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Welt 63 Förderschulen sollen länger erhalten bleiben
Mehr Welt 63 Förderschulen sollen länger erhalten bleiben
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00:21 26.07.2018
An der Albrecht-Dürer-Schule in Hannover spielen Schüler das Leben in einem Betrieb nach. Diese Schule wird allerdings in den nächsten Jahren auslaufen. Quelle: Foto: Schaarschmidt
Hannover

Anstatt aufgelöst zu werden, sollen 63 Förderschulen für Kinder mit Lernproblemen in Niedersachsen jetzt doch bis 2028 erhalten bleiben. Das geht aus der Antwort des Kultusministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen hervor, die der HAZ vorliegt. Die Große Koalition räumt den Schulträgern die Möglichkeit ein, Förderschulen länger bestehen zu lassen als ursprünglich vorgesehen. Erstmals dürfen ab August wieder Förderschüler in den Jahrgang 5. eingeschult werden.

Für Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) ist dies ein Beitrag zur Entspannung der hoch emotional geführten Debatte um die Inklusion. Man nehme Geschwindigkeit raus, wenn Regionen noch nicht so weit seien.

Atempause oder Rückschlag für die Inklusion?

Was aus Sicht der Großen Koalition als Atempause gedacht ist, wirft nach Ansicht von Julia Willie Hamburg, Bildungsexpertin der Grünen, die Inklusion an den Regelschulen zurück. Schon jetzt fehlten Sonderpädagogen überall im Land, durch den künstlichen Erhalt von Förderschulen werde der Mangel zusätzlich noch verschärft. „Ich befürchte, dass die inklusiven Schulen somit noch länger auf das dringend benötigte Fachpersonal warten müssen – zulasten der Kinder an den Schulen. Damit wird die inklusive Schule leider für Eltern zunehmend unattraktiv und den inklusiven Schulen fehlt die wichtige Entwicklungsperspektive, auf die sie seit Einführung der Inklusion warten." Auch die Rolle der Regionalen Zentren für Schulische Inklusion sei unklar, wenn die Förderzentren doch bestehen blieben. Sie warnt vor lähmenden Parallelsystemen.

Seit 2013 haben Eltern das Recht selbst zu entscheiden, ob sie ihr behindertes Kind an eine Regel- oder eine Förderschule schicken wollen. Nur die Förderschule für Kinder mit Lernproblemen sollen allmählich auslaufen. Die Schulen für Schüler mit Sprachschwierigkeiten, geistiger Behinderung, Seh-, Hör- oder Verhaltensproblemen bleiben bestehen. Allerdings haben die meisten Kinder mit Förderbedarf Lernschwierigkeiten.

13 Schüler pro Jahrgang reichen aus für Erhalt

Bis zum Stichtag Ende April waren 57 Anträge auf Fortbestand der Förderschule Lernen eingegangen, danach noch einmal sechs. In 51 Fällen konnten die Kommunen belegen, dass sie tatsächlich auf die erforderlichen 13 Schüler pro Jahrgang kommen, in fünf Fällen nicht, diese Anträge wurden abgelehnt. Anträge kommen unter anderem aus Braunschweig, Salzgitter, Emden und Osnabrück und den Kreisen Northeim, Rotenburg/Wümme und dem Emsland. Die Stadt Hannover verzichtet bewusst darauf, die Förderschulen länger zu erhalten, sondern zieht künftig alle Förderschüler mit Lernschwächen an einem Standort, an der Albrecht-Dürer-Schule im Stadtteil Bothfeld, zusammen. Zwei andere Förderschulen werden dagegen aufgelöst, ihre Gebäude nutzen nun eine Grundschule und eine Oberschule. In der Wedemark und in Barsinghausen (Region Hannover) sollen dagegen zwei Schulen länger bestehen bleiben als ursprünglich geplant.

Von der zweiten Möglichkeit, die das neue Schulgesetz, den Kommunen einräumt, nämlich an Regelschulen, extra Lerngruppen für lernschwache Kinder einzurichten, hat kaum jemand Gebrauch gemacht. Lediglich eine Oberschule im Kreis Hameln und eine Gesamtschule in Hildesheim haben dies beantragt. Nach Angaben des Landes sind durch den Fortbestand der Förderschulen im 5. Jahrgang im neuen Schuljahr 75 zusätzliche Stellen für Sonderpädagogen nötig.

Doppelsystem kostet Lehrer und ist teuer

Welche Schule bekäme im Konfliktfall den begehrten Sonderpädagogen zugesprochen, fragen die Grünen – die inklusive Regelschule oder die Förderschule? Das Land antwortet ausweichend: Die Stellen würden bedarfsgerecht besetzt. Der Landesrechnungshof hatte in seinem Bericht vor Kurzem die Verstetigung der teuren Doppelstrukturen massiv angeprangert.

Von Saskia Döhner

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