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Welt Einfach mal die Hüllen fallen lassen
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11:44 26.09.2018
Echt stark: Ein gesundes Selbstbewusstsein hilft dabei, zu seinen Schwächen zu stehen. Quelle: iStockphoto
München

Regina fühlt sich in ihrem Freundeskreis pudelwohl. Da ist nur dieses eine Thema, das ihr regelmäßig zusetzt: Politik. Nicht, weil sie eine besonders polarisierende Meinung hat. Vielmehr ist es so, dass Regina sich in politischen Dingen nicht gut auskennt. Und dann hat sie immer große Angst, dass sie dumm dastehen könnte. Wie damals in der Schule, als es eine ähnliche Situation gab. Lieber nickt sie gelegentlich wissend und hofft, dass ihre Fassade bestehen bleibt. Ihre Ängste offen ansprechen oder zu ihren Lücken stehen? Keine Option, denn Regina möchte nie wieder als Dummerchen dastehen. Und so wie Regina geht es ganz vielen Menschen in unterschiedlichen Kontexten. Ganz gleich, ob es um Bildung geht, um Gefühle oder darum, jemanden um Hilfe zu bitten oder einen Fehler einzugestehen – viele Menschen haben große Scheu davor, verletzlich zu wirken und sich dadurch emotional angreifbar zu machen. Dabei kann der selbstbewusste Umgang mit eigenen Unsicherheiten durchaus positiv bewertet werden und sogar Vorteile bringen.

Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung

In mehreren Experimenten haben die Mannheimer Forscher Anna Bruk, Sabine Scholl und Herbert Bless herausgefunden, dass viele Menschen versuchen, Schwächen und Verletzlichkeiten zu vertuschen. Zu groß sei die Angst davor, sein Gesicht zu verlieren. Dabei ist diese Sorge meist unbegründet. Denn emotionales Blankziehen kann durchaus entwaffnend wirken, ja sogar imponieren. In ihren Untersuchungen haben die Wissenschaftler Testpersonen Szenen bewerten lassen, in denen es um das Eingeständnis von Schwäche, Angst und Ähnlichem ging. Bewerteten die Testpersonen andere Menschen, die sich verletzlich zeigten, fiel das Urteil sehr positiv, wertschätzend und wohlwollend aus. Mehr noch: Das Eingestehen von Schwäche wurde oft als Stärke wahrgenommen. Mussten die Testpersonen im Anschluss sich selbst in ähnlicher Situation bewerten, war das Urteil deutlich unbarmherziger. Diese Diskrepanz wurde in einem weiteren Experiment noch deutlicher.

Hierbei wurde ein Gesangscasting nachgestellt. Einige Probanden sollten die Rolle einer Jury übernehmen, andere stellten die Sänger. Die Beobachter (Jurymitglieder) lobten im Vorfeld den Mut der Sänger. Wer singen musste, sah der Situation weniger gelassen entgegen. Die meisten hatten Angst, sich zu blamieren. Das brachte das Forschungsteam zu folgender Erkenntnis: Was für andere als Mut ausgelegt wird, gilt nicht, wenn man selbst in der gleichen Situation steckt. Es gibt also einen erheblichen Unterschied zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung. Mithilfe der Construal Level Theory schafften es die Forscher, dieser Diskrepanz auf den Grund zu gehen. Demnach bewerten wir andere Menschen auf weit höherem Abstraktionsniveau, vorurteilsfreier und objektiver. Trifft uns jedoch dieselbe Herausforderung unmittelbar im Hier und Jetzt, empfinden wir Scham, erinnern uns an vergleichbare Situationen aus der Vergangenheit, in denen wir gescheitert sind. Die psychologische Distanz ist dahin, was bleibt, sind sehr konkrete Versagensängste.

Aber bitte nicht selbst geißeln

Wo der Stress groß ist, geht die Selbstkontrolle flöten. Aber genau die wollen wir, nach Einschätzung von Psychologe Ulrich Schmitz aus Köln, eigentlich die meiste Zeit aufrechterhalten: „Wenn ich andere wohlwollend beurteile, beweise ich ja auch meine Großherzigkeit und Toleranz. Wenn ich aber zum Beispiel meine Wohnung unaufgeräumt präsentiere, laufe ich Gefahr, dass der andere mich als schlampig sieht. Ich gebe also vermeintlich Kontrolle auf.“ Es sind zweierlei Maß, mit denen da gemessen wird. Und was es impliziert, ist eine Sackgasse ins Unglück. „Natürlich sollte man sich selbst gegenüber toleranter sein, mutiger sein“, bestätigt Psychologe Schmitz. Wenn ein Mensch ganz angstfrei zu Unsicherheiten stehen kann, wenn er keine Scheu hat, dass ihm seine dargelegte Schwäche als großes Foul ausgelegt wird, dann verschafft ihm das in der Tat Souveränität und Sympathiepunkte. Aber: „Wenn dieses ‚Schwächeneingestehen‘ eher was Selbstanklagendes oder gar Selbstgeißelndes hat, dann ist das nicht mehr schön“, räumt Schmitz ein, denn dann stellt sich eine unsichere Person am Ende genau dadurch an den Pranger und läuft Gefahr, sich selbst zu schaden – gerade in Berufen mit hohem Konkurrenzkampf sei das ein großes Risiko.

Auf das Selbstbewusstsein kommt es an

Seine Deckung aufzugeben und gleichzeitig von anderen als stark bewertet zu werden hat folglich viel damit zu tun, wie selbstbewusst man grundsätzlich ist. Dass ein sicheres Verständnis seiner Stärken, aber auch Unsicherheiten oder Lücken zum Erfolg führen kann, weiß Diana Dieckmann. Sie arbeitet im Vertrieb mit Personalverantwortung und schätzt Bewerber und Kollegen, die selbstbewusst zu ihren Schwächen stehen: „Dadurch dass man sich traut, seine Schwächen zu zeigen in bestimmten Bereichen, wirkt man auf anderer Seite wieder kompetent. Weil man ja in anderen Bereichen sicher viel mehr weiß. Und wenn man gelegentlich Kollegen um Rat bittet und dadurch auch seine menschliche Seite zeigt, wirkt das viel positiver. Das hat auch was von Teamgedanken, keine Scheu davor zu haben, von außen Informationen zu beziehen. Das wirkt total kompetent.“ Häufig seien es nach Erfahrung von Diana Dieckmann die selbstbewussten Menschen, die Unsicherheiten ehrlich kommunizierten. Unsichere Menschen trauten sich viel seltener, die Hüllen fallen zu lassen.

„Die Umgebungsbedingung, in der ich mich zeige, ist ausschlaggebend“, betont Psychologe Ulrich Schmitz. „Freunde sind dafür da, dass man auch Schwächen zugeben kann.“ Und das hat sich auch Regina zu Herzen genommen. Nicht in großer Runde, aber mit zwei ausgewählten Freunden, denen sie vertraut. Die haben erst zugehört und dann gelacht – weil es ihnen oft ähnlich geht.

Von Andrea Mayer-Halm

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