Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Welt Im Supermarkt gibt es die ersten Insektenburger
Mehr Welt Im Supermarkt gibt es die ersten Insektenburger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:44 25.06.2018
"Deutschlands erster Insekten-Burger" wird präsentiert. Das Burgerfleisch besteht zu rund fünfzig Prozent aus Buffalo-Würmern. Quelle: dpa
Osnabrück

Bei der kleinen Firma Bugfoundation im Osnabrücker Hafen geht es seit Monaten rund. Schon vor einigen Jahren kamen die beiden Jungunternehmer Max Krämer und Baris Özel auf die Idee, gemahlene Zucht-Insekten zu einem Burger Patty zu verarbeiten. Nach positiver Resonanz von Restaurants in Belgien und den Niederlanden startet die Firma seit einigen Wochen auch in Deutschland durch: In vielen Rewe-Märkten vor allem in Süddeutschland, aber auch in Bremen und Osnabrück, sind die Insektenburger schon zu kaufen. „Wir werden dieses Jahr flächendeckend in Deutschland expandieren und im nächsten Jahr auch nach Frankreich, England und Skandinavien“, sagt Baris Özel.

Viele Ernährungsexperten sehen in Insekten als Nahrungsmittel eine Antwort auf den Hunger einer steigenden Weltbevölkerung. In gut 30 Jahren werde diese auf neun bis zehn Milliarden Menschen gestiegen sein, sagt Guido Ritter, Professor an der Fachhochschule Münster am Institut für Nachhaltige Ernährung. Um die Menschen gut zu ernähren, bedarf es hochwertigen Proteins - der Bedarf wird sich bis 2050 verdoppeln.

Insekten – eine nachhaltige Ernährungsquelle

Hier kommen Insekten ins Spiel: In vielen Regionen der südlichen Hemisphäre, in Afrika und Asien, gehören diese Tiere schon zum Speiseplan. Gesundheits- und Landwirtschaftsexperten der Vereinten Nationen von WHO und FAO fordern daher, diese Ernährungsquelle stärker zu nutzen. „Die Produktion von hochwertigem Protein gelingt mit Insekten deutlich effizienter als mit Säugetieren wie Rinder, Schweinen oder Geflügel“, sagt Ritter.

Das heißt: Nahrungsmittel aus Insekten verbrauchen bei der Produktion deutlich weniger Rohstoffe, Energie und Platz als Säugetiere. „Insekten mögen Massentierhaltung“, sagt Ritter. Was bei Schweinen und Hühnern ein Problem ist, ist es bei Maden und Grillen eben nicht. Unternehmer wie Krämer und Özel, aber auch viele interessierte Endverbraucher sehen Insekten daher als nachhaltige Ernährungsquelle. „Wir bekommen viele Zuschriften von Kunden, die sagen: Endlich gibt es so etwas zu kaufen“, sagt Özel.

Keine Alternative für Vegetarier und Veganer

Werden wir in Zukunft also alle Insekten essen, um die Welt zu retten? Die klare Antwort: wahrscheinlich nicht. Vegetarier und Veganer dürften einen großen Bogen um diese Produkte machen, denn es handelt sich ja auch um tierische Lebensmittel, sagt Manon Struck-Pacyna vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) in Berlin. „Es ist auch vieles noch nicht erforscht in Richtung allergenes Potenzial“, sagt sie. Allergiker sollten vorsichtig sein bei den Produkten. Wer mit Meeresfrüchten Probleme hat, für den sind Insekten wahrscheinlich auch nichts.

Aber es gibt noch andere Aspekte, bei denen die sich erst entwickelnde Insektenfood-Branche Neuland betritt. Können bei der massenhaften Zucht von Insekten nicht auch Probleme entstehen? Wie ist es um die Hygiene und Lebensmittelsicherheit bestellt? „Man muss sich über die mögliche Übertragung von Krankheiten Gedanken machen“, sagt Ritter. Mit welchen Futter kann man die Insektenernähren? Wie sieht die Ökobilanz der Insektenproduktion tatsächlich aus, wenn man die Energie- und andere Kosten der Massenhaltung mit berücksichtigt? In einem Land wie Deutschland müsste man die Insektenfarmen heizen. Um die Tiere zu töten, werden sie gefrostet - all das bedeutet Energieaufwand. Und sicherlich wird es Menschen geben, die ethische Bedenken gegen diese Art der Massentierhaltung haben werden.

Noch überwiegt der Ekel

„Ich schätze, in 20 Jahren werden Insekten ein Teil unseres Nahrungsangebotes sein“, sagt Ritter. Auch Sebastian Biedermann vom Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik (DIL) in Quakenbrück sieht gute Chancen, dass Produkte wie der Insektenburger Käufer finden. „Technisch ist heute dank Forschung und Entwicklung viel möglich. Das zeigt auch die steigende Produktvielfalt in diesem Segment. Ob sich Insekten auf unserer Speisekarte etablieren werden, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab.“

Denn in unserem Kulturkreis dürfte derzeit noch der Ekel vor Insekten als Nahrungsmittel überwiegen. Aber solche Dinge können sich ändern: Heute gelten Sushi und Shrimps auch bei uns als Delikatesse - noch vor dreißig Jahren hätten hierzulande viele das Angebot, kleine Happen mit kaltem Reis und rohem Fisch zu essen, dankend abgelehnt.

„Wir müssen ein gutes Stück Weg vom Fleisch“

Eins aber ist sicher: Nachhaltigkeit ist zwar ein Thema, das die Verbraucher beschäftigt. Das Wichtigste ist es für die Kaufentscheidung aber nicht. „An erster Stelle stehen die Fragen des Geschmacks und des Preises“, sagt Manon Struck-Pacyna. Aber Fragen nach der Nachhaltigkeit werden wichtiger. Das zeigen Siegel für Fair Trade oder das Marine Stewardship Council (MSC).

„Wir müssen ein gutes Stück Weg vom Fleisch“, sagt Ritter. Rinder, Schweine, Geflügel - der Konsum von Säugetieren geschehe derzeit im Übermaß. Insekten könnten eine Hilfe sein, davon wegzukommen. „Besser wäre es, wenn uns deutlich mehr vegan oder vegetarisch ernähren.“ Auf den Mix werde es ankommen. Wenn Fleisch nicht mehr als Massenware verramscht wird, werde es auch wieder mehr Wertschätzung bekommen: „Wir müssen wieder hin zum Sonntagsbraten“, sagt Ritter.

Von RND/dpa

Rund zehn Wochen müssen Kunden in Deutschland durchschnittlich warten – erst dann können Handwerker neue Aufträge abarbeiten. Das Problem könnte sich noch verschärfen.

25.06.2018

Tödlicher Unfall im Kreis Hildesheim am frühen Montagmorgen: Ein 38-Jähriger prallte zwischen Brüggen und Wettensen mit seinem Auto gegen einen Baum. Er starb noch an der Unfallstelle.

25.06.2018

Rund 1,4 Millionen Asylbewerber und Schutzberechtigte befanden sich Ende 2017 in Deutschland. Mehr als irgendwo sonst in Europa. Das berichtet die „Welt“ unter Berufung auf das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen.

25.06.2018