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Die Wahl lokal Bartol holt Direktmandat, für Heck reicht es nicht
Mehr Welt Die Wahl lokal Bartol holt Direktmandat, für Heck reicht es nicht
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12:18 25.09.2017
Von Fassungslosigkeit bis hin zur Erleichterug: Sören Bartol und die SPD erlebten ein Wechselbad der Gefühle im Rotkehlchen. Am Ende konnte er sich mit Landrätin Kirsten Fründt freuen. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Für Sören Bartol war es ein zwiespältiger Abend. „Das SPD-Ergebnis ist ein Drama“, sagte er – „aber ich bin natürlich sehr froh, dass ich das Direktmandat gewonnen habe.“ Das Abschneiden gegen Dr. Stefan Heck (CDU) ordnete Bartol als „hervorragendes Ergebnis“ und als großen „Vertrauensbeweis“ ein – auch deshalb, weil das Abschneiden der übrigen Kandidaten bei den Erststimmen deutlich stärker gewesen sei als vor vier Jahren.

Wie sich der persönliche Erfolg auf seine Rolle in der neuen SPD-Fraktion auswirken wird – vermutlich in der Opposition –, mochte Bartol gestern nicht abschätzen. „Ich gehöre noch dem geschäftsführenden Vorstand der Fraktion an, und da werden wir mithelfen, die Fraktion neu aufzustellen.“ Alles weitere müsse sich finden, so Bartol, der aber zugibt, dass der Gewinn eines Direktmandats für ­seine Rolle in der gerupften neuen SPD-Fraktion kein Nachteil sein wird. „Wenn man das Gesamtergebnis der SPD sieht, ist das aber nur ein schwacher Trost.“
Nachdem sich die Niederlage im Rennen um das Direktmandat abzeichnete, hoffte Dr. Stefan Heck (CDU) noch bis in die Morgenstunden darauf, über die Landesliste sein Ticket für den Bundestag zu lösen. Seine Einschätzungen am Abend lautete, dies sei „nicht ausgeschlossen, aber unwahrscheinlich“, sagte Heck.

Die Hoffnung begründete sich darin, dass die CSU in Bayern mehr Direktmandate gewonnen hat, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis Sitze im Bundestag zustehen. Dadurch erhält sie Überhangmandate, die wiederum für die anderen Parteien ausgeglichen werden. Ob er auf diesem Weg auf Listenplatz sieben in den Bundestag einziehen kann, könne man erst anhand der vorläufigen amtlichen Endergebnisse sagen. „Das ­letzte Mal hat es bis drei Uhr morgens gedauert“, erinnert sich Heck, dem eine Nacht Zittern bevorstand. Ein klares Resümee könne er erst ziehen, wenn man sich die Zahlen in Ruhe angeschaut habe. Ein Blick auf das vorläufige amtliche Endergebnis vom Bundeswahlleiter am Morgen sorgt für Klarheit - Heck erhält kein neues Mandat für den Bundestag.

In den ländlichen Gemeinden verloren die Kandidaten von SPD und CDU stark an Stimmen. Bloß in seiner Heimatgemeinde legte Heck zu. Besonders schwer dürfte für ihn das Neustädter Ergebnis ins Gewicht fallen. Dort büßte er gleich 494 Stimmen ein, während Bartol 119 Stimmen verlor. AfD-Kandidat Schmidt wählten 759 Neustädter, das entspricht 16 Prozent der Stimmen dort. Das höchste Ergebnis fuhr Schmidt in seiner Heimatgemeinde Steffenberg mit 20,8 Prozent ein, gefolgt von seiner Wahlheimat Angelburg (17 Prozent) und Bad Endbach (15,23 Prozent). Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis reicht Schmidts Listenplatz 9 nicht für den Bundestag.

Die Linke Elisabeth Kula erreichte mit 8,2 Prozent der Stimmen ein respektables Erststimmenergebnis, kam in Marburg gar auf 13,46 Prozent. FDP-Kandidat Hanke Bokelmann ­erzielte ein deutlich stärkeres Ergebnis als Jörg Behlen vor vier Jahren (1,7 Prozent).

von Philipp Lauer und Michael Agricola