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Welt Ist der Klimawandel an der Hitzewelle schuld?
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09:20 25.07.2018
Auf Grund der Hitzewelle besteht sehr große Brandgefahr für Getreidefelder. Quelle: dpa
Potsdam

Ein bisschen überrascht ist Fred Hattermann doch. Zwar beschäftigt sich der Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung eigentlich ständig mit heißen Temperaturen, heftigen Regenfällen und anderen Wetterereignissen, doch „diese hohen Temperaturen, verbunden mit der lang anhaltenden Trockenheit sind schon sehr extrem“, sagt Hattermann. Einerseits.

Andererseits passen sie sehr gut in die Entwicklungen, vor denen Hattermann und andere Klimafolgenforscher schon seit Langem warnen. Hitzewellen mit Temperaturen über 30 Grad, mehrere Tage lang, „so etwas erwarten wir“, sagt Hattermann. Zwar können die Wissenschaftler nie wirklich eindeutig feststellen, ob ein einzelnes Ereignis nur Zufall oder Ausdruck eines langfristigen Trends ist, aber die langfristige Perspektive ist klar: „Deutschland ist schon mitten im Klimawandel.“

Ein Hochdruckgebiet über Skandinavien ist verantwortlich

Seit Beginn des Jahrtausends scheint ein Rekordjahr das nächste zu jagen. Die Durchschnittstemperatur in Deutschland ist um etwa 1,4 Grad gestiegen. April und Mai 2018 lieferten Rekordwerte – und jetzt diese Hitzewelle.

Verantwortlich für die gegenwärtige Wetterlage, erklärt Hattermann, ist ein Hochdruckgebiet über Skandinavien, das sich nicht wirklich weiterbewegt. Es verhindert, dass Westwinde feuchte Luft vom Atlantik nach Deutschland bringen. „Solche Blockadesysteme scheinen sich zu häufen“, sagt Hattermann. Auch das könnte eine Folge des Klimawandels sein.

Extreme Wetterereignisse können alle treffen

Denn Klimawandel, das bedeutet nicht nur, dass das Eis an den Polen schmilzt. Je nach Region werden sich die Menschen auf unterschiedliche Folgen einstellen müssen. Allgemein lässt sich dabei sagen: Im Norden und Westen Europas wird es mehr regnen. Im Süden und Osten nehmen Niederschläge dagegen ab. Deutschland liegt dazwischen – mit welchen Folgen man hierzulande rechnen müsse, das könne man bisher noch nicht genau festmachen, sagt Hattermann.

„Extreme Ereignisse können aber anscheinend, wie wir es gerade bei den Waldbränden in Schweden sehen, jeden treffen“, sagt Hattermann. Denn weltweit werden diese Wetterereignisse zunehmen – ob das extreme Regenfälle, Schnee, Dürre, Wind ist – oder eben Hitze.

Immer mehr Menschen von „tödlichen“ Hitzetagen betroffen

Die hohen Temperaturen können tödlich sein. Besonders gefährlich sind sie zum Beispiel für ältere oder geschwächte Menschen. Als 2003 das Hoch „Michaela“ in Europa für Höchsttemperaturen sorgte, starben in Deutschland etwa 7000 Menschen mehr als in anderen Sommern sonst üblich.

„In zwanzig bis dreißig Jahren könnte der Sommer 2003 ein ganz durchschnittlicher Sommer sein“, sagt Hattermann. Schon heute erlebt etwa ein Drittel der Weltbevölkerung 20 „tödliche“ Hitzetage pro Jahr. Selbst wenn man die Emission von Treibhausgasen drastisch reduzieren würde, fanden Wissenschaftler von der Universität von Hawaii heraus, wird das 2100 für etwa die Hälfte der Menschen der Fall sein. Wenn man von einem schlechteren Szenario ausgeht, werden sogar rund 74 Prozent der Weltbevölkerung in knapp hundert Jahren 20 solcher gefährlicher Tage erleben.

Auch extreme Regenfälle nehmen zu

Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben derweil vor Kurzem untersucht, wie sich die Dürreregionen in Europa entwickeln werden. Ihr ernüchterndes Ergebnis: Selbst wenn es der Menschheit gelingt, tatsächlich das Ziel einer Erwärmung um 1,5 Grad einzuhalten, werden die Dürreregionen in Europa 19 Prozent der Fläche einnehmen. Steigt die globale Erwärmung dagegen um drei Grad, sind es 26 Prozent. Zudem werden die Dürren deutlich länger dauern als bisher.

Gleichzeitig, stellten Wissenschaftler fest, nehmen weltweit bereits die extremen Regen- und Schneefälle zu. Dabei gibt es auch durchaus einen Zusammenhang zu den warmen Temperaturen: Wenn die Verdunstungsraten und der Wassergehalt in der Luft in einem wärmeren Klima ansteigen, kann das zu schwereren Gewittern und Starkregen führen.

Von Anna Schughart/RND

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