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Welt „Die Unglaublichen 2“ – Familie kann so super sein!
Mehr Welt „Die Unglaublichen 2“ – Familie kann so super sein!
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16:32 26.09.2018
Neues von Familie Parr: Szene aus dem FIlm „Die Unglaublichen 2“, der am 27. September in die Kinos kommt. Quelle: Pixar/Disney
Hannover

Familie ist ein Lebenbeben, sie verändert die Topographie des Daseins kolossal. Die Verantwortung wird ein Berg, der Rest ist ein Jammertal. Das Baby schreit verzweifelt, man selbst schreit verzweifelter. Man isst spät, wird breit, ist immer müde und fühlt sich zuweilen auf dem Weg in den Wahnsinn.

Wegen der Einsatzschäden wurden die Superhelden kalt gestellt

Private Kommunikation wird fortan in Silben bemessen, der Tonfall gegenüber den Liebsten hat den präventiven Unterton von Vorwurf und Befehl. Im Job steht man stets im Ruf, kostbare Energie für zu Hause zu verschwenden. Man hat zuweilen das Gefühl, nur noch zwischen zwei Hamsterrädern zu wechseln und zugleich nicht mehr vorhanden zu sein.

Bob Parr, dreifacher Familienvater im Animationsfilm „Die Unglaublichen 2“, empfindet genau das. Er war einst der Superheld Mr. Invincible, der stärkste Kerl des Globus, damals, als Leute seines Schlags noch nicht wegen der enormen Kollateralschäden bei ihren Heldentaten von Staats wegen verboten wurden.

Im – kaum zu glauben – auch schon wieder 14 Jahre alten Film „Die Unglaublichen“ war Bob in ein Abenteuer hineingerutscht, wie er sie in den Vorwindelwechselzeiten zuhauf erleben durfte, damals, als die Welt noch jung war und man ihre Drehung im Herzen zu spüren glaubte.

Die Handlung knüpft nahtlos an die des ersten Films an

Und jetzt das: Nicht er, sondern seine Frau Helen alias Elastigirl soll Aushängeschild der Legalisierungskampagne eines Multimilliardärs für Supermenschen werden. Während Bob zu Hause beim Heldennachwuchs bleiben muss. Helen schwingt sich auf ein schnittiges Stretchbike, Bob schwingt den Staubsauger. Das nagt.

Die Handlung des zweiten Films knüpft nahtlos ans Ende des ersten an. Und Brad Bird, der schon beim Originalfilm Regie führte, macht seine Sache auch diesmal super, gibt den alten Kraftmeiern enormen Auftrieb. Ein Superschurke namens Screenslaver torpediert die groß angelegte Superhelden-Rehabilitation, indem er diese hypnotisiert und zu Untaten zwingt.

Elastigirl gerät in Screenslavers Fänge. Bob muss ran, der Überdaddy, der gerade noch über dem Rechenbuch seines blitzschnellen Supersohns Flash brütete („Warum haben die Mathe verändert?“), von der bei Bedarf unsichtbaren Supertochter Violetta Pubertätsbreitseiten abbekam und die unkontrolliert ausbrechenden Talente von Superbaby Jack-Jack in den Griff kriegen musste.

Design und Musik erinnern an die frühen Bond-Filme

Der Rahmen ist Komödie, gefasst ist darin eine Collage aus Familiendrama und Actionstück. Design und Musik erinnern an die frühen Bondfilme mit Sean Connery. „Die Unglaublichen 2“, erfolgreichster Film der Company in den USA, ist wieder ein Film für (allerdings nicht allzu kleine) Kinder und Eltern, erläutert er doch allen, warum Familienbande so aufreibend sein müssen.

Zuschauer dürfen sich hier selbst erkennen und auch noch darüber lachen. Zudem knüpft Bird – mit leichter Feder – an die seit Frank Millers Comic-Neuerschaffung von Batman (1985) lieb gewonnene Tradition der Veredlung von Unbesiegbaren per Psychologisierung an: „Ich rette, also bin ich!“

Man ahnt früh, wie das alles ausgeht. Und folgt dem Spektakel, das unterhaltsamer ist als die meisten DC-Filme und Kino-Marveliaden, doch atemlos bis zur Moral von der Geschicht‘. Die lautet: Allein ist man stark, zusammen stärker. Deshalb ist halt nichts ist so super wie Familie.

Wobei Waschbären im speziellen Fall der Familie Parr freilich völlig anderer Ansicht sein dürften.


Von Matthias Halbig / RND