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Welt „Die Politik versucht sich bei der Bildung durchzumogeln“
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08:00 12.10.2018
In Deutschland fehlt es an Lehrern. Bundesweit sei bis 2030 mit einem durchschnittlichen Einstellungsbedarf von knapp 32.000 Lehrern pro Jahr zu rechnen, wie die Kultusministerkonferenz errechnet hat. Quelle: imago/photothek
Berlin

In dieser nüchternen Zeit gibt es einen kleinen, eingeschworenen Kreis von Menschen, die noch immer an die Kunst der Zauberei glauben: Es handelt sich um die Kultusminister der Bundesländer. Sie denken offensichtlich, die Zahl der Lehrer ließe sich im Notfall auch durch kurzes Wirbeln mit einem magischen Stab erhöhen. Und dass Probleme im Bildungssystem vielleicht auch mit dem Zauberspruch „Hex, hex“ verschwinden.

Dass es in Deutschland Probleme durch Lehrermangel geben würde, war absehbar. Die Prognose, die von den Ministern für die Jahre bis 2030 nun vorgelegt wurde, ist einerseits geeignet aufzurütteln. Andererseits versuchen die Verantwortlichen in der Politik mittels der Zahlen schon wieder, der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen.

Aufrütteln können die Zahlen, weil die Minister ihre bisherigen Annahmen über den Bedarf an neuen Lehrern bis 2030 um Tausende nach oben korrigieren müssen – auf etwa 32.000 pro Jahr. Gleichzeitig gilt: Die errechnete Zahl von Hunderten fehlenden Bewerbern im Jahr bundesweit scheint angesichts der Erfahrungen vieler Eltern fast schon harmlos. Sie beruht aber allein auf den Angaben der Länder selbst. Und: Nur, weil sich mit Durchschnittswerten Probleme geschickt kleiner rechnen lassen, heißt das noch lange nicht, dass sie in vielen Schulen und Klassenräumen nicht gravierend wären.

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Ein genauer Blick legt die Probleme offen. Die Lehrer fehlen insbesondere dort, wo die Grundlagen für die gesamte Bildungskarriere gelegt werden: in den Grundschulen. Auch bei den Berufsschulen und den sonderpädagogischen Kräften gibt es große Engpässe. In den östlichen Ländern werden deutlich zu wenige Lehrer ausgebildet. Was aber nützt es Kindern in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt, dass in einigen westdeutschen Boom-Regionen die Probleme geringer sind? Und: Was hilft es Grundschülern, dass es für das Gymnasium mehr Absolventen als offene Stellen gibt?

Deutschland hat seit dem Pisa-Schock aufgeholt

Überhaupt ist das mit dem Stellenplan so eine Sache. Wer Stundenausfall in den Schulen wirklich vermeiden will, muss eine größere Reserve einplanen als bislang in der Regel üblich. Das kostet. Darüber hinaus gilt: Deutschland hat seit dem Pisa-Schock aus dem Jahr 2001 international zwar aufgeholt, aber nicht an die Spitze gefunden. Die deutsche Politik verfährt mit der Bildung noch viel zu oft wie ein Fußballtrainer, der sich denkt: „Wenn wir uns irgendwie mit 0:0 durchmogeln, dann reicht das schon.“

Was ist also zu tun? Es ist kein Naturgesetz, dass Deutschland im OECD-Durchschnitt noch immer unterdurchschnittlich in die Bildung investiert. Prioritäten lassen sich ändern. Das gilt für die führkindliche Bildung, die Deutschland weiter sträflich vernachlässigt. Es kann aber auch keinen Zweifel geben: Das Land braucht mehr Lehrer – und die benötigen mehr Unterstützung durch Psychologen und Sozialarbeiter an den Schulen. Dreh- und Angelpunkt des Bildungserfolgs ist ein guter Unterricht. Darauf müssen die Lehrer sich konzentrieren können. Nur so lässt sich Teufelskreis durchbrechen, dass in diesem Land Bildungserfolg noch immer eng an die soziale Herkunft gekoppelt ist.

Der Lehrerberuf muss attraktiv sein

Geld allein macht noch keine gute Bildungspolitik, aber es kann ein Schlüssel sein – in dem Sinn, dass sich mit einer guten Ausstattung an Lehrern auch moderne Konzepte besser umsetzen lassen. Bildungsforscher monieren immer wieder, dass es in Deutschland eine Unterrichtskultur in der Art gibt: „Tür zu – hier wird unterrichtet und niemand soll dabei zuschauen!“ In Ländern, deren Schüler beim Pisa-Test Spitzenwerte abliefern, wird oft viel mehr zusammengearbeitet.

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Der Lehrerberuf muss attraktiv sein – und zwar nicht in erster Linie für die, denen nach der eigenen Schulzeit nichts anderes einfällt, als hinter das Lehrerpult zu wechseln. Es geht darum, möglichst viele junge Menschen für den Beruf zu gewinnen, die etwas bewegen möchten. Das geht am besten, wenn sie das Gefühl haben, dass sie in den Schulen nicht nur Mangelverwalter sind. Sondern dass sie tatsächlich gestalten können.

Wer gute Schulen will, braucht keinen Zauberstab. Er braucht vor allen Weitblick – und den unbedingten Willen, das Mittelmaß zu verlassen.

Von Tobias Peter/RND

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