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Welt Kinderbuchautorin Enid Blyton begeistert immer noch
Mehr Welt Kinderbuchautorin Enid Blyton begeistert immer noch
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10:56 27.11.2018
50 Jahre danach: Das Cover des Buches „The Real Enid Blyton“ von Nadia Cohen. Quelle: Pen & Sword Books/dpa
London

Die BBC verbannte sie aus dem Programm. Kritiker verabscheuten sie als literarisches Leichtgewicht. Lektoren übertünchten ihre rassistischen Untertöne in den neuen Ausgaben. Und doch bleibt Enid Blyton auch ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod am 28. November 1968 vermutlich die weltweit bestverkaufte Kinderbuchautorin – noch vor J.K. Rowling und deren Harry-Potter-Serie.

Sie verkaufte geschätzte 600 Millionen Bücher und hat vor allem in Deutschland, Indien und Japan viele Fans. Ihre 753 Abenteuer-, Internats- und Fantasie-Bücher wurden fast so häufig übersetzt wie Shakespeares Werke. Die meisten ihrer Serien spielen in der guten alten Zeit, einem imaginären England, von dem Brexit-Befürworter immer noch träumen und das so nie existiert hat: dem Empire mit der Teestunde am Nachmittag, bevölkert von wohlerzogenen Kindern, Gouvernanten, überforderten Polizisten, und – natürlich – Schurken.

Flucht vor der Wirklichkeit

Blyton flüchtete sich in diese Welt vor der Wirklichkeit: Geboren am 11. August 1897, wuchs sie in einem südlichen Londoner Vorort in einer Vertreterfamilie auf. Keine glückliche Kindheit: „Enid und ich standen oben an der Treppe mit den Armen umschlungen, weinten und lauschten allem, was vor sich ging“, beschrieb ihr jüngerer Bruder Hanly später die Atmosphäre. Bald danach zog der Vater zu seiner Geliebten. Zeitlebens hatte Blyton eine kalte und distanzierte Beziehung zu ihrer Mutter, die ihre frühen Schreibversuche und Gedichte laut einer neuen Biographie von Nadia Cohen als „Kritzeleien“ und „Verschwendung von Zeit und Geld“ bezeichnete.

Doch die junge Enid ließ sich nicht von ihrem Traum abbringen: Statt wie vorgesehen Konzertpianistin zu werden, sattelte sie um auf Lehrerin, um mehr über ihre Zielgruppe zu erfahren. Mit 25 veröffentlichte sie ihren ersten schmalen Gedichtband „Child Whispers“ (dt: Kindergeflüster). Als sie den Lektor Hugh Pollock traft, schrieb sie in ihr Tagebuch: „Ich will ihn für mich.“ 1924 heirateten sie. Nach außen hin baute sie sich ein perfektes Familienleben auf: Verheiratet, zwei Töchter, ein Haus mit Garten, Katze Bimbo und Hund Topsy. Doch in ihrer Ehe brodelte es: Er war Alkoholiker und litt an Depressionen, sie rettete sich in Affären. Nach fast zwanzig Jahren Ehe ließen sie sich scheiden – damals ein Skandal – und heirateten ihre jeweiligen Liebhaber.

Blyton brachte in manchen Jahren mehrere Dutzend Bücher und Geschichten heraus. Angeblich tippte sie rekordverdächtige 10 000 Wörter pro Tag. In einem Interview mit dem „Telegraph“ beschrieb Schauspielerin Helena Bonham Carter sie als Marketing-Profi: Ihre jungen Fans nannte sie „Freunde“, gab eine Zeitschrift für sie heraus und ließ sich von ihnen dabei helfen, einen Namen für ihr Haus „Green Hedges“ zu finden. „Sie war ein komplettes Arbeitstier, ein Erfolgsjunkie und eine äußerst gerissene Geschäftsfrau“, erklärte Bonham Carter, die Blyton in dem Film „Enid“ verkörperte. „Sie wusste, wie sie sich selbst als Marke verkaufen konnte, bis hin zur berühmten Signatur“ – die auf keinem Buchdeckel fehlen durfte.

Das Geheimnis ihres Erfolges

Blyton liebte ihre jungen Leser und schrieb: „Ich möchte, dass sie zu guten, anständigen Erwachsenen heranwachsen. Ich möchte, dass sie freundlich und liebevoll und großzügig sind.“ Doch die jüngere ihrer beiden Töchter, Imogen Smallwood, beklagte 1989 in ihren Memoiren „A Childhood At Green Hedges“ (dt: Eine Kindheit in Green Hedges): „In Wahrheit war Enid Blyton arrogant, unsicher, anspruchsvoll, sehr geschickt darin, schwierige oder unangenehme Dinge aus ihrem Kopf zu verbannen, und ohne jeden mütterlichen Instinkt.“

Das Geheimnis ihres Erfolges? An der literarischen Qualität kann es nicht liegen; aber sie bietet leicht verdauliches Lesefutter, so vorhersehbar und vertraut wie eine warme Kuscheldecke: Die Handlungen folgen immer demselben Schema, die Charaktere sind zweidimensional, ihr Wortschatz begrenzt, die Moral schwarz-weiß.

Bestseller wie die „Abenteuer“-Serie, „Die verwegenen Vier“, „Die Schwarze Sieben“ und „Fünf Freunde“ bieten ElfJährigen eine Fluchtmöglichkeit aus dem Alltag: Eine Gruppe von Kindern geht auf Entdeckungsreise, unbeobachtet von Erwachsenen. Dabei überlisten sie Schmuggler, Entführer und zwielichtige Fremde, bevor sie mit Kuchen und Limonade belohnt werden.

Enid Blytons größtes Verdienst ist wahrscheinlich, dass sie Millionen von Kindern durch ihre Abenteuergeschichten zum Lesen motiviert hat. Und selbst ein halbes Jahrhundert nach ihrem Tod im Alter von 71 Jahren ist ihr Stil immer noch so bekannt, dass sich Parodie-Titel wie „Five on Brexit Island“ (dt: Fünf Freunde auf der Brexit-Insel) über 372 000 Mal verkaufen.

Von RND / dpa

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