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Welt Globalisierung, Heimat und „Hitler light“
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07:00 11.10.2018
Eng an Hitler „angeschmiegt“? AfD-Chef Alexander Gauland, Historiker Wolfgang Benz, Publizist Jakob Augstein (von oben). Quelle: Fotos: AP/dpa (2)
Berlin

Die da oben glauben, sie können machen, was sie wollen. Aber jetzt rücken wir hier unten endlich mal zusammen! So haben Populisten, Trommler, Führer und Verführer aller Couleur stets geredet. Und so reden sie bis heute.

AfD-Chef Alexander Gauland hat mit seiner jüngsten Elitenkritik ein extrem widersprüchliches Echo hervorgerufen. Während ihm der linke Publizist Jakob Augstein Beifall zollt – sein Text sei „nicht nur böse, sondern auch klug“ –, sehen Historiker Parallelen zu einer Rede Adolf Hitlers vor Arbeitern in der Berliner Siemensstadt im Jahr 1933.

Gauland hatte als Gastautor in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) den Eliten Heimatlosigkeit vorgeworfen:

„Diese globalisierte Klasse sitzt in den international agierenden Unternehmen, in Organisationen wie den UN, in Medien, Start-ups, Universitäten, Stiftungen, in Parteien und ihren Apparaten, und weil sie die Informationen kontrolliert, gibt sie kulturell und politisch den Takt vor. Ihre Mitglieder leben fast ausschließlich in Großstädten, sprechen fließend Englisch, und wenn sie zum Jobwechsel von Berlin nach London oder Singapur ziehen, finden sie überall ähnliche Appartements, Häuser, Restaurants, Geschäfte und Privatschulen.“

Dieser „globalistischen Klasse“ stehen nach Lesart Gaulands zwei Gruppen gegenüber, die jetzt in der AfD eine Allianz eingehen:

„die bürgerliche Mittelschicht, zu der auch der wirtschaftliche Mittelstand gehört, der nicht einfach seine Unternehmen nach Indien verlagern kann, um dort besonders billig zu produzieren; zum anderen viele sogenannte einfache Menschen, deren Jobs oft miserabel bezahlt werden oder nicht mehr existieren, die ein Leben lang den Buckel krumm gemacht haben und heute von einer schäbigen Rente leben müssen. Das sind zugleich diejenigen, für die Heimat noch immer ein Wert an sich ist und die als Erste ihre Heimat verlieren, weil es ihr Milieu ist, in das die Einwanderer strömen.“

Hitler hatte in seiner Rede 1933 vor Arbeitern in Berlin-Siemensstadt gegen eine „kleine, wurzellose, internationale Clique“ Stimmung gemacht:

„Es sind das die Menschen, die überall und nirgends zu Hause sind, sondern die heute in Berlin leben, morgen genauso in Brüssel sein können, übermorgen in Paris und dann wieder in Prag oder Wien oder in London, und die sich überall zu Hause fühlen. (Zuruf aus dem Publikum: „Juden!“) Das Volk kann ihnen gar nicht nachfolgen, das Volk ist ja gekettet an seinen Boden, ist gekettet an seine Heimat, ist gebunden an die Lebensmöglichkeiten seines Staates, der Nation. Der Bauer, der ist auf seinem Boden festgelegt. Der Arbeiter, er hängt an seinem Werk. Wenn es zugrunde geht, wo wird ihm geholfen? Was heißt heute internationale Solidarität? Nicht die intellektuellen Schichten haben mir den Mut gegeben, dieses gigantische Werk zu beginnen. Sondern, das kann ich sagen, diesen Mut habe ich nur gefasst, weil ich zwei Schichten kannte, den Bauer und den deutschen Arbeiter.“

Der Historiker Wolfgang Benz sagte dem „Tagesspiegel“, Gaulands Text sei eng an den Hitlers geschmiegt – „als habe sich der AfD-Chef den Redetext des Führers von 1933 auf den Schreibtisch gelegt, als er seinen Gastbeitrag schrieb“. Ähnlich äußerte sich der Historiker Michael Wolfssohn: Gebildeten Anhängern signalisiere Gauland, „dass er Rede und Duktus Hitlers kennt und die damals gegen die Juden gerichteten Vorwürfe Hitlers nun auf die Gegner der AfD von heute überträgt“. Wer die Hitler-Rede nicht kenne, dem jubele Gauland heute „Adolf Hitler light“ unter.

Gauland selbst wies die Anschuldigungen zurück: Er kenne keine entsprechende Passage Hitlers.

Die FAZ gab keine offizielle Stellungnahme ab. Intern verlautete aus der Redaktion, Herausgeber Berthold Kohler sehe sich über jeden Verdacht erhaben, nachdem er erst kürzlich mit Blick auf Gauland über „Brandstifter im Biedermann-Sakko“ geschrieben habe.

Einmal mehr erweist sich jetzt die Globalisierungskritik als eine zwielichtige Zone, in der Nationalisten und Sozialisten einander die Hand reichen. Schon im Jahr 2000 beschrieb der Soziologe Ralf Dahrendorf „die globale Klasse und die neue Ungleichheit“. Auch Linke fremdelten mit der neuen Elite, „die Englisch spricht wie ihre Muttersprache, für die Europa kein abstraktes Etwas ist, sondern eine gelebte Realität“, wie sich der Berliner Blogger Michael Seemann 2016 mokierte. Der konservative britische Buchautor Edward Luce und der linke französische Philosoph Didier ­Eribon sind seit Langem vereint im Befund, gut meinende Globalisten hätten klassische Anliegen der Linken „demoliert“.

Wer hat nun bei wem abgeschrieben? Verblüffend tief jedenfalls fällt die Verbeugung Augsteins vor Gauland aus. Mit Blick auf die bösen Globalisten schreibt Gauland: „Der Regen, der in ihren Heimatländern fällt, macht sie nicht nass.“ Da merke man plötzlich, staunt Augstein, dass Gauland „mit einer eigenartigen Poesie schreibt, aus der gar nicht Verachtung oder Unverständnis spricht, sondern beinahe eine traurige Sehnsucht“.

Von Matthias Koch/RND

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