wieder hergerichtet werden müssen.

Fluch und Segen der Nachkriegsaufforstungen

Jetzt gehe es darum, den Wald vorbeugend auf den Klimawandel vorzubereiten, ihn langfristig zu erhalten und weiter zu entwickeln, sagte Merker. Am stärksten zugesetzt hätten die Wetterkapriolen jenen Wäldern, die vor allem in der Kriegs- und Nachkriegszeit angepflanzt worden seien, den heute etwa 70-jährigen Kiefern- und Fichtenwäldern. Schon längere Zeit seien die Landesforsten dabei, diese Wälder zu strukturreichen Mischwäldern auszubauen, die nicht nur resistenter gegen Stürme, sondern auch gegen Borkenkäfer seien. „In unseren Nationalparkzonen lassen wir diese Kiefern einfach stehen, aber in den wirtschaftlich genutzten Bereichen fällen wir die vom erhöhten Risiko betroffenen Bäume und ersetzen sie.“ So komme man dem Wind und den Käfern zuvor und bringe das notwendige Licht für die Verjüngung der Baumbestände. Dafür soll der Holzeinschlag bis ins Jahr 2025 sukzessive ansteigen – von derzeit 1,7 auf rund 1,93 Millionen Kubikmeter. „So profitieren wir jetzt noch von den Nachkriegsaufforstungen in doppelter Hinsicht. Wir ernten wertvolles Nadelholz und können daraus den Umbau finanzieren.“ Bedauerlich sei nur, dass der Klimawandel den Förstern dieses Vorgehen diktiere.

Von Michael B. Berger

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