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Welt Die Rückkehr der Schuluniform
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09:02 26.08.2018
Schuluniformen sind wieder da – neuerdings auch von Luxusmarken wie Armani, Chanel und Co. Quelle: Xixinxing
Berlin

Wenn kleine Erstklässler künftig in der Taimei-Grundschule in Tokio die Bank drücken, werden sie das in Schuluniformen von Armani tun. Auch weitere Luxusmarken wie Burberry, Chanel oder Hermès standen zur Auswahl. Aber die Bundfaltenhöschen und Jacketts des italienischen Modekonzerns haben den Direktor der Schule letztlich überzeugt.

Während in Deutschland bei der Diskussion um Schuluniformen meist mit der Vermeidung von Neid und Mobbing argumentiert wird, hatte der Direktor in Japan offenbar exklusivere Aspekte im Sinn – darunter ein ausgeprägtes Stilempfinden. Was ist das nur mit den Schuluniformen, dass sie gebraucht, geschätzt, gehasst oder als überflüssig erachtet werden?

Sonja ist Deutsche, lebt mit ihrer Familie aber seit vielen Jahren in England. Beide Söhne tragen an ihren Schulen Uniform, bestehend aus Pullis mit dem Schullogo, Blazern, Krawatten und schlichten dunklen Hosen. Wird die Uniform unvollständig getragen, gibt es eine Strafe. Feste Schulkleidung ist im Vereinigten Königreich seit Jahrhunderten Standard. Und Sonja findet es klasse, weil es dann kein Gezanke darüber gibt, was ihre Jungs in der Früh anziehen. Es ist in erster Linie eine praktische Erwägung, weniger eine aus Angst vor Sozialneid.

Kleidungszwang widerspräche dem Grundgesetz

Natürlich nervt es Sonja, dass bei ihren Teenagern Markenklamotten ein immer größeres Thema werden. Gerade hatte sie mit ihrem Jüngsten wieder die Diskussion um Turnschuhe, die gut 200 Euro kosten. Dafür hat Sonja weder das Geld, noch findet sie solche Schuhe für einen 15-Jährigen angemessen. Wenn er sie wirklich haben will, soll er dafür arbeiten. Ob ihrer Meinung nach Schuluniformen die Kinder vor Mobbing schützen? Das sei schwer zu sagen. Schließlich träfen sich die Kinder ja auch nach der Schule. Und dann haben sie keinen Einheits-Look mehr.

In Deutschland gibt es an staatlichen Schulen keinen Kleidungszwang. Das würde dem Grundgesetz widersprechen und dem Recht auf Individualität. Allerdings setzen mehrere Privatschulen hierzulande voraus, dass bei ihnen die jeweilige Schuluniform getragen wird. Und es existiert auch eine staatliche Schule in Hamburg, die sich für Einheitskleidung ausgesprochen hat: Vor zehn Jahren hat Rainer Busenbender in seiner Schule nach Abstimmung mit Lehrern, Schülern und Eltern eine Schuluniform eingeführt.

Lernen in Uniform: Die italienische Luxusmarke Armani kleidet künftig japanische Grundschüler ein. Quelle: Taimei elementary school/AP

Busenbenders Schule liegt in einem sozialen Brennpunktgebiet. Um die neue Kleiderordnung behutsam zu integrieren, wurden die Uniformen bei Erstklässlern, die neu an die Schule kamen, eingeführt. Mittlerweile ist die Uniform bis zur vierten Klasse verpflichtend, danach freiwillig. Busenbender zieht eine rein positive Bilanz.

Mobbing sei kaum Thema an seiner Schule, schildert der Direktor gegenüber der “Huffington Post“: “Wenn ein neuer Schüler kommt, trägt er vom ersten Tag an die gleiche Kleidung wie alle anderen. Optisch macht er damit schon vom ersten Tag an klar: Ich gehöre dazu. Und die anderen Schüler akzeptieren das und nehmen ihn dadurch bereitwillig in ihre Gemeinschaft auf.“ Natürlich gebe es auch in seiner Schule Schüler, die zur Uniform teure Markenschuhe trügen und damit prahlten. Aber für den Schulalltag sei das kein Problem.

Oliver Dickhäuser ist Professor für Pädagogische Psychologie an der Universität Mannheim. Seit Jahren warnt er vor der “naiven Vorstellung“, man müsse nur alle Schüler in Deutschland in einheitliche Kleidung stecken, und schon gebe es mehr Rücksichtnahme und bessere Lernerfolge. “Vielleicht ist es diese unmittelbare Veränderung auf einer sichtbaren Ebene, die dazu führt, dass bestimmte Personen so fest von positiven Wirkungen überzeugt sind. Dass sich diese aber einstellen, ist alles andere als zwingend“, gibt Dickhäuser zu bedenken.

Studien kommen zu keinem einheitlichen Ergebnis

In diesem Zusammenhang verweist er auf zwei Studien von 2004 und 2009, bei denen an verschiedenen Schulen mögliche positive Begleiterscheinungen von einheitlicher Schulkleidung untersucht wurden. Die Ergebnisse waren sehr unterschiedlich, fasst Dickhäuser zusammen: “Während die eine Studie auf positive Wirkungen hindeutete, war das Ergebnis der anderen Studie: Schadet nichts, nützt nichts.“

Björn Schumbrutzki ist Geschäftsführer bei Unicum, einem Unternehmen, das Schulkleidung und Werbeartikel verkauft. Warum das Thema Schuluniform in Deutschland so umstritten ist, liegt für Schumbrutzki auch an der Benennung: “Wird der Begriff ’Schuluniform‘ synonym zum Begriff ’Schulkleidung‘ verwendet, werden in den Köpfen gängige Klischees von Gleichmacherei, Zwang und Verlust von Individualität aktiviert.“ Der Begriff “Schulkleidung“ sei hingegen positiv konnotiert.

Nach der Einführung der luxuriösen Uniformen an der Grundschule in Japan wurden manche Schüler belästigt und bedrängt. Quelle: Yomiuri Shimbun/AP

Das verpflichtende Tragen von Schulkleidung an allen Schulformen hierzulande sieht Schumbrutzki nicht kommen. Was steige, sei die Nachfrage nach alltagstauglichen Artikeln mit Schullogo, etwa Sporttaschen, Beuteln, Regenschirmen. Auch Professor Dickhäuser zweifelt an einer flächendeckenden Einführung für Schuluniformen, glaubt aber, dass einzelne Schulen immer häufiger mit dem Experiment Schulkleidung spielen werden.

Ob es dann eine Designer-Uniform sein wird wie in Tokio? Wohl nur an sehr elitären Privatschulen. Über die auserwählte Armani-Uniform der Taimei-Grundschule in Japan kann Dickhäuser nur den Kopf schütteln. Dass die Schulkleidung dort freiwillig ist, spitzt die Lage für die Eltern nur zu.

“Mir ist es völlig rätselhaft, was man damit Positives bezwecken will, mal abgesehen davon, die Schule so ins Gespräch zu bringen“, wendet Dickhäuser ein. “Da baue ich natürlich genau die sozialen Hürden auf, die eigentlich durch Schulkleidung reduziert werden sollten.“

Von Andrea Mayer-Halm

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