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Welt Das „Echo“ verhallt
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18:53 25.04.2018
Der „Echo“ soll abgeschafft werden Quelle: dpa
Berlin

Das Echo der diesjährigen Echo-Preisverleihung war lang: Fast täglich gaben neue Musiker wie Westernhagen oder Daniel Barenboim ihre Statue zurück. Andere fühlten sich genötigt zu erklären, weshalb sie ihren Echo behalten wollen. Die Auszeichnung des Rapperduos Kollegah und Farid Bang hatte eine Welle der Empörung ausgelöst, weil in den Texten des Albums „Jung, Brutal, Gutaussehend 3“ Formulierungen wie „mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ oder „Mache wieder mal ‚nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow“ vorkommen. Ob antisemitisches Bekenntnis oder gedankenlose Provokation: Viele Kritiker hielten diese Form der Holocaust-Anspielung nicht für preiswürdig. Unter anderem wurde Strafanzeige wegen Volksverhetzung gegen die beiden Rapper gestellt.

Der Bundesverband Musikindustrie zog nun die Konsequenzen aus der Affäre. Am Mittwoch erklärte die Institution, die Marke Echo sei „so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang“ notwendig werde. Das sei auf einer außerordentlichen Vorstandssitzung beschlossen worden. Auf der Homepage heißt es: „Man wolle keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird.“ Zwar lautet der erste Satz der Erklärung: „Den Echo wird es nicht mehr geben.“ Erste Eilmeldungen titelten dann auch, der Musikpreis werde abgeschafft. Auch bei Wikipedia wurde gleich die Vergangenheitsform eingeführt: „Der Echo war ein deutscher Musikpreis.“ So ganz stimmt das nicht. Vielmehr werden die drei Preise für Klassik, Jazz und Pop zusammengeführt und die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe überarbeitet.

Pop-Auszeichnung soll sich nach Jury-Entscheidung richten

Der in Verruf geratene Pop-Zweig soll sich dabei an den beiden andren Genres orientieren, bei denen auch bislang schon die Jury-Entscheidung im Vordergrund stand. Damit geht der Bundesverband auf eine zentrale Forderung seiner Kritiker ein, die den Markterfolg als einziges Bewertungskriterium für die Echo-Nominierung geißelten. Im Juni soll es einen Workshop zum Thema geben, um Details zu planen. Vorab werden am 31. Mai „in kleinerem Kreis ohne TV-Inszenierung“ die Jazz-Preise vergeben. Der Verband betont, dass die Künstler und die Musik im Fokus stehen sollen. Aus den phrasenhaften Formulierungen lässt sich der verzweifelte Versuch herauslesen, aus der Schusslinie zu geraten.

In den Sozialen Netzwerken wurde mit Häme auf die Nachricht reagiert. „Echo gibt sich selbst zurück“, lautete ein Tweet. Die Satireredaktion von „extra 3“ twitterte: „Der #Echo wird abgeschafft. Dafür haben #Kollegah und #FaridBang den Echo dann wirklich verdient.“

Der Echo war schon lange vor dem aktuellen Skandal am Ende, die Quote in den letzten zwei Jahren mäßig. Ob der Preis unter neuen Vorzeichen eine Zukunft hat? Das ist auch deshalb fraglich, weil die Neuerfindung schon einmal misslang: 2013 hatte eine Echo-Nominierung für Frei.Wild für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Der Südtiroler Band wird von Kritikern vorgeworfen, rechtsextremistische Motive zu verbreiten. Das Versagen des damals eigens eingerichteten Ethikbeirats zeigte sich schon drei Jahre später, als Frei.Wild doch noch mit einem Echo nach Hause ging. Allerdings entzündete sich auch schon an einem anderen deutschen Preis eine Debatte darüber, inwiefern neben der Kunst auch die Haltung des Künstlers eine Rolle bei der Nominierung spielen sollte: 2011 gab es einen Proteststurm, als der für frauenfeindliche und homophobe Liedtexte bekannte Rapper Bushido mit dem Integrations-Bambi ausgezeichnet wurde.

Die Debatte kam sehr spät. Deutsche Rap-Musik erreicht mit 300 Millionen Spotify-Abrufen im Jahr ein Millionenpublikum. Wie hier nicht nur in den Songtexten von Kollegah und Farid Bang antisemitische Stereotype transportiert werden, hatte bislang kaum jemanden interessiert. „Das Menetekel bleibt, dass eine Gesellschaft bereit zu sein scheint, solche Verletzung von Achtung und Respekt vor allen Menschen zu akzeptieren“, sagte die Pianistin Yaara Tal, fünffache Echo-Preisträgerin und Tochter von Holocaust-Überlenden, jüngst in einem Interview.

Man müsste nun all die zurückgegebenen Echo-Statuen einschmelzen und daraus ein neues Kunstwerk schmieden. Das wäre eine schöne Erinnerung daran, genau auf die Worte zu lauschen. Auch wenn das Echo verhallt ist.

Hier geht es zum Kommentar zum Thema.

Von Nina May/RND/mkr

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