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Experte fürs Erniedrigen: „Drill-Sergeant“ Lee Ermey ist tot

Schauspieler Experte fürs Erniedrigen: „Drill-Sergeant“ Lee Ermey ist tot

Niemand konnte so schön brüllen und beleidigen wie er: Nun ist der mit seiner Rolle in „Full Metal Jacket“ bekannt gewordene Schauspieler Lee Ermey am Sonntag verstorben – ein Nachruf.

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Mit „Full Metal Jacket“ wurde er berühmt: Als sadistischer Sgt. Hartman peinigte Lee Ermey im Ausbildungslager der Marines die Rekruten.

Quelle: imago/United Archives

Los Angeles. Welche Gemeinheiten brüllen Militärausbilder eigentlich so? Das wollte der für seinen Perfektionismus berüchtigte Regisseur Stanley Kubrick genau wissen. Der Auftrag an seinen Filmberater Lee Ermey beim Kriegsdrama „Full Metal Jacket“ (1987) lautete: Erniedrigungstiraden sammeln und dem Schauspielerkollegen aushändigen, der für die Rolle des fiesen Grundausbilders Gunnery Sergeant Hartman vorgesehen ist. Für Ermey war das kein Problem, hatte er doch einst dem US-Marine Corps angehört und im Vietnamkrieg als Sergeant gedient. Gelernt ist gelernt.

Vom Berater zum Schauspieler über Nacht

So erschien Ermey mit einem 150-seitigen Notizbüchlein, prall gefüllt mit feinstem Beleidigungsvokabular, verwendbar in wohl jeder Armee dieser Welt. Dann aber sah Regisseur Stanley Kubrick zufällig Filmaufnahmen mit Ermey, in denen dieser überzeugend Film-Rekruten zur Schnecke machte – und sich auch nicht davon beeindrucken ließ, dass er die ganze Zeit mit Orangen und Tennisbällen beworfen wurde.

Kubrick war so angetan von dieser Darbietung, dass er Ermey den Part von Drill-Sergeant Hartman gab, der im Film mit seinen sadistischen Eskapaden Rekruten einen Vorgeschmack darauf gibt, was sie im Vietnamkrieg erwartet. Der Rest ist Kinogeschichte. Ermey wurde mit einer Golden-Globe-Nominierung bedacht und fortan immer dann besetzt, wenn es galt, Kameraden zusammenzustauchen. Dabei bewies er durchaus Selbstironie. So lieh Ermey im Pixar-Animationsfilm „Toy Story“ dem Kommandeur der Spielzeugsoldaten seine Stimme, und auch bei den „Simpsons“ bewies er seine Kunst.

Der Schöngeist von der NRA

In Ermeys Brust müssen zwei Seelen gewohnt haben. Nach seinem aktiven Militärdienst hatte er Kriminologie und Theaterwissenschaften studiert. Schon Francis Ford Coppola hatte ihn bei „ Apocalypse Now“ (1979) als Militärberater angeheuert und ihm eine kleine Rolle als Hubschrauberpilot gegeben. Zugleich war Ermey Mitglied im Vorstand der Nationale Rifle Association (NRA) und moderierte Dokumentarserien, in denen es um Militärtechnik ging.

Nun ist Ermey im Alter von 74 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben, wie sein Manager Bill Rogin bekannt gab. Der Manager beeilte sich hinzufügen, dass Ermey in Wirklichkeit ein gütiger, lieber Mensch gewesen sei.

Von Stefan Stosch

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