Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Welt Design für die Moderne: Faszination Art déco
Mehr Welt Design für die Moderne: Faszination Art déco
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 30.09.2018
Bis heute einzigartig: Damenschreibsekretär um 1925/27 aus Birkenholz und Rochenhaut mit intarsierten Elfenbeinfilets, innen Apfelholz, versilberte Beschläge, Bröhan-Museum, Berlin. Quelle: Martin Adam, Berlin
Berlin

Im Juwelengarten des Maharadschas fanden sie alle ein Zuhause: Die exquisitesten Designstücke der Art-déco-Ära. Der Palast “Manik Bagh“, auch Juwelengarten, im einstigen indischen Fürstenstaat Indore war ein sagenumwobenes Glanzlicht modernen Interieurs. Maharadscha Yeshwant Rao Holkar II und seine Maharani Sanyogita Devi galten im Europa der Zwanziger- und Dreißigerjahre als eines der elegantesten “It“-Pärchen. Starfotograf Man Ray setzte sie unter anderem in Szene.

Lange und viel wurde über die Pracht im Palast spekuliert, den die damals namhaftesten Designer ausstatteten: Eileen Gray, Jacques-Émile Ruhlmann, Le Corbusier, Louis Sognot und Charlotte Alix. Doch die Oberhand hatte ein Deutscher: Der Innenarchitekt Eckart Muthesius. Ihn hatte der Maharadscha Ende der Zwanzigerjahre mit der Neukonzeption seiner Residenz beauftragt.

Muthesius selbst entwarf Leuchten und eine extravagante Bar für das Anwesen. Sein Vater Hermann war Begründer des Deutschen Werkbunds. Die Bewegung der Werkbünde hatte sich zum Ziel gesetzt, alte Handwerkstradition zu pflegen und zugleich neue Wege in der Gestaltung zu gehen. Das Ergebnis war das Art-déco-Design als eine “neue Sachlichkeit“, die den verspielten Jugendstil endgültig ablösen sollte.

“It“-Paar seiner Zeit: Der Maharadscha Yeshwant Rao Holkar II und seine Verlobte Nancy Miller, die spätere Maharani Sanyogita Devi 1928 in Frankreich. Quelle: AP

Heute zählen die immer mal wieder auf Auktionen auftauchenden Möbel und Wohnaccessoires des Maharadschas zu den letzten Zeugnissen mondäner Wohnkultur aus dieser Zeit. Auf Flohmärkten und im Internet findet man allenfalls Imitate wertvoller Art-déco-Stücke: “Originale gibt es fast nur noch bei Auktionen und in Museen“, sagt Tobias Hoffmann, Direktor des Berliner Bröhan-Museums, das bedeutende Art-déco-Exponate unter seinem Dach vereint. Sie stammen vorwiegend aus Frankreich, der Wiege der dekorativen Kunst. Dort wurde 1925 auch der Begriff Art déco geprägt.

Während man sich im Deutschen Werkbund oder auch den Wiener Werkstätten ebenso wie beim aufkommenden Bauhaus und der niederländischen Strömung de Stijl bei Designfragen mit Kunststoff und Verchromungen eher dem Funktionalismus verschrieb, der auch soziale Komponenten berücksichtigte, suchte sich Frankreich mit einem auf reinen Luxus abzielenden Einrichtungsstil abzusetzen. “Die Zeit nach den dunklen Kriegsjahren war von optimistischem Zukunftswillen beflügelt – man traute sich was“, sagt Hoffmann über den kreativen Reichtum zwischen 1920 und 1935, in denen sich mehrere Designströmungen parallel entwickelten.

Fast jedes Möbel ein Unikat

In Deutschland gab es einen nach Ansicht Hoffmanns eher “pausbäckigen Volks-Art-déco-Stil“. Wobei Bröhan-Exponate wie das silberne Tee-Service von Karl Heubler mit seinem fantastischen Formenspiel es durchaus mit dem luxuriösen französischen Art déco aufnehmen konnten. Bei der Gestaltung bevorzugten die Franzosen exquisite Materialien wie Tropenhölzer, Elfenbein, Schildpatt, Haifischhaut, Marmor und Gold. Fast jedes Möbel war ein Unikat, das als Blickfang im Zimmer eine überladene Einrichtung nicht nur überflüssig, sondern auch unmodern erscheinen ließ.

