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Welt Mediziner schlagen Alarm: Mehr Todesfälle wegen Antibiotika-Resistenzen
Mehr Welt Mediziner schlagen Alarm: Mehr Todesfälle wegen Antibiotika-Resistenzen
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15:35 06.11.2018
Im Labor nachgewiesene resistente Bakterien Quelle: dpa
Hannover

Eine Standard-OP im Krankenhaus, dabei gerät ein Keim in die Wunde, gegen den kein Antibiotikum mehr hilft. Die Gefahr solcher lebensbedrohlichen Infektionen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Einer aktuellen Studie zufolge sterben in der EU jedes Jahr mehr als 33.000 Menschen wegen Antibiotika-Resistenzen.

„Infektionen mit antibiotikaresistenten Bakterien sind eine Bedrohung für die moderne Gesundheitsversorgung“, schreiben die Autoren im Fachjournal „Lancet“. Die Studie wurde vom Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) durchgeführt. Die Forscher verglichen bisherige Schätzungen aus dem Jahr 2007 mit Daten von 2015. Demnach hat sich die Zahl der Infektionen nahezu verdoppelt, deutlich mehr Patienten sterben.

Südliche Länder am stärksten betroffen

Mit Abstand am stärksten betroffen ist Italien mit mehr als 10.000 Todesfällen, gefolgt von Griechenland, Rumänien und Portugal. In Nordeuropa ist die Situation besser: In Deutschland infizierten sich rund 55.000 Menschen, fast 2400 starben an den Folgen. In Estland und Island gibt es die wenigsten Fälle. Die südlichen Länder seien am stärksten betroffen, weil dort viele Antibiotika-Präparate wie Halsschmertabletten frei verkäuflich seien, so die Einschätzung von Experten.

Etwa drei Viertel der Erkrankungen mit resistenten Keimen entstehen laut Studie in Krankenhäusern und anderen Kliniken. In knapp 40 Prozent der betrachteten Fälle seien die Patienten mit einem Keim infiziert, gegen den auch Reserve-Antibiotika nichts mehr ausrichten können. Die Behandlung einer Infektion ist dann nur noch schwer, teils gar nicht mehr möglich.

Pharmaindustrie vernachlässigt Forschung

„Die neuen Zahlen sind extrem besorgniserregend. Wir haben bisher nichts, womit wir der Entwicklung entgegen wirken können“, sagte Susanne Häußler vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Zum einen vernachlässige die Pharmaindustrie die Entwicklung neuer Antibiotika – sie sei schlicht nicht lukrativ genug. Zum anderen mangele es an schneller Diagnostik. „In beiden Bereichen müssen wir dringend handeln.“

Weltweit sterben etwa 700.000 Menschen infolge von Antibiotika-Resistenzen. Das Thema stand auch auf der Agenda des G20-Gesundheitsministertreffens in Argentinien im vergangenen Monat. „Nur durch die weltweite Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin, der Landwirtschaft und des Umweltsektors können Antibiotika-Resistenzen langfristig bekämpft werden, sagt Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Thomas Gebhart.

Von Sonja Fröhlich/RND

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