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Welt Gysi plant bereits die Zukunft
Mehr Welt Gysi plant bereits die Zukunft
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00:29 23.09.2013
Katja Kipping und Gregor Gysi (Linke). Foto: von Jutrczenka Quelle: Bernd von Jutrczenka
Berlin

Die russische Band „Trio Scho“ heizte die Stimmung in der Berliner Kulturbrauerei mit Titeln wie „Meine Sowjetunion“ an. Doch nach dem Auftritt gab es bei den ersten Hochrechnungen nur verhaltenen Jubel bei der Wahlparty der Linken. Statt der angestrebten „Zehn Prozent plus X“ landete die Partei bei etwas über acht Prozent, und damit bei mehr als drei Prozent weniger als vor vier Jahren.

Gysi ist bester Laune

Erst als Fraktionschef und Dauerwahlkämpfer Gregor Gysi unter „Gregor-Gregor-Rufen“ die Bühne betrat, wurde es wieder lauter. Der 65-Jährige war trotz der Verluste gegenüber der Wahl von 2009 bester Laune und hochzufrieden. Wenn er 1990 gesagt hätte, seine Partei würde im Jahr 2013 als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen, man hätte ihn in die Psychiatrie einweisen müssen. „Und ich hätte mich nicht mal dagegen gewehrt“, sprudelte es aus Gysi heraus.

Der Linkenpolitiker sah sich gestern Abend bereits als „Oppositionsführer im Bundestag“. Die Linke lag nach den ersten Hochrechnungen einige Zehntelprozent vor den Grünen. „Ich glaube, wir haben einen beachtlichen Akzeptanzschub erreicht. Jetzt darf gefeiert werden“, meinte Gysi.

Zumindest indirekt machte der Linken-Medienstar Sozialdemokraten und Grünen ein Angebot zur Zusammenarbeit. „Man muss miteinander sprechen. Für Gespräche stehen wir zur Verfügung“, sagte Gysi in Richtung Rot und Grün. Die „Ausschließeritis“, die zuletzt von SPD und Grünen gegenüber der Linken betrieben worden sei, habe nichts gebracht.

Ein Korb für Riexinger

Auch Parteichef Bernd Riexinger versuchte, in der abendlichen ARD-Runde der Parteichefs noch einmal zu locken: Mit der Linken könnten SPD und Grüne beim Mindestlohn, in der Steuerpolitik und in der Rentenpolitik viel mehr erreichen als eine große Koalition. Doch die beiden umworbenen Parteien gaben Riexinger einen Korb. Die Linke hatte mit einer Doppelstrategie Wahlkampf gemacht: Die SPD wurde attackiert, aber gleichzeitig wurde für Rot-Rot-Grün geworben. Mit dem Ausscheiden der FDP und dem starken Abschneiden der eurokritischen AfD herrsche „ein neues politisches Klima in Deutschland. Wir müssen uns auf schwierigere Zeiten einstellen“, meinte Gysi.

von Reinhard Zweigler