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10:01 28.07.2018
Bei sommerlich heißen Temperaturen kommt viel Fleisch auf den Grill – doch welches stammt aus guter Haltung? Quelle: Foto: dpa
Berlin

Beim Ei hat es funktioniert. Die vor 13 Jahren EU-weit eingeführte staatliche Kennzeich­nung beeinflusst das Kaufverhalten der Verbraucher enorm. Seit jeder im Supermarkt erkennen kann, ob ein Ei aus Bio-, Freiland-, enger Boden- oder tierquälerischer Käfighaltung stammt, sehen sich die Legehennenhalter gezwungen, mehr auf umwelt- und tierwohlgerechte Ställe zu setzen. Ein höherer Aufwand zahlt sich für sie aus.

Warum geht das nicht auch beim Fleisch? Anders als beim Ei gibt es dort keine verpflichtende staatliche Kennzeichnung. Stattdessen regiert ein Wildwuchs an Tierwohlsiegeln: Der Tierschutzbund vergibt sein Siegel, auch der Verein Vier Pfoten kennzeichnet Produkte, Erzeugergemeinschaften wie Neuland machen dasselbe, ebenso wie diverse Bioverbände und obendrein noch Supermarkt- und Discounterketten. Und weil einzelne Siegel auch noch in verschiedenen Stufen vergeben werden, ist die Verwirrung beim Verbraucher am Ende komplett.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium arbeitet inzwischen ebenfalls an einem – allerdings freiwilligen – Siegel, das Haltungsformen auf Fleischpackungen kennzeichnen soll. Welche Auflagen die Bauern für die Einstufungen einhalten müssen, ist noch unklar. Bis 2021 soll das Label in die Läden kommen. In der Zwischenzeit hilft es, die bestehenden Siegel zu verstehen.

Demeter, Bioland, Naturland

Die drei Ökolandbauverbände haben die strengsten Vorschriften für die Tierhaltung. So ist für Mastrinder der Weidegang im Sommer Pflicht, während das EU-Biosiegel dies nicht vorschreibt. Allerdings unterscheiden sich die drei Verbände in ihren Richtlinien auch untereinander noch in manchen Fragen. Beispielsweise verbietet nur Demeter das Entfernen der Hörner bei Rindern. Auch hat Demeter die Obergrenze für Masthühner auf 2500 Tiere pro Stall festgelegt, wohingegen die beiden anderen Bioverbände bis zu 4800 Tiere unter einem Dach erlauben.

EU-Biosiegel

Das grüne Blatt prangt auf Fleischpackungen und Wurstwaren. In den EU-Vorschriften sind für den Tier­schutz vergleichsweise strenge Kriterien fest­gelegt. Sie umfassen etwa die Herkunft der Tiere, ihr Futter, die Krank­heits­vorsorge und sogar Vorschriften zur Reinigung der Ställe.

Neuland

Bauern, die ihre Tiere nach den Neuland-Regeln halten, produzieren kein Biofleisch. Sie legen aber Wert auf eine artgerechte Tierhaltung. Träger des 1988 gegründeten Vereins sind der Deutsche Tier­schutz­bund, der Bund für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land sowie die Arbeits­gemeinschaft bäuerliche Land­wirt­schaft.

„Für mehr Tierschutz“

Das Siegel, das der Deutsche Tierschutzbund vergibt, findet sich auf Schweine- und Geflügelfleisch. Es gibt das Siegel „Für mehr Tierschutz“ in der Einstiegs­stufe mit einem Stern sowie in einer strengeren Stufe mit zwei Stern­en.

„Tierschutz kontrolliert“

Die private Stiftung Vier Pfoten zertifiziert Höfe nach ihren Kriterien und schickt jährlich Prüfer zur Kontrolle in die Betriebe.

Fleischesser, denen der Tierschutz am Herzen liegt, sollten sich am EU-Ökosiegel oder den Biosiegeln orientieren – und über den Fleischkonsum nachdenken, sagt Christiane Kunzel, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Wer diesen reduziere, ernähre sich nicht nur gesünder, sondern könne sich dann auch mal ein teures, aber dafür artgerecht oder ökologisch erzeugtes Stück Fleisch leisten.

Vorsicht beim Grillen mit Holzkohle

Die derzeitige Hitze macht das Grillen in Gärten und Parks gefährlich. Denn weil die Böden ausgedorrt und die Rasenflächen trocken sind, reicht oft ein einziger Funke, um ein Feuer zu entfachen. Besonders beim Grillen mit Holzkohle besteht die Gefahr durch Funkenflug, warnt der TÜV Thüringen. Glühende Kohlepartikel könnten mehrere Meter weit fliegen.

In Wäldern ist Grillen und offenes Feuer generell verboten. Wer in Parks oder Gärten grillen möchte, sollte derzeit einige Sicherheitsvorkehrungen treffen. Die TÜV-Experten raten, den Grill auf einen festen, ebenen und feuerfesten Grund zu stellen und nicht auf den trockenen Rasen. Empfehlenswert sei ein windgeschützter Platz, damit die Funken nicht so weit fliegen. Für den Notfall sollte ein Eimer Löschwasser bereitstehen. Außerdem dürfen nur geprüfte Grillanzünder benutzt werden, die der Norm DIN EN 1860-3 entsprechen. Auf keinen Fall dürfen Spiritus, Benzin oder andere leicht entflammbare Flüssigkeiten verwendet werden.

Von Helmuth Klausing/RND

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