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Welt Eine „Salome“ als Trip ins Unbewusste
Mehr Welt Eine „Salome“ als Trip ins Unbewusste
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08:46 30.07.2018
Ein Pferdekopf als Lohn für ihren Tanz: Szene aus „Salome“ mit Asmik Grigorian in der Titelrolle. Quelle: dpa
Salzburg

Mit einer bemerkenswerten Produktion haben die Salzburger Festspiele daran erinnert, dass Richard Strauss’ „Salome“ nicht einfach ein kurioser Opernschocker aus den Nachwehen des Fin de Siècle ist, über den man aus historischem Sicherheitsabstand gelassen die Stirn runzeln kann. In einer stark stilisierten Inszenierung legt Regisseur Romeo Castellucci den Mythos im Musiktheater frei und verleiht dem Stoff eine Wucht, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart nicht unterscheidet. Und Franz Welser-Möst am Pult der Wiener Philharmoniker lässt die Musik so gleißend hell und hysterisch aufleuchten, dass sie den Verstand zu überspringen und direkt in der Blutbahn des Zuhörers zu wirken scheint. Eine Oper als harte Droge: Wer sich auf diese rücksichtslos pathetische Produktion einlässt, kann ins eigene Unbewusste mitgerissen werden.

Mit Hochglanz-Festspieltheater, das man Salzburg gern unterstellt, hat all das nichts zu tun. Das kann man sehen, sobald sich der Vorhang nach einem kurzen stummen Vorspiel lüftet: Die vielen in den Stein gehauenen Arkaden im Hintergrund der Bühne, die der Felsenreitschule seit Jahrhunderten ihre gleichsam natürliche Atmosphäre geben, hat Castellucci als sein eigener Ausstatter mit Steinplatten lückenlos schließen lassen. Statt auf Feinheiten eines Bühnenbildes blickt man auf nackten Fels: Der Urzustand des Ortes ist wiederhergestellt.

Leblose Körper in durchsichtigen Plastiksäcken

Den Figuren davor allerdings steht die Schuld schon zu Beginn blutrot bis zum Hals. Am Hof des Herodes regieren Zügellosigkeit und Gewalt: Dem Regisseur reicht ein bisschen Schminke, um das zu zeigen. Ansonsten verbirgt sich der Hofstaat unter schwarzen Hüten und Anzügen, man bewegt sich kontrolliert und blickt vorbei, wenn ab und an leblose Körper in durchsichtigen Plastiksäcken über die Bühne geschleift werden. Einzig Salome, die Stieftochter des Königs, trägt ein weißes Kleid und ist ungeschminkt – rot ist nur der rote Fleck in Schritthöhe auf der Rückseite des Kleides. So kann man nicht übersehen, worum es hier geht: Um das Erwachen der Sexualität, um Lust, die es ohne Leid nicht geben wird.

Asmik Grigorian trägt dabei die szenische und musikalische Hauptlast des Abends. Die litauische Sopranistin ist von zarter Gestalt, verfügt aber über eine große Stimme. Ihre feenhafte Beweglichkeit braucht sie im Schleiertanz zwar nicht unter Beweis zu stellen: Da kauert sie wie erstarrt auf einem Podest. Dass man ihr aber doch am ganzen Körper die Anstrengung anmerkt, bis zum Schluss über das groß aufspielende Orchester hinwegzustrahlen, steigert nur ihre Glaubwürdigkeit in dieser Rolle: Grigorian ist eine ideale Salome und sicher eine der großen Entdeckungen des Festivals.

Schwarzes Loch von fast kosmischen Ausmaßen

Ihr Gegenspieler Jochanaan, dem Gábor Bretz angemessen Gestalt gibt, haust im Boden in einem schwarzen Loch von fast kosmischen Ausmaßen: Laufend speit es schwarzen Unrat, dunkle Kreaturen und offenbar sogar üble Gerüche aus, während es im Geheimen wächst, um am Ende die Figuren in einer aufsteigenden Blase zu verschlingen. Jochanaan ist da längst geköpft – auch wenn der Prinzessin in der zunehmend rätselhaften, bedrohlich erscheinenden Inszenierung nicht wie gewünscht das Haupt, sondern der übrige Leib vorgesetzt wird.

Weniger verstörend sind die souveränen Leistungen von John Daszak und Anna Maria Chiuri als dekadentes Königspaar und dem von Julian Prégardien als Hauptmann angeführten Hofstaat. Wenn die Sänger am Ende an der Rampe vor ein zunächst perplexes Publikum treten, kann man sich auf ihre stimmlichen Qualitäten besinnen und endlich Beifall klatschen. Der unheimliche Trip, auf den man an diesen Abend geschickt wird, geht langsam vorbei.

Am Sonnabend, 11. August, 20.15 Uhr, sendet 3Sat eine Aufzeichnung der Premiere.

Von Stefan Arndt/RND

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