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Welt Deutsche Bank bringt Tochter DWS an die Börse
Mehr Welt Deutsche Bank bringt Tochter DWS an die Börse
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10:45 22.03.2018
Die Fondstochter DWS soll unabhängiger werden - und dem Mutterhaus gleichzeitig Geld einbringen. Quelle: dpa
Frankfurt

An diesem Freitag um 9 Uhr bringt die Deutsche Bank ihre Fondstochter DWS an die Börse. Das soll zum einen Geld in die Kasse spülen, zum anderen der Sparte neue Wachstumsimpulse bringen, vor allem auf dem immer wichtiger werdenden asiatischen Markt. Auch unterliegt die DWS dann nicht mehr den Vergütungsvorschriften der Deutschen Bank und kann Talente mit attraktiveren Gehältern locken.

Die Deutsche Bank selbst schraubte allerdings ihre Erwartungen in Sachen Emissionserlös herunter: Statt der zunächst insgeheim erhofften 2 Milliarden Euro Einnahmen beim Börsengang rechnet das Institut nun nur noch mit 1,2 Milliarden bis 1,8 Milliarden Euro. Nach drei Verlustjahren in Folge kann Deutschlands größte Bank die Summe gut gebrauchen.

30 bis 36 Euro pro Aktie

Zudem bringt die Deutsche Bank weniger Anteile an der Vermögensverwaltung an die Börse, als zunächst erwartet worden war. Statt 25 Prozent sollen es im ersten Schritt nur 20 Prozent sein – das entspricht 40 Millionen DWS-Aktien. Der Preis soll laut Deutscher Bank bei 30 bis 36 Euro pro Aktie liegen. Die beteiligten Banken kündigten den Investoren an, dass die Aktien zu einem Preis zwischen 32 und 33 Euro ausgegeben werden.

Die DWS ist als Fondsgesellschaft der Deutschen Bank bekannt – ähnlich wie die Dekabank der Sparkassen und Union Invest bei den Volks- und Raiffeisenbanken. Außerdem wurde dort die Vermögensverwaltung des Konzerns gebündelt. Insgesamt hat die DWS im Auftrag ihrer Kunden mehr als 700 Milliarden Euro angelegt und verdiente damit im vergangenen Jahr 725 Millionen Euro vor Steuern.

Besondere Rechtsform

Die Deutsche Bank behält nicht nur mit weitem Abstand die Aktienmehrheit an einem ihrer stabilsten Gewinnbringer, sondern sichert ihren Einfluss noch zusätzlich ab: Die DWS wird künftig als Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) firmieren. Das Besondere an dieser Rechtsform, die zum Beispiel börsennotierte Familienunternehmen wie Henkel nutzen: Wichtige strategische Entscheidungen treffen nicht alle Anteilseigner bei der Hauptversammlung, sondern die persönlich haftenden Gesellschafter – also im Fall der DWS die Deutsche Bank. Vorsitzender des DWS-Aufsichtsrats soll Deutsche-Bank-Vorstand Karl von Rohr werden.

„Mit einem Stimmenanteil von 75 Prozent hätte die Deutsche Bank bei der DWS auch weiterhin das Sagen“, monierte die Aktionärsvereinigung DSW im Vorfeld des Börsengangs. „Umso unverständlicher, dass man sich entschieden hat, das Unternehmen in der aktionärsunfreundlichen Form einer KGaA ... an den Markt zu bringen.“

Nippon Live wird Ankerinvestor

Im Börsenprospekt räumt selbst die Deutsche Bank ein: Der Umstand, „dass Anleger möglicherweise nicht mit der Rechtsform einer KGaA nach deutschem Recht vertraut sind“, könne sich „nachteilig auf den Marktpreis der Aktien der Gesellschaft auswirken“. Immerhin macht die Deutsche Bank das Zugeständnis, dass die DWS in eine normale AG umgewandelt wird, wenn der Anteil der Bank unter 40 Prozent sinkt.

Einige Großinvestoren schreckte die ungewöhnliche Rechtsform nicht ab: Der größte japanische Lebensversicherer Nippon Life wird als Ankerinvestor mit 5 Prozent bei der DWS einsteigen. Und der französische Vermögensverwalter Tikehau Capital will 250 Millionen Euro investieren und könnten sich so – je nach endgültigem Preis – 3 bis 4 Prozent an der DWS sichern.

Hohe Dividende

Das Investment könnte sich auszahlen, denn die Deutsche Bank verspricht hohe Dividenden: 65 bis 75 Prozent des Nettogewinns der DWS sollen an die Aktionäre ausgeschüttet werden – eine hohe Quote. Zudem gilt die DWS, die zu den fünf größten Vermögensverwaltern Europas gehört, als heißer Kandidat für einen Aufstieg in den MDax der mittelgroßen Werte.

Für Deutsche-Bank-Chef John Cryan wäre ein erfolgreicher Börsengang der DWS ein wichtiges Etappenziel. Bei der Hauptversammlung im Mai hätte der Brite nach drei Verlustjahren in Folge einen greifbaren Erfolg vorzuweisen. Zwei andere Baustellen sind aber noch nicht abgearbeitet: Die Eingliederung der Tochter Postbank läuft noch, die Trendwende im schwierigen Kapitalmarktgeschäft lässt auf sich warten. Auch sind nicht alle Rechtsstreitigkeiten aus der Zeit abgearbeitet, in der die Deutsche Bank das große Rad an den internationalen Kapitalmärkten drehte.

Von dpa/RND/stw