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Welt Drei Himmelsbarden – „Ein Lied in Gottes Ohr“
Mehr Welt Drei Himmelsbarden – „Ein Lied in Gottes Ohr“
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10:01 25.07.2018
Die Band Coexister hat’s leider nicht drauf: Samuel (Jonathan Coen, v.l.), Benoît (Guillaume de Tonquédec) und Moncef (Ramzy Bedia). Quelle: Foto: Neue Visionen
Hannover

Das französische Kino hat aus dem Konfliktpotenzial der multikulturellen Gesellschaft in den letzten Jahren immer wieder komödiantisches Kapital geschlagen. Die größten Erfolge feierte das Genre des gallischen Multi-Kulti-Lustspiels (auch in Deutschland), wenn es die gesellschaftlichen Widersprüche mit voller Wucht und ohne didaktische Strategien aufeinander prallen ließ.

Vom Zusammenführen grundverschiedener Substanzen

Die ethnisch und religiös bunt gemischte Schar von Schwiegersöhnen brachte in „Monsieur Claude und seine Töchter“ das großbürgerliche Familienleben an den Rand seiner Toleranzfähigkeit. Als kämen sie von unterschiedlichen Planeten traten sich in „Ziemlich beste Freunde“ der stinkreiche Schwerstbehinderte und der afrofranzösische Kleinkriminelle aus der Pariser Banlieue einander gegenüber.

Beide Filme glichen Laborexperimenten, bei denen es darum ging, im Zusammenführen grundverschiedener Substanzen möglichst viel zur Explosion zu bringen. Auf den ersten Blick verfolgt Fabrice Eboués „Ein Wort in Gottes Ohr“ eine ähnliche Erzählstrategie. Wie in einem jüdischen Witz führt der Film einen Rabbi, einen Priester und einen Imam zusammen.

Die drei Religionsvertreter sollen als Band unter dem Namen „Coexister“ (franz. für koexistieren) auftreten und die Charts stürmen. So zumindest stellt sich das der kriselnde Musikproduzent Nicolas (Fabrice Eboué) vor, der nach einem Seitensprung getrennt von Frau und Tochter lebt und seitens seiner neuen Konzernchefin unter rigiden Erfolgsdruck gesetzt wird. Aber schon im Casting-Prozess droht der multireligiöse Ansatz an den unvereinbaren Gegensätzen zu scheitern.

Reizthemen werden angerissen, aber nicht komödiantisch vertieft

Schließlich finden Nicolas und sein Assistentin Sabrina (Audrey Lamy) ein Gesangstrio aus dem engelsgleichen, sangesfreudigen Priester Benoît (Guillaume de Tonquédec), dem neurotischen Rabbi Samuel (Jonathan Cohen), der sich nach einem Beschneidungsmassaker selbst Berufsverbot erteilt hat, und dem Moslem Moncef (Ramzy Bedia), der sich als Imam verkleidet, aber in Wirklichkeit dem Alkohol ebenso zugetan ist wie dem polygamen Lebenswandel. Das Problem von „Ein Lied in Gottes Ohr“ ist, dass Eboué nach der Rekrutierung seiner vermeintlich exzentrischen Geistlichen nichts wirklich Entscheidendes mehr einfällt.

Äußerst zahnlos wirken die komödiantischen Kämpfe, die die Religionsvertreter miteinander austragen. Klischees werden zitiert, aber nicht produktiv unterminiert. Reizthemen wie pädophile Priester, der Nahost-Konflikt, der IS oder Homophobie werden angerissen, aber nicht komödiantisch vertieft. Stattdessen flüchtet sich der Film immer wieder in platte Sexwitzchen über die nymphomane Assistentin und den falschen Imam, der sich reihenweise Prostituierte aufs Zimmer bestellt.

Die Songs der Gottesmänner-Band sind kaum auszuhalten

Ein halbwegs tragfähiger Erzählstrang ist genauso wenig auszumachen wie der Wille zum satirischen Biss oder grotesken Höhenflügen. Wie Blei legt sich dann auch noch die didaktische Versöhnungsintention von Anfang an über alle Komödienbestrebungen und die toleranzfordernden Songs der Gottesmänner-Band sind musikalisch wie textlich in ihrer Schlichtheit kaum auszuhalten. Wenn zu solch grottiger Mucke die Statistenschar in riesigen Konzertsälen frenetisch abrocken muss, sammelt dieses maue Lustspiel wenigstens auf den Gebiet der unfreiwilligen Komik noch ein paar Punkte.

Von Martin Schwickert / RND

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