Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Welt „Ein paar Kratzer gehören einfach dazu“
Mehr Welt „Ein paar Kratzer gehören einfach dazu“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:02 27.04.2018
Seit 2013 ist Fabian Kahl Händler der ZDF-Sendung „Bares für Rares“ – auf Flohmärkte kann er seitdem kaum noch gehen. Quelle: Nico Klein-Allermann, ZDF/Guido Engels
Hamburg

„Ich bin ein Verfechter von Secondhand-Ware – nur bei Sitzmöbeln bevorzuge ich aktuelle Teile“, sagt Fabian Kahl, der Antikhändler aus der bekannten TV-Sendung „Bares für Rares“. Worauf Flohmarkt- und Schatzjäger beim Kauf achten sollten, erklärt der Profi im Interview.

Fabian Kahl, geboren 1991, lebt in Leipzig. Schon als 17-Jähriger leitete er ein kleines Antiquitätengeschäft in Berlin, wenig später führte er eine Galerie in Leipzig. Seit 2013 gehört er zu den Händlern der ZDF-Sendung „Bares für Rares“. Vor Kurzem hat Kahl ein Buch über seine Arbeit veröffentlicht. Quelle: Klein-Allermann, ZDF/Guido Engels

Herr Kahl, wann haben Sie gespürt, dass Sie das Schatzsucher-Gen haben?

Da war ich noch sehr klein. Ich war noch keine zehn, als ich das erste Mal mit meinen Eltern zum Verkaufen auf einem Antikmarkt war. Ich habe mich von klein auf dafür interessiert und bin da reingewachsen. Mein Vater hat ja schon gehandelt, und dem habe ich immer über die Schulter geschaut. Es ist unheimlich hilfreich, wenn man jemanden hat, der jeden Tag museale Stücke ins heimische Wohnzimmer trägt und man sich die ganz genau anschauen kann.

Sie wollten sich nicht von der Arbeit Ihrer Eltern absetzen?

Nein, bei mir hat sich einfach ein Funke entzündet, der zu einem Feuer geworden ist. Jetzt bin ich mit Herzblut Antikhändler.

In Ihrem Familienwappen steht „Mut, Liebe und Geduld“. Braucht man fürs Antiquitätengeschäft vor allem Geduld?

Bis man alle Feinheiten verstanden hat und selbstsicher handeln kann, ist schon viel Zeit und Geduld nötig. Man muss am Ball bleiben und regelmäßig etwas dafür tun.

Zum Beispiel?

Es gibt ein Fernstudium im Bereich Antiquitäten und eine Ausbildung zum Kunst-und Antiquitätenhändler. Ich habe das allerdings alles übersprungen und mir alles autodidaktisch beigebracht. Zum Beispiel habe ich unheimlich viel Fachliteratur gelesen. Und ich habe sehr, sehr viele Museen und Schlösser besucht und dadurch viel gelernt. Allerdings war es für mich wohl einfacher als für andere, weil meine Familie mich immer gefördert hat.

Wie wichtig ist neben dem Wissen das Bauchgefühl?

Das ist für mich entscheidend. Wenn ich mich bei einem Objekt mal so richtig vergriffen habe, dann habe ich meist eher nach dem Verstand gehandelt. Vielleicht kam da auch noch etwas Gier ins Spiel. Doch wer sich auf Verstand oder Gier verlässt, der wird verlassen. Wenn ich ein ungutes Gefühl habe, bin ich mittlerweile viel vorsichtiger als noch vor zwei, drei Jahren.

Was war Ihr größter Fehlgriff?

Eine große Bronzefigur – ein Jockey auf einem Pferd –, für die ich 3500 Euro ausgegeben habe. Als ich das Stück nach Hause gebracht habe, sagte mein Vater gleich: Das ist eine Fälschung. Ich gehe in solchen Fällen aber nicht zum Verkäufer und verlange mein Geld zurück. Ich habe halt einen Fehler gemacht – aus dem muss ich lernen und dann wieder auf die Beine kommen. Davor gefeit ist man nie, und manchmal muss es wehtun, um daraus zu lernen.

Wie groß ist die Gefahr, an Fälschungen zu geraten? Gibt es viele Scharlatane in Ihrer Branche?

Tja, das ist ein schwieriges Thema. Natürlich möchte jeder Händler leben. Wenn ein gutgläubiger Laie sich auf ein Angebot in einer Zeitungsannonce meldet, besteht schon die Gefahr, dass er ausgenommen wird. Viele Antiquitäten sind nun mal schwierig zu beurteilen.

