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Welt Glühwein: Was ist drin und wie macht man ihn?
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15:25 05.12.2018
Aromantische Gewürze wie Zimt oder Nelken geben Glühwein eine besondere Note. Quelle: dpa-tmn
Hannover

Wenn es kalt wird, dann scheint nichts so gut zu wärmen wie Glühwein. Doch wer hat das heiße Getränk für die kalten Tage erfunden? Das Würzen des Weines hat in der Weinwelt eine lange Tradition. Schon die alten Römer aromatisierten ihren Wein mit Gewürzen und Zucker. Aufzeichnungen von Marcus Gavius Apicius (circa 30 v. Chr.), römischer Feinschmecker der Antike, beschreiben ein Rezept für einen Würzwein mit Zimt, Koriander, Thymian, Lorbeer, Honig und Sternanis. Eine weitere Spur des Glühweines führt nach Sachsen. Zumindest soll im Sächsischen Staatsarchiv das älteste in Deutschland existierende Glühwein-Rezept im Nachlass von einem Raugrafen namens August Josef Ludwig von Wackerbarth (1770-1850) gefunden worden sein. 65 Rezepte sind dabei zur Herstellung von gewürztem Wein mit Ingwer, Granatapfel, Zimt, Anis, Muskatnuss, Kardamom und Safran.

Glühwein selbst machen: Auf fruchtbetonte Qualitäts-Weine achten

Bei der Mixtur sollte auf Qualitätsweine geachtet werden. „Die Basis für einen wohlschmeckenden Glühwein ist ein guter Rot- oder Weißwein, vorzugsweise aus den heimischen Weinregionen. „Die deutschen Weine sind von Natur aus sehr fruchtbetont und benötigen von daher nur noch wenig würzende Zutaten“, erläutert Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI). Bei einem roten Glühwein würden sich ebenfalls fruchtbetonte Rotweine, wie Spätburgunder, Dornfelder oder Portugieser anbieten, da sie mit den Gewürzen gut harmonierten. Auch Trollinger, Merlot, Zweigelt oder Montepulciano eigenen sich gut.

Für weißen Glühwein sollte man ebenfalls aromatische Sorten wie Silvana, Bacchus, Riesling, Kerner oder Müller-Thurgau verwenden.

Gewürze: Vorsichtig dosieren

Beim Mixen des Glühweins sollten nicht zu viele Gewürze auf einmal verwendet und obendrein vorsichtig dosiert werden: Zu viel Gewürznelke macht den Glühwein ungenießbar, so ein Tipp des Deutschen Weininstituts. Auch Zimtstangen, Sternanis und Piment können bei zu hoher Konzentration die Fruchtaromen des Weins überdecken. Auch beim Süßen mit Honig oder Agavendicksaft sollte man lieber zurückhaltend sein, ergänzt Büscher vom DWI. „Wer bereits lieblichen Wein verwendet, braucht häufig nicht mehr viel Zucker oder auch Honig“. Weitere beliebte Gewürze sind: Nelken, Vanilleschoten, Kardamom, getrocknete Orangenschalen, Ingwer, Koriandersaat, Wacholderbeeren, Fenchelsamen, Lorbeerblätter oder Muskat.

Erwärmen: Tipp zum Erhalten der Fruchtnote

Ernst Büscher vom DWI gibt noch weitere Tipps: „Beim Erwärmen des Glühweins sollte man darauf achten, dass er nicht zu stark erhitzt wird oder gar siedet“. Ansonsten würden die filigranen Fruchtaromen verloren gehen. „Ab einer Temperatur von 78 Grad Celsius entweicht zudem der Alkohol. Nach dem ersten Erhitzen kann der Glühwein ruhig ein paar Stunden ziehen, vielleicht sogar über Nacht, damit sich die Aromen voll entfalten“. Im Anschluss wird der Glühwein durch ein Sieb gegossen, damit die Gewürze beim Trinken nicht stören.

Hinweis: Beim Kochen des Glühweins ein Edelstahl-Gefäß verwenden. Denn Aluminium, Zinn oder Kupfer können Stoffe an das Getränk abgeben, die in großen Mengen schädlich sind.

Glühwein maßvoll genießen

Nichts ist gegen einen Schluck heißen Glühwein bei frostigen Temperaturen einzuwenden. Glühwein sollte aber – bei einem Alkoholgehalt von mindestens 7 Vol.-% bis maximal 14,5 Vol.-% - in Maßen genossen werden. Im ersten Augenblick wärmt der Glühwein zwar, der Alkohol (Ethanol) im Heißgetränk erweitert aber die Blutgefäße, sodass mehr Blut an die Hautoberfläche gelangt. Der Körper verliert mehr Wärme als zuvor und kühlt ab. Die Folge: Man friert schneller.

Alkohol und Zucker: Eine echte Kalorienbombe

100 Milliliter Glühwein enthalten circa 80 bis 100 Kalorien. Das süße Vorweihnachtsgetränk ist also eine echte Kalorienbombe. In einen Glühwein-Becher passen üblicherweise circa 200 Milliliter. Ein Glas Glühwein kann also ein Zehntel des täglichen Kalorienbedarfs ausmachen.

Weihnachtsmarkt-Glühwein: Was ist drin?

Nur ein guter Wein ergibt auch leckeren Glühwein, so Silke Vollbrecht von der Verbraucherzentrale. Fertiger Glühwein wird oftmals aus vielen billigen Weinen hergestellt und mit viel Zucker und Gewürzen angereichert, um den Geschmack des billigen Weins zu übertünchen. Silke Vollbrecht, Beraterin für Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Brandenburg rät, beispielsweise beim Weihnachtsmarkt gezielt am Stand zu fragen, welche Zutaten im Glühwein enthalten sind. „Auch für den Weihnachtsmarkt-Glühwein gilt: Als Grundweine dürfen nur Rot- oder Weißwein verwendet werden. Eine intensive rote Farbe und ein fruchtig-aromatischer Geschmack zeichnen beispielsweise einen frischen, roten Glühwein aus.“ Wenn der Glühwein schon lange im Kessel erwärmt wurde, wird er braun. Dann sollten die Finger davon gelassen werden, da er nicht mehr genießbar ist.

Glühwein aus dem Supermarkt: Was ist drin?

Bei industriell produzierten Glühwein gilt: Auch hier dürfen die Hersteller ausschließlich als Grundweine Rot- oder Weißweine verwenden. „Die Zugabe von Wasser, Fruchtsäften und Spirituosen ist nicht zulässig“, so Vollbrecht. Der Glühwein kann sein Aroma durch Gewürze wie Zimt und Gewürznelken aber auch durch standardisierte Aromastoffe erhalten. Was genau drin ist, erfährt der Verbraucher nicht unbedingt. Denn: „Die Angabe des verwendeten Weins oder der verarbeiteten Gewürze und Aromen auf der Glühwein-Flasche ist für den Produzenten nicht gesetzlich verpflichtend“, erklärt Vollbrecht. Neben dem Zutatenverzeichnis ist auch eine Nährwerttabelle, aus der Verbraucher den Zuckergehalt des Glühweins ablesen können, nur eine freiwillige Angabe. Was alles in ungekennzeichneten Glühweinen steckt, weiß man also nicht genau.

Fazit: Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte den Glühwein einfach selbst herstellen und genießen.

Weitere Rezept-Ideen für Winter-Drinks zur Weihnachtszeit finden Sie hier.

Von RND/js

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