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Welt „Tomb Raider“ – Das Leben ist (k)ein Videospiel
Mehr Welt „Tomb Raider“ – Das Leben ist (k)ein Videospiel
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22:51 21.03.2018
Der Pfeil zeigt nach Osten: Lara Croft (Alica Vikander) erlebt neue Abenteuer in Japan, einem prosperierenden Filmmarkt. Quelle: Foto: Warner Bros.
Hannover

Als weibliche Wiedergängerin von Indiana Jones eroberte Lara Croft 1994 den Videospielmarkt und behauptete sich in mehreren Dutzend Folgen von „Tomb Raider“ als echte Bestseller-Heldin. Auch ins Kino schaffte es die Kämpferin in hautenger Trikotage: 2001 und 2003 spielte Angelina Jolie die Videospiel-Ikone und leistete ähnlich wie Sigourney Weaver in „Alien“ (1979) als beinharte Kampfamazone echte Pionierarbeit.

Die Zeit ist reif für Actionheldinnen

Aber das eher moderate Einspielergebnis bot Hollywood zu wenig Anreize, den Markt für Actionheldinnen tiefer auszuloten. Erst in den letzten Jahren scheint sich der Genremainstream mit Filmen wie „Wonder Woman“ und „Ghost in a Shell“ ernsthaft und vor allem auch kommerziell erfolgreich für weibliche Protagonistinnen öffnen.

Und so sah man auch bei Warner die Zeit gekommen für ein Reboot des „Tomb Raider“-Stoffes. Für die Neuauflage des Franchises wurde Alicia Vikander („Ex Machina“) unter Vertrag genommen. Gleich zu Beginn wird sie in den Ring geworfen, wo sich Lara Croft in einem Mixed-Artial-Arts-Kampf beweisen muss, die auch im festen Würgegriff nicht aufgeben will. Laras Vater (Dominic West) ist vor sieben Jahren zu einer Mission nach Japan aufgebrochen und nicht mehr zurückgekehrt. Im familiären Landsitz entdeckt die Tochter einen versteckten Raum mit den Forschungsarbeiten.

Alicia Vikander leistet Überzeugungsarbeit als Lara Croft

Daddys warnende Videobotschaft alle Unterlagen zu vernichten, ignoriert sie und macht sich auf nach Japan, wo der Vater auf der Suche nach dem Grab der Todesgöttin Himiko verschollen ist. Deren Exhumierung – so die Legende – werde großes Unheil über die Menschheit bringen. Ungute Zeitgenossen wollen der versteckten Leiche habhaft werden, was die tapfere Lara zu verhindern sucht.

Die erste Hälfte von Roar Uthaugs „Tomb Raider“-Variation, die der Vorstellung der jungen Heldin in einem realistischen Gegenwarts-Setting dient, überzeugt durch solides Action-Handwerk. Die Kampf- und Verfolgungsszenen, die durch die Londoner Innenstadt oder den Fischereihafen von Hongkong führen, sind rasant und mit artistischer Ambition in Szene gesetzt. Alicia Vikander, die in ihren bisherigen Rollen die innere Stärke ihrer Figuren mit einem eher zarten Äußeren kontrastierte, zeigt als Actionheldin physische Präsenz.

Standardgefahren aus dem Handbuch für Mumienfilme

Selbst wenn Uthaug wie zur Beweissicherung seine Hauptdarstellerin ein paar Mal zu oft mit einer Hand über dem Abgrund baumeln lässt, gibt Vikander ihrer Figur eine deutlich erdigere Note als es ihre Vorgängerin Angelina Jolie vermochte. Aber Vikander wird im Verlauf des Filmes zum einzigen Grund, der den Erwerb eines Kinotickets rechtfertigt. Ist die Story erst einmal auf der Spukinsel bruchgelandet, wird das kleine Einmaleins des Abenteuerfilmes ohne kreativen Innovationswillen heruntergeleiert.

Da macht es keinen Unterschied, dass im Hinblick auf den asiatischen Markt der Sarkophag in einem japanischen Berg-Labyrinth eingelagert ist – der Weg dorthin wurde mit den Standardgefahren aus dem Handbuch für Mumienfilme versehen: herausschnellende Lanzen, einstürzende Fußböden, kryptische Rätselaufgaben, die in allerletzter Sekunde gelöst werden wollen.

Ein paar Dollar für die Storyentwicklung wären ratsam gewesen

Wer so viel Geld für Action und Digitaleffekte ausgibt, sollte vielleicht ein paar Dollar mehr für die Stoffentwicklung auf die Seite legen. Die unterkomplexe Handlungsführung verpufft genauso wie die angestrengte Vater-Tochter-Beziehungsdramatik, deren emotionale Tiefe nur eine Behauptung bleibt.

Von Martin Schwickert / RND

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