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„Solo – A Star Wars Story“ – Ein Weltraumwestern

Kino „Solo – A Star Wars Story“ – Ein Weltraumwestern

Wie wurden Han Solo und der Wookie Chewbacca eigentlich Freunde? Und wie genau nochmal kam Solo an Lando Calrissians Raumschiff, den Millennium Falken? Diese und weitere Fragen beantwortet Ron Howad in „Solo – A Star Wars Story“ (Kinostart: 24. Mai). Aber wollen wir das auch wirklich wissen?

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Wildwest im Weltraum: Han Solo (Alden Ehrenreich) und Chewbacca (Joonas Suotamo) unterwegs zum Showdown.

Quelle: Foto: Disney/Lucasfilm

Hannover. Das frühe Leben von Kultfiguren zu erzählen ist ein Geschäftsmodell geworden. Man hat als Publikum schon die Kindheit der Serienmörder Norman Bates und Hannibal Lecter durchmessen. Man weiß jetzt, dass Captain Kirk bereits als Kind ein Draufgänger war und wie Spock als Schüler auf dem Planeten Vulkan gemobbt wurde.

Die Vorgeschichten lassen uns die Helden besser verstehen

Auch wie Bruce Wayne und Clark Kent waren, bevor sie ihre Capes anlegten ist bekannt, Selbst Dracula bekam von Francis Ford Coppola einen Grund, Gott zu verfluchen und Indiana Jones war als Kind schon ein wehrhafter Buddler. Jede dieser nachgereichten Vorgeschichten ließ uns unsere geliebten Helden und Antihelden besser verstehen.

Jetzt sind also Han Solo und das hundeartige Alien Chewbacca dran, die unsere erklärten Lieblinge aus der Märchengalaxis von „Star Wars“ waren: nicht heilig wie Obi-Wan, nicht schutzbedürftig wie Leia und Luke und nicht so steif wie die clownesken Blech-Sidekicks R2 D2 und C-3PO. Sondern verwegen und auch ein wenig zwielichtig à la Butch Cassidy und The Sundance Kid. Dabei mit Sonne im Herzen, egal ob es stürmt oder schneit.

Und natürlich wollen wir wissen, wie Mensch und Wookie am Vorabend des ersten „Krieg der Sterne“-Films Blutsbrüder wurden. Ron Howard („Apollo 13“) erzählt uns das jetzt in „Solo“, dem zweiten Film von Disneys „A Star Wars Story“-Reihe, fiktiven Historienfilmen, die die Wissenslücken der Fangemeinde schließen.

Das Schicksal schickt Han Solo auf eine Odyssee

Los geht’s mit Han (Alden Ehrenreich) und Qi’Ra („Game of Thrones“-Star Emilia Clarke) auf der Flucht. Zwei Teenager auf dem desolaten Werftplaneten Corellia, der vom organisierten Verbrechen regiert, vom Imperium kontrolliert wird. Sie lieben sich, sie wollen raus aus dem Dreck. Han schafft es, Qi’Ra wird geschnappt. Eines Tages, wenn er erst Pilot ist und ein Schiff hat, wird er sie rausholen, das schwört er.

Aber das Schicksal wirft ihn aus der Imperialen Flugakademie in Schützengräben und schließlich in die Bande von Captain Tobias Beckett (Woody Harrelson). Jahre vergehen, bis er Qi‘Ra als rechte Hand des interplanetarischen Paten Dryden Vos (Paul Bettany) wiederfindet.

Becketts Gang hat gerade einen großen Raubzug für Dryden vermasselt. Eigentlich sind sie alle schon so gut wie tot, da hat Han eine Idee: das begehrte Coaxium unraffiniert aus den Minen zu erbeuten, einen Supersprit, von dem wenig ausreicht, ganze Sternenflotten aufzutanken. Dryden schickt seine Freundin Qi’Ra zur Aufsicht mit. Schon sind wir in einer Abenteuer- und am Rande auch Lovestory, die deutlich mehr Drive hat als die parallel laufende offizielle „Star Wars“-Trilogie.

Als der Millennium Falke noch ordentlich geputzt wurde

Ein Spacewestern bis zum Showdown. In dem Han und Chewie in der schmutzigsten und unmöglichsten aller vorstellbaren Situationen aufeinandertreffen. Und in dem auch der Besitzerwechsel des Millennium Falken von Gentleman-Gauner und Zocker Lando Calrissian nicht so reibungslos vonstatten geht, wie der geneigte Fan das bislang vom Hörensagen kannte. In dem Roboter für die Befreiung der versklavten Roboterheit kämpfen und sich etwas zusammenbraut, aus dem die Rebellion gegen die Diktatur erwachen wird. In dem Verrat blüht, Seiten gewechselt werden und sich andeutet, dass Qi’Ra für Han die große böse Liebe werden könnte, das, was Vesper Lind für James Bond war, eine Liebe, die begründet, warum der gewitzte Outlaw zum Zyniker wurde und auch die Ehe mit Prinzessin Leia nicht gutging.

Und vielleicht auch, warum Han den stolzen Falken, der unter Lando noch glänzt wie mit Ajax geschrubbt, binnen weniger Jahre zum ranzigsten Schmuddelschiff des Universums herunterwirtschaften wird.

Chewie – erstmals steckt der Basketballer Joonas Suotamo im Fell –, sieht dabei aus wie immer. Ehrenreich dagegen hat nur gelinde Ähnlichkeit mit dem Solo-Darsteller Harrison Ford, aber in seiner Großmäuligkeit ist er 100 Prozent Han Solo, immer auf sein Glück vertrauend, was Chewie üblicherweise mit den Wookie-Lautmalereien kommentiert, die an einen deprimierten Seehund erinnern. Kurzum: Wir vom Publikum fühlen uns wie zu Hause in „Solo“.

Ein Superbösewicht taucht auf, den man für mausetot hielt

Und nur einmal sind wir irritiert, als zum Ende ein tot geglaubter Superbösewicht auftritt. Nur, wer die Computertrickserien „Star Wars – The Clone Wars“ und „Star Wars Rebels“ gesehen hat (die – anders als die vielen Romane und Comics – weiterhin zum offiziellen Kanon des Franchise gehören) weiß hier Bescheid und reibt sich die Hände. Diese „Star Wars Story“ ist definitiv noch nicht zu Ende. Sie hat das Zeug zu einer Trilogie.

Klar, Prequels mindern das Mysterium der Charaktere. Wer die Figuren auserzählt, killt ihr Geheimnis und macht sie kleiner. Dass man sich alles immer ganz anders vorgestellt hatte, ist der Wertschöpfungsmaschine Hollywood egal. So lässt Disney die „Star Wars“-Filme derzeit prasseln.

So lange sie aber gelingen wie „Solo“, der Fan die eigenen Vorstellungen gerne zugunsten der gebotenen Kinoerinnerungen löscht, und Disney als Sujet nicht auf die Kindheit von Jabba the Hutt zurückgreift, möge die Macht mit den Micky Mäusen sein.

Von Matthias Halbig / RND

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