Bei allem Erneuerungswillen waren die Edelausführungen jedoch auch ein Versuch, die aktuellen Umbrüche zu ignorieren. In der Formgebung huldigte man mit den klaren Linien der Antike, und auf industriell gefertigte Produkte blickte man von oben herab.

Kaffee- und Teeservice, vor 1933, Karl Heubler oder Klasse Heubler, Berlin, Silber, Holz, Bröhan-Museum, Berlin. Quelle: Martin Adam, Berlin

Wie elitär der einem Maharadscha würdige Einrichtungsstil des französischen Art déco war, brachte kaum jemand besser zum Ausdruck als Jacques-Émile Ruhlmann, einer der prominentesten Vertreter des Art déco: “Die große Industrie kann für die mechanische Herstellung geeignete Modelle ausprobieren. Aber diese Modelle werden die Kunden der Elite nicht zufrieden stellen. Diese möchten sich unterscheiden. Sie möchten der Ausgestaltung ihres Lebens einen einzigartigen Eindruck geben.“

Einzigartig sind die Entwürfe von Ruhlmann und Co. bis heute. Sie werden aufgrund ihrer aufwendigen Gestaltung nicht mehr hergestellt. Die Möbel derjenigen dagegen, die das Art-déco-Design weiter entwickelten und auch den industriellen Fertigungsmöglichkeiten offen gegenüber standen, zählen heute noch zu Klassikern der Inneneinrichtung: Eileen Grays gläserner “E1027 Adjustable Table“ von 1927 etwa oder Le Corbusiers Liege LC4 aus dem Jahr 1928 gibt es als lizensierte Neuauflagen immer noch zu kaufen.

Steigendes Interesse am Einrichtungsstil der zwanziger Jahre

Diese “Maschine der Entspannung“, wie Le Corbusier seine berühmte Chaiselongue aus Leder und Stahlrohr einst nannte, hätte Hoffmann gern als Original für sein Museum. Doch selbst für Aussteller sei es eng auf dem Markt, an Stücke aus den zwanziger Jahren heranzukommen. Mehr denn je seien Möbel oder auch Geschirr und Vasen aus jener Zeit heute begehrte Sammlerobjekte, sagt Hoffmann. Er sieht ein steigendes Interesse auch bei jüngeren Generationen am Einrichtungsstil der zwanziger Jahre.

Wer sich ein echtes Art-déco-Stück für zu Hause leisten will, muss tief in die Tasche greifen. Auktionshäuser wie Christie‘s oder Sotheby‘s versteigern selbst Parfümflakons zu hohen fünfstelligen Beträgen. Und sogar Ruhlmanns wohl einziger Misserfolg erzielte vor ein paar Jahren bei einer Auktion immerhin 2,9 Millionen Euro: Die “Chaiselongue Maharadscha“, ein Sofa aus Lack und Chrom, das auf ein paar Skiern steht, war dem Maharadscha einst offenbar dann doch zu einzigartig. Er wollte es Ruhlmann, der es 1929 exklusiv für ihn entworfen hatte, jedenfalls nicht abkaufen.

Von Kerstin Hergt

Die im Jahr 1926 von der österreichischen Architektin Margarete Schütte-Lihotzky entworfene Frankfurter Küche revolutionierte die Arbeit am Herd. Vom „Labor der Hausfrau“ profitieren wir bis heute – das Modell gilt als Prototyp der modernen Einbauküche.

30.09.2018

Ein Auto gerät auf einer Fähre ins Rollen, der Fahrer versucht laut Zeugenberichten noch, das Auto zu stoppen – allerdings ohne Erfolg. Das Auto durchbricht eine Schranke und stürzt in den Neckar. Beide Insassen sterben bei dem Fährunglück am Samstagabend.

30.09.2018

Tesla-Chef Elon Musk hat die Kraftprobe mit der US-Börsenaufsicht abgewendet. Wegen irreführender Tweets über die Zukunft des Elektroautobauers an der Börse tritt er nun als Verwaltungsratschef zurück. Das US-Justizministerium setzt die Untersuchungen gegen Musk aber fort.

30.09.2018