Ist der Markt nicht sowieso schon abgegrast?

Er ist auf jeden Fall viel abgegraster als vor der Wende. Vor 1989 war Ostdeutschland noch voll mit Antiquitäten, heute findet man mal Einzelstücke, aber nicht mehr so richtig urige Haushalte. Mein Vater war in ganz verstaubten Haushalten und hat dort Lkw-Ladungen von Dingen aller Art herausgeholt. Wenn ich jetzt unterwegs bin, geht es oft nur um Einzelstücke. Auf Floh- und Antikmärkten findet man aber noch einiges, weil dort viele Händler und auch Privatleute ausstellen und verkaufen. Die Frage ist jedoch, ob man in dem ganzen Sammelsurium ein wirklich gutes Teil oder Schnäppchen findet – oder ob man in der Warenflut untergeht.

Worauf sollte man auf dem Flohmarkt zum Beispiel bei Uhren achten?

Ganz wichtig ist es, erst die Marke zu prüfen, dann das Material – ist es Stahl, Gold oder Silber – und ob sie noch funktioniert. Die Preise für alte Uhren sind ganz unterschiedlich: Das geht bei 10 Euro los und kann für eine Patek Philippe bei knapp einer Million Euro liegen.

Was ist bei Kunstwerken zu beachten?

Vor allem sollte man erkennen können, ob es sich um einen Druck oder ein Gemälde handelt. Das fällt vielen schon nicht leicht. Auf Trödelmärkten lässt sich das Auge schulen: Man kann trainieren, ob man bei Gemälden den Pinselstrich sehen und fühlen kann und auch mit der Lupe das Raster eines Drucks erkennt.

Und bei Möbeln?

Schnäppchenjäger sollten weder ganz alte Stücke noch Dinge, die gerade im Trend liegen, kaufen, sondern eher Teile aus den Dreißigerjahren, vielleicht aus Nussbaum, oder auch Biedermeiermöbel. Beides ist im Moment günstig, doch kommt es natürlich auf den Stil an, den man sucht.

Der Zustand der Möbel ist allerdings nicht immer einwandfrei.

Das ist bei jedem Stück individuell, aber bei den meisten Objekten ist mit ein bisschen Möbelpolitur schon viel getan. Bei Biedermeiermöbeln sind manchmal noch Leisten abgebrochen, doch wenn die noch existieren, lassen sie sich mit Fischleim meist ganz schnell wieder ankleben. Ich habe in meiner Wohnung auch Stücke stehen, die nicht hundertprozentig in Ordnung sind, mal fehlt da eine Leiste, mal wurde ein Fuß ergänzt. Das stört mich aber nicht, weil es schöne, alte Stücke sind. Die haben ihre Zeit schon gelebt, und das muss man ihnen auch ansehen. Wenn die irgendwo einen Kratzer haben, gehört das einfach dazu.

Das klingt ja nahezu nachhaltig.

Ich bin ein Verfechter von Secondhand-Ware, egal ob Klamotten, Mobiliar oder Porzellan. Das ist ressourcenschonend. Nur bei Sitzmöbeln bevorzuge ich aktuelle Teile: Neue Stühle und Polstermöbel sind viel bequemer.

„Der Schatzsucher. Auf der Jagd nach Kunst und Kuriositäten“, Eden Books. 220 Seiten, 16,95 Euro. Quelle: Verlag

Von Interview: Martina Sulner/RND

Bei einer neuen Militäroffensive der syrischen Armee im IS-Gebiet Jarmuk sind am Freitagnachmittag mindestens 17 Zivilisten ums Leben gekommen.

27.04.2018

Der Kampf gegen das Bienensterben kann beginnen. Drei der wichtigsten Insektengifte dürfen in der EU künftig nicht mehr auf den Äckern eingesetzt werden. Darauf haben sich die Vertreter der 28 Mitgliedstaaten am Freitag in Brüssel mit knapper Mehrheit verständigt. Was passiert nun?

27.04.2018
Welt Deutscher Filmpreis 2018 - Marie Bäumer vergießt Tränen für Romy

Zur 68. Verleihung des Deutschen Filmpreises strömten mehr als 1900 Promis. Der große Favorit ist am Ende auch der große Gewinner. Emily Atefs Drama „3 Tage in Quiberon“ räumt beim Deutschen Filmpreis ab.

27.04.2018