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Welt Jeder dritte Patient wartet wochenlang auf Arzttermin
Mehr Welt Jeder dritte Patient wartet wochenlang auf Arzttermin
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06:06 29.08.2018
Patienten warten teilweise wochenlang auf einen Arzttermin. Quelle: Michael Reichel/dpa
Berlin

Etwa ein Drittel der Patienten in Deutschland wartet länger als drei Wochen auf einen Termin bei einem Facharzt. Das ist der zentrale Befund der Versichertenbefragung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Für die Untersuchung waren zwischen April und Juni insgesamt 6043 zufällig ausgewählte Personen ab 18 Jahren zu ihrem letzten Arztbesuch befragt worden. Dabei gaben 32 Prozent der Teilnehmer an, auf einen Facharztbesuch länger als drei Wochen gewartet zu haben – 4 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2017. Bei den Hausärzten ergab die Befragung keine überlangen Wartezeiten. Insgesamt gaben 56 Prozent an, ohne Warten oder einen Termin zu ihrem Hausarzt gehen zu können.

KBV-Chef Andreas Gassen zeigte sich bei der Vorstellung der Zahlen zufrieden: „Ich sage nicht: Es ist alles perfekt bei den Wartezeiten. Aber die Situation insgesamt ist gut.“ In der Studie gaben lediglich 20 Prozent der Befragten an, sich an den zu langen Wartezeiten zu stören. „Die Wartezeiten, die von der Politik als ein derart drängendes Problem angesehen werden, dass sie aktuell sogar ein eigenes Gesetz dafür macht, sind aus Sicht der allermeisten Patienten vollkommen akzeptabel“, sagte er. Die allermeisten Patienten sind in diesem Falle 80 Prozent.

Mehrleistung von Ärzten soll belohnt werden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte zuletzt eine Gesetzesinitiative gestartet, um die Wartezeiten auf Arzttermine zu verringern. Durch die neuen KBV-Zahlen sieht sich der CDU-Politiker bestätigt. „Die Umfrage zeigt: Wir müssen weiter daran arbeiten, dass Patientinnen und Patienten so schnell wie nötig einen Arzttermin bekommen“, sagte Spahn dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Deshalb wollen wir die Sprechstundenzeiten ausweiten, die Terminservicestellen ausbauen und Mehrleistung von Ärzten belohnen.“ Eine gute Versorgung der Patienten gehe nur zusammen mit den Ärzten, nicht gegen sie: „Deswegen wollen wir hier an einem Strang ziehen.“

Dringenden Handlungsbedarf sehen auch Patientenschützer. „Offensichtlich funktioniert die schnelle Terminvergabe bei Fachärzten noch immer nicht“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung ­Patientenschutz, dem RND. „Es ist längst überfällig, dass eine einheitliche bundesweite Rufnummer kommt, die rund um die Uhr erreichbar ist. Ebenso notwendig ist eine Internetplattform für die Terminservicestellen.“

Ein positives Ergebnis brachte die Befragung mit Blick auf die Notaufnahmen hervor. „Eine deutliche Veränderung zum Vorjahr sehen wir bei der Frage, wohin sich die Menschen wenden, wenn sie nachts oder am Wochenende ärztliche Hilfe benötigen“, betonte KBV-Chef Gassen, der noch im Sommer eine Gebühr für Notaufnahme-Besuche mit nicht akuten Beschwerden ins Gespräch gebracht hatte, dann aber wieder zurückgerudert war. 2018 suchten 33 Prozent der Befragten am Wochenende oder nachts das Krankenhaus auf, wenn sie ärztliche Hilfe brauchten. 2017 waren es noch 47 Prozent. Für 2019 planen die Kassenärzte eine Kampagne, um die 116.117 als Notfallnummer deutschlandweit bekannter zu machen und so die Notaufnahmen in den Krankenhäusern zu entlasten.

Kaum Bereitschaft für Online-Sprechstunden

Trotz der Engpässe sind nur sechs Prozent der Arztpraxen in Deutschland bereit, Online-Sprechstunden anzubieten. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. 89 Prozent der Arztpraxen, die an der Untersuchung teilgenommen hatten, gaben an, für sie komme es grundsätzlich nicht in Frage, Online-Sprechstunden anzubieten. 5 Prozent wollten sich nicht festlegen.

Forsa hat für die Umfrage unter anderem 200 Arztpraxen befragt. Laut der Studie sind bislang 26 Prozent der Praxen an die bundesweite Telematik-Infrastruktur angeschlossen, die für komplexere Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte notwendig ist. 34 Prozent sind noch nicht angeschlossen, planen dies aber. 28 Prozent planen nicht, sich anschließen zu lassen.

Von Rasmus Buchsteiner und Josefine Kühnel/RND

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