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Welt Früher war mehr Lametta: Christbaumschmuck im Wandel der Zeit
Mehr Welt Früher war mehr Lametta: Christbaumschmuck im Wandel der Zeit
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15:33 30.11.2018
250 Christbaum-Figuren erzählen bei der Ausstellung "Engel, Hakenkreuz, Felsendom – Christbaumschmuck vom 19. Jahrhundert bis heute" alle ihre eigene Geschichte von Weihnachten. Quelle: Jörg Carstensen/dpa
Berlin

Das Plakat, das für das NS-Winterhilfswerks wirbt, mutet auf den ersten Blick harmlos an. Doch Bergmann, Nussknacker, Engel und Zwerg als typische Erzgebirgsfiguren der Weihnachtszeit marschieren bereits im Gleichschritt unter der Flagge mit Hakenkreuz. Die im Herbst 1933 auf Befehl Hitlers gegründete Sammel- und Spendenaktion war eine riesige Propagandaveranstaltung, die auch die Schnitzer in Sachsen und Thüringen in den Dienst nahm und eigene Figuren anfertigen ließ. In einer Intervention auf 80 Quadratmetern seiner Dauerausstellung geht das Deutsche Historische Museum in Berlin der Geschichte des geschmückten Weihnachtsbaums vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart nach. Die kleine Ausstellung steht unter dem Motto „Engel, Hakenkreuz, Felsendom - Christbaumschmuck vom 19. Jahrhundert bis heute“. Sie stellt die Frage, wie christlich der Baumschmuck tatsächlich war und wofür er steht.

Weihnachtsdeko richtet sich nach dem jeweiligen Trend. Doch woher kommt der Christbaumschmuck? Das fragt sich eine Ausstellung in Berlin.

Regina Falkenberg, Kuratorin und Sammlungsleiterin Alltagskultur, verweist auf die politischen Deutungen dieses Brauchs: „Es ist ein christliches Fest, was dem Zeitgeist unterlag und im 20. Jahrhundert, in der NS-Zeit wie auch in der DDR, zum Politikum wurde.“ Zu sehen sind rund 500 Baumschmuck- und Designobjekte aus zwei Jahrhunderten aus der Sammlung des Museums, die zuletzt durch den Ankauf einer Privatsammlung mit international ausgerichtetem Bestand erheblich erweitert werden konnte.

Woolworth als größter Abnehmer von Christbaumschmuck

Der Begriff Christbaumschmuck entstand als Händlerbezeichnung vor 150 Jahren in Thüringen. Dort wurde gläserner Baumschmuck seit etwa 1850 produziert. In einer Vitrine ist eine riesige blaue Baumkugel aus Hüttenglas im thüringischen Lauscha zu sehen. Dort wurden die dünnwandigen, aus dem Glasrohr vor einer Flamme geblasen Kugeln erstmals hergestellt. Später erweiterte sich das Angebot auf andere Motive, die bis in die USA verschifft wurden. In weiteren Vitrinen zeigt die Ausstellung, wie sich der Baumschmuck mit der technischen Entwicklung veränderte und zum Wirtschaftsfaktor wurde mit dem amerikanischen Kaufhaus Woolworth als größtem Abnehmer.

Mehr zum Thema: Fröhliches Krabbeln: Mit dem Weihnachtsbaum kommen Insekten ins Haus

Die Anfänge des geschmückten Baums waren bescheiden und keineswegs christlich geprägt. Immergrüne Zweige zur Mittwinterzeit schmückten europaweit auf dem Land Haus und Hof als Schutz- und Hoffnungszeichen. Im 17. und 18. Jahrhundert holte der Adel sich einen Baum ins Haus, geschmückt mit Essbarem wie Äpfel, Nüssen und Brezeln, in Basel sogar mit Käse. Zunehmend eroberte sich der Weihnachtsbaum mit seriell hergestelltem Glasschmuck auch die bürgerlichen Wohnstuben, während die ärmere Bevölkerung ein geschmücktes Gestell aus Holz oder Draht aufstellte.

Baumdekor und Kriegsbegeisterung

Bereits 1871, nach dem Deutsch-Französischen Krieg, stand ein deutscher Weihnachtsbaum in den Ruhmeshallen von Versailles, wie ein in der Zeitschrift „Gartenlaube“ abgedruckter Holzstich belegt. Aus dem Ersten Weltkrieg stammt ein Karton mit patriotischem Christbaumschmuck, darunter Geschosse und U-Boot-Modelle. Er illustriert die Auswüchse der Kriegsbegeisterung.

Die politische Instrumentalisierung des Baumschmucks trieb im Nationalsozialismus ab 1933 neue Blüten in dem Versuch, die christlichen Symbole ideologisch zu überformen. Unter dem SS-Führer Heinrich Himmler sollte das Weihnachtsfest zum „nordischen Julfest“ umgedeutet werden, sogenannter Vokalit Julschmuck wurde ab 1939 in Thüringen produziert bis zur Einstellung der Produktion 1943 aus Kriegsgründen. Zu sehen ist auch eine Baumspitze mit Hakenkreuz, jedoch hat sich kein Foto erhalten, dass die tatsächliche Verwendung von Nazi-Symbolen als Baumschmuck belegt, wie die Kuratorin betont.

Lametta weicht Umweltbewusstsein

Nach 1945 war das christliche Weihnachtsfest mit seinen Traditionen auch in der sozialistischen DDR im Visier der Politik. Insbesondere die im Erzgebirge hergestellten Engel waren überzeugten Parteigenossen ein Dorn im Auge. Nicht die SED, sondern ein pfiffiger Werbefachmann schlug als Alternative den – ironisch gemeinten – Ersatzbegriff „Geflügelte Jahresendfigur“ vor, was in einem Katalog tatsächlich auch einmal belegt ist. In der Bundesrepublik geriet der geschmückte Baum im Zuge der Studentenbewegung, der Antikriegsdemonstrationen und eines gewachsenen Umweltbewusstseins in die Kritik. An einer Videostation ist die Loriot-Satire „Früher war mehr Lametta...“ von 1978 zu sehen.

Zum Abschluss belegt die künstlerische Installation „Weihnachtsverspannungen“, in der 250 internationale Baumschmuckobjekte unter anderem. aus Bali, Mexiko oder China arrangiert sind, dass der geschmückten Baum mittlerweile jenseits von Religionsgrenzen in vielen Gesellschaften weltweit zu einer Tradition geworden ist.

Die Ausstellung ist noch bis zum 03. März 2019 zu sehen.

Von epd / RND

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