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Welt G20-Gipfel: Merkel landet mit 12 Stunden Verspätung
Mehr Welt G20-Gipfel: Merkel landet mit 12 Stunden Verspätung
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22:56 30.11.2018
Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in Buenos Aires gelandet. Quelle: Michael Kappeler/dpa
Buenos Aires

Die Maschine IBE 6849 ist in Buenos Aires gelandet. Ein technisches Gebrechen des Regierungsfliegers „Konrad Adenauer“ verhinderte eine pünktliche Teilnahme von Angela Merkel am G20-Gipfel. Merkel landete nun am Freitagabend um 17.52 Uhr Ortszeit mit zwölf Stunden Verspätung.

Die argentinische Sicherheitsministerin Patricia Bullrich hatte angekündigt, Merkel, den mit ihr reisenden Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) und ihre Entourage zügig durch den Sicherheitsbereich zu bringen.

„Wir werden einen Spezialeinsatz durchführen, damit sie schneller hier ankommen kann“, sagte Bullrich. Da der erste Gipfeltag zum Feiertag erklärt worden ist und viele Straßen gesperrt sind, sollte Merkel in hohem Tempo in das rund 40 Kilometer vom Flughafen entfernte Zentrum von Buenos Aires gebracht werden. „Das wird heute sehr schnell gehen“, sagte Bullrich.

Saudischer Kronprinz im Rampenlicht

In der Abwesenheit der Kanzlerin zog ein anderer alle Blicke auf sich: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman.

Also jemand, der weder Staats- noch Regierungschef ist. Als Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman in den Saal des Konferenzzentrums in Buenos Aires schreitet, geht ein Raunen durch die Schar der Beobachter.

Einer, an dessen Händen mutmaßlich Blut klebt, lächelnd auf der Weltbühne. Im Raum steht der Vorwurf, dass der Befehl zur Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul von ganz oben kam. Der Kronprinz, der anstelle seines alten Vaters, König Salman die Geschicke leitet, steuert in Buenos Aires direkt auf den russischen Staatschef Wladimir Putin zu.

Putin verteilt Highfive

Und dann kommt ein kumpelhafter Handschlag, ein Einschlagen wie unter Freunden. Lächeln, Small-Talk. Eine Szene, die fast mehr über den Zustand der Welt sagt, als viele Worte.

Als wollten die beiden der Welt zeigen, dass es für sie Wichtigeres gibt als eine Diskussion um Moral, Menschenrechte, freie Presse und Werte. Ist das G20-Format, die einstige Bastion des Multilateralismus, zur Bühne für Staatenlenker mit fragwürdiger Legitimierung geworden?

Großes G20-“Familienfoto“

Auch beim G20-„Familienfoto“ wird Salman nett behandelt, während eine fehlt: Kanzlerin Angela Merkel. Es ist etwas peinlich und für die Verhandlungen sicher nicht hilfreich, dass fast der ganze erste Gipfeltag ohne die Kämpferin für Multilateralismus auskommen muss.

Mit Salman und Putin treffen sich derweil zwei der umstrittensten, aber neben US-Präsident Donald Trump auch zwei der wichtigsten Staatenlenker im Kreise der G20. Trump ist innenpolitisch erneut stark unter Beschuss gekommen und ließ ein Treffen mit Putin beim G20-Gipfel sausen - offiziell wegen Russlands Verschärfung der Ukraine-Krise.

Lesen Sie hier:
Was Merkel auf dem G20-Gipfel bisher verpasst hat

Öffentlich spielt er zum Auftakt des Treffens - gewollt oder ungewollt - ausnahmsweise nur eine Nebenrolle.

Besserung im Handelskrieg zwischen den USA und China?

Seinen großen Auftritt plant Trump für Samstag, wenn der Gipfel eigentlich schon vorbei ist. Aus US-Kreisen heißt es, ein Erfolg eines Abendessens mit Chinas Staatschef Xi Jinping sei nicht unwahrscheinlich.

Gar keine Rolle spielt zunächst Merkel - obwohl sie gerade beim dritten großen Gipfelthema, dem neuen Ukraine-Russland-Konflikt als Krisenmanagerin gefragt ist. Das Thema G20 scheint Merkel irgendwie kein Glück zu bringen: Erst der in Gewalt versunkene Gipfel mit ihr als Gastgeberin in Hamburg, der der Welt vor Augen führte, dass die Deutschen in Sachen Recht und Ordnung nicht alles im Griff haben.

Und nun schafft es die Kanzlerin des Hochtechnologielandes Deutschland nicht mit ihrem Regierungsflieger nach Buenos Aires – wegen eines schweren Elektronikausfalls. Man will sich nicht ausmalen, wie Trump oder Putin das ihr gegenüber mit spöttischem Lächeln kommentieren – in Buenos Aires war vom G19-Gipfel die Rede.

Trump droht europäischen Autobauern

Für Merkel wird nun der zweite Gipfeltag zum Speed-Dating, ein Treffen mit Putin, sowie mit dem indischen und dem australischen Regierungschef sollte es geben. Und ein wegen der Panne verpasstes Treffen mit Trump konnte in den Terminplan am Samstag noch reingequetscht werden - Trump denkt schon wieder über Strafzölle für europäische Autobauer nach.

Gerade als Mittlerin im Krim-Konflikt fehlt Merkel. „Let's get Angela involved“ hatte Trump vor wenigen Tagen hilfesuchend gesagt -„lasst uns Angela (Merkel) ins Spiel bringen“ - wohlwissend, dass die Kanzlerin 2014 schon einmal eine der wenigen war, die in der Ukraine-Frage überhaupt noch einen Draht zu Putin gefunden hatte – nun wurden ukrainische Schiffe und 24 Soldaten von den Russen festgesetzt – die Ukraine hat deshalb das Kriegsrecht verhängt.

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Von RND/dpa