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Welt Geheimkommando „Dau“ – Kunstprojekt will neue Mauer in Berlin bauen
Mehr Welt Geheimkommando „Dau“ – Kunstprojekt will neue Mauer in Berlin bauen
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17:04 24.08.2018
Ein geheimes Kunstprojekt, bei dem in Berlin mit dem Bau einer Mauer eine Diktatur nachgespielt werden soll, sorgt weiter für Wirbel. Bei dem Projekt „Dau“ soll vom 12. Oktober bis 9. November 2018 ein ganzes Straßenviertel am Boulevard Unter den Linden mit einer rekonstruierten Berliner Mauer abgesperrt werden. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
Berlin

Fast 30 Jahre nach dem Fall der Mauer soll in Berlin wieder ein Betonwall die Menschen in hüben und drüben teilen. In einem geheimnisumwitterten Kunstprojekt will der russische Filmemacher Ilya Khrzhanovsky (43) im Oktober ein ganzes Häuserkarree am Boulevard Unter den Linden einriegeln und dort eine Diktatur nachspielen.

Am Dienstag, 28. August, wollen die Verantwortlichen die Pläne erstmals vorstellen, aber schon vorher schlagen die Wellen hoch. Künstler wie der Filmemacher Tom Tykwer („Lola rennt“), Performerin Marina Abramović und Streetart-Legende Banksy sind beteiligt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach gleich von einem „Weltereignis“.

In dem Areal innerhalb der Mauer sollen andere Regeln gelten

Herzstück, so viel verrät die Einladung für Dienstag, ist die Premiere von 13 (!) Filmen, drei Serien und einer digitalen Filmplattform, die Khrzhanovsky seit 2008 geschaffen hat. Laut Bezirksamt haben die Berliner Festspiele als Veranstalter dafür ein gewaltiges Areal rund um das edle Kronprinzenpalais beantragt – einschließlich Staatsoper, Bauakademie und Schinkelplatz.

Dort entstehe eine „Stadt in der Stadt, die ein Leben nach anderen Regeln zeigt und erfahrbar macht“, hieß es von den Festspielen kryptisch. Auf der Homepage DAU, für die man sich registrieren lassen muss, verspricht ein vorgeschalteter Trailer: „Sie entscheiden selbst, wie weit Sie gehen.“

Strenge Kontrollen regeln die Zugang zur „Mauerstadt“

Für die neue „Mauerstadt“ sind Medienberichten zufolge strenge Kontrollen geplant. Nur angestammte Bewohner erhielten einen Dauerausweis, Besucher müssten wie in einem Erlebnispark Eintritt zahlen. Nach einem Start Mitte Oktober soll dann am 9. November, dem Tag des Mauerfalls, auch die Fake-Mauer wieder fallen. Weitere Stationen sind Paris (November 2018) und London (Anfang 2019).

Freilich: Ob es in Berlin so weit kommt, ist noch nicht ausgemacht. Das Projekt war schon einmal abgeblasen worden. Im vergangenen Jahr hatte es eigentlich zur Eröffnung der umstrittenen Intendanz von Chris Dercon an der Volksbühne laufen sollen. Nach Angaben von Insidern war Khrzhanovsky damals aber noch nicht mit der Bearbeitung seiner 700 Stunden Filmmaterial fertig.

Zum Jahrestag des Baubeginns der Berliner Mauer schaut US-Botschafter Richard Grenell in der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße durch einen Spalt zwischen den Mauerteilen. Das Kunstprojekt „Dau“ möchte nun wieder eine Mauer mitten in Berlin errichten. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa

Die Behörden könnten das Projekt noch verhindern

Auch jetzt scheint noch nicht alles in trockenen Tüchern. Zudem steht ein Hindernislauf bei den Behörden bevor. Straßen- und Grünflächenamt, Bauamt und Denkmalschutz, Polizei und Feuerwehr müssen zustimmen. Bis zum 30. August sollen jetzt erst einmal die dringendsten Fragen und mögliche Probleme benannt werden, teilte das Bezirksamt mit.

Zumindest Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat den Initiatoren schon mal seinen Segen erteilt. „Unter dem Strich“ finde er die Sache gut, erklärte der SPD-Politiker diese Woche – auch wenn er von vornherein kritische Diskussionen erwartet habe.

Wer finanziert das Projekt? Die Frage könnte sich am Dienstag klären

Die dürften sich vor allem darum drehen, wer hinter dem Megaprojekt steckt und woher das Geld kommt. Berliner Beteiligte dürfen keine Auskunft geben, zum Teil mussten sie Schweigeerklärungen unterschreiben. Nach einer Recherche des „Tagesspiegels“ steht hinter „Dau“ die in London ansässige Stiftung Phenomen Trust, die von dem russischen IT-Unternehmer und Multimillionär Sergei Adoniev gegründet wurde.

Ob es am Dienstag genauere Auskünfte gibt? Fest steht vorerst nur, dass Khrzhanovsky selbst nicht kommt. Er äußere sich nie in der Öffentlichkeit, hieß es.

Von dpa / RND

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