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Welt Filmorchester Babelsberg zum Aufgeben gezwungen – von einer Baustelle
Mehr Welt Filmorchester Babelsberg zum Aufgeben gezwungen – von einer Baustelle
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17:46 30.07.2018
Der Intendant des Filmorchester Babelsberg, Klaus-Peter Bayer, blickt aus dem Foyer des Filmorchesters auf den Billy-Wilder-Platz der zum Parkplatz ausgebaut wird. Quelle: Friedrich Bungert
Potsdam

Das Deutsche Filmorchester Babelsberg steht vor dem Aus. Das hat Intendant Klaus-Peter Beyer am Montag auf Anfrage der „Märkischen Allgemeinen“ bekannt gegeben. „Wir werden ab jetzt seriöserweise keinen Kunden mehr Zusagen machen können“ – sprich: keine Aufträge mehr annehmen.

„Die Umstände sehen so aus, dass wir zum Aufgeben gezwungen werden, weil uns die Existenzgrundlagen entzogen werden.“ Das Orchester sei mit „Interessenlagen konfrontiert, die uns rein rechnerisch dazu zwingen“, so der Intendant.

Großbaustelle vor Aufnahmestudio des Filmorchesters

Grund ist eine nahe dem Aufnahmestudio geplante Großbaustelle. Am 1. August beginnen die Tiefbauarbeiten für einen Bürokomplex mit 7000 Quadratmeter auf bis zu fünf Etagen und Tiefgarage am Eingang der Medienstadt Babelsberg.

Eine von der städtischen Wirtschaftsförderung moderierte Krisenrunde mit dem Investor KW Development sowie den durch die Baustelle gefährdeten Gewerbeanrainern, neben dem Filmorchester die Spezialfirma Rotor Film, blieb laut Beyer ergebnislos: „Da ist nichts rausgekommen“, sagte er nach dem Treffen am Montagvormittag.

„Uns bleibt keine andere Wahl“

Dem Bauunternehmen könne er dabei nicht einmal einen Vorwurf machen: „Ich kann Herrn Kretzschmar gut verstehen“, so der Intendant mit Blick auf den Firmeninhaber Jan Kretzschmar: „Er hat das Baugrundstück in Treu und Glauben gekauft, wie wir unser Studio in Treu und Glauben gemietet haben.“ Unter diesen Voraussetzungen bleibe dem Filmorchester „keine andere Wahl“.

Der Klangkörper macht laut Intendant 60 Prozent seines Umsatzes mit Musikeinspielungen für Filmproduktionen. Die Aufnahmetechnik im Saal sei so sensibel, dass eine Arbeit mit einer Baustelle nebenan nicht möglich sei, hatte Beyer bereits vor Wochen erklärt.

Tonstudio des Deutschen Filmorchesters Babelsberg im Haus 4 auf dem Babelsberger Studiogelände. Quelle: Friedrich Bungert

Die Musiker seien noch nicht über den aktuellen Stand informiert, sagte der Intendant auf Nachfrage: „Sie haben es noch nicht erfahren.“ Wann er ihnen kündigen werde, wisse er nicht: „Vielleicht im November oder Dezember, ich weiß es nicht.“

Von der Baustelle unmittelbar betroffen ist auch Rotor Film, eine auf Filmnachbearbeitung mit modernsten Bild- und Tonsystemen spezialisierte Firma mit 30 Beschäftigten. Deren Geschäftsführer Martin Frühmorgen, der am Montag zunächst nicht zu erreichen war, hatte am Freitag erklärt, dass die Arbeit mit der Baustelle nebenan nicht möglich sei. Rotor Film hatte in den Ausbau des früheren Studiokinos Defa 70 rund 1,5 Millionen Euro investiert. Auch von KW Development war am Montag zunächst keine Stellungnahme zu bekommen.

„Wir hoffen, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist“

Baudezernent Bernd Rubelt (parteilos) erklärte am Montag im Namen von Potsdams Rathausspitze: „Mit Bedauern haben wir von der Ankündigung des Intendanten des Deutschen Filmorchesters Babelsberg erfahren, keine weiteren Aufträge mehr anzunehmen und Mitarbeiter zu entlassen. Wir hoffen, dass damit noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.“

Das Filmorchester sei „ein herausragender kultureller Botschafter unserer Stadt und nimmt einen besonderen Platz in der Filmgeschichte ein“, zudem sei es „ein wichtiger Arbeitgeber in der Medienstadt“.

Die Landeshauptstadt habe sich „gerne bereit erklärt, die Gespräche mit allen Beteiligten vermittelnd zu begleiten und steht dafür auch weiter zur Verfügung“, so Rubelt: „Wir hoffen sehr, dass es den Beteiligten doch noch gelingt, einen umsetzbaren Kompromiss zu finden, der die Belange beider Seiten berücksichtigt.“

„Ein geschätzter kultureller Botschafter Brandenburgs“

Die Rückkehr des Filmorchesters auf das Babelsberger Studiogelände wurde nach Angaben von Martin Sand, Sprecher des Kulturministeriums, von Bund und Europäischer Union von 2006 bis 2008 mit knapp 1,7 Millionen Euro gefördert.

Die Arbeit des Filmorchesters als „weit überregional bekannter und geschätzter kultureller Botschafter Brandenburgs“ werde vom Land mit knapp 1,7 Millionen Euro jährlich gefördert, so Sand. Aktuell hat der Klangkörper, der in der Tradition des vor 100 Jahren gegründeten Ufa-Sinfonieorchesters steht, 65 Mitarbeiter. Die Musiker kehren laut Beyer in zwei Wochen aus dem Urlaub zurück.

Von Volker Oelschläger/MAZ/RND

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