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Welt „Nicht das Death Valley tötet die Menschen, sondern der Leichtsinn“
Mehr Welt „Nicht das Death Valley tötet die Menschen, sondern der Leichtsinn“
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15:19 24.09.2018
117 Grad Fahrenheit sind umgerechnet 47 Grad Celsius: Temperaturen, bei denen Park Ranger Patrick Taylor regelmäßig arbeitet. Quelle: Wagner
Death Valley

Der Park Ranger Patrick Taylor spricht darüber, wie es ist, bei 47 Grad im Schatten im Death Valley in Kalifornien zu arbeiten.

Sie leben am heißesten Ort dieses Planeten, dem Death Valley. Wie heiß kann es da werden?

Im Death Valley wurde 1913 tatsächlich die heißeste Temperatur gemessen, die es jemals gab: 134 Grad Fahrenheit (56,7 Grad Celsius). 2012 wurde dann die wärmste Nacht gemessen: 107 Grad Fahrenheit (41,7 Grad Celsius). Es gibt Berichte von 1913, dass damals tatsächlich Vögel tot vom Himmel gefallen sein sollen, so heiß war es.

Warum ist es gerade im Death Valley so heiß?

Hier ist die tiefste Stelle der USA, knapp 86 Meter unter dem Meeresspiegel. Dazu gibt es mehrere Bergketten, an denen sich die warme Luft vom Pazifik abgeregnet hat, so dass kaum Feuchtigkeit hierher gelangt. Es gibt kaum Vegetation, die die Hitze absorbieren könnte und das Tal ist lang und schmal. Dies verhindert, dass es gut von der Luft durchströmt werden kann.

Was war der heißeste Tag, den Sie selbst im Death Valley miterlebt haben?

Ich arbeite seit fünf Jahren hier, einmal hatten wir einen Tag mit 53 Grad Celsius im Schatten. Temperaturen um die 50 Grad messen wir eigentlich jedes Jahr im Sommer, meist an drei bis vier Tagen hintereinander. Da wollen Sie wirklich nicht viel im Freien unternehmen. Bei den Sanddünen hier im Park haben wir mal unmittelbar über dem Sand 93 Grad gemessen.

Wie verhält man sich am besten, wenn es so heiß ist?

In klimatisierten Räumen bleiben, also dem Hotelzimmer, dem Besucherzentrum, im Auto mit Klimaanlage. Wir tragen auch meistens lange Hosen und Hemden, dazu breitkrempige Hüte. Und natürlich trinken, trinken, trinken. Wir empfehlen, dass man für jede Person mindestens sieben bis acht Liter Wasser im Auto mit sich führt. Auch bei kurzen Wanderungen sollte man mindestens drei bis vier Liter Flüssigkeit bei sich haben. Aber wir haben dennoch jedes Jahr viele Fälle, in denen Besucher mit einer Coladose in der Hand um die Mittagszeit herumlaufen und dann ein paar Hundert Meter von ihren Autos entfernt nicht mehr weiter können.

Das kann tödlich enden. Vor vier Jahren starb der Schauspieler Dave Legeno beim Wandern hier an einem Hitzschlag, er spielte die Rolle eines Werwolfs in den Harry-Potter-Verfilmungen.

Wenn wir Hitzeopfern helfen müssen, reicht das von kurzen Behandlungen, mit denen wir den Menschen Wasser und Kühle verschaffen, bis zu Hubschrauber-Evakuierungen bei Hitzschlägen, mit Infusionen und Krankenhausaufenthalten. Häufig sind die Besucher nur dehydriert, sie schaffen es schlichtweg nicht, genug zu trinken. Leider sterben auch jedes Jahr Menschen. Ich muss allerdings sagen, dass die meisten, die sterben, bereits mit gesundheitlichen Vorbedingungen wie Herzproblemen hierher kamen. Oft ist es nicht das Death Valley, das tötet, sondern der Leichtsinn.

Wie erkennt man einen Hitzschlag?

Ist man zu lange der Hitze ausgesetzt, versagt das Kühlsystem des Körpers, die Körpertemperatur steigt auf über 40 Grad. Das Resultat sind Schwindelgefühle, Übelkeit, Muskelkrämpfe, Kopfschmerzen. Das Opfer kann keine klaren Sätze mehr formen, nicht mehr klar denken und beginnt irrational zu handeln, zum Beispiel die Kleider vom Körper zu reißen oder mit dem Laufen zu beginnen. Wenn der Körper die Schweißproduktion einstellt, ist das ein sehr schlechtes Zeichen. Es folgen schwere innere Krämpfe, oft ein Koma.

Ist es nicht komisch, sein Leben an einem Ort zu verbringen, der Tal des Todes heißt?

So habe ich das noch gar nicht betrachtet. Mir gefällt es hier im Death Valley, vor allem in den Wintermonaten. Im Sommer ist es natürlich hart. Wenn Arbeiter körperlich tätig sind, müssen sie nach zehn Minuten Pause machen, eine halbe Stunde in den Schatten gehen oder in ein Fahrzeug mit Klimaanlage. Im Sommer verbringen wir Ranger die meiste Freizeit in Gebäuden. Wir sind dann richtige Couch Potatoes, lesen Bücher, gucken fern. Manche gehen joggen, aber wenn dann nur in den Stunden vor Sonnenaufgang. Es gibt ein paar Pools, die sind natürlich sehr populär bei uns. Bricht allerdings irgendwo ein Feuer aus, pumpt die Feuerwehr das Poolwasser ab, um es zum Löschen zu verwenden. Das Trinkwasser aus den Wasserleitungen ist übrigens auch niemals kalt, die Wasserleitungen verlaufen nicht tief genug unter der Erde.

Eigentlich verwunderlich, dass Sie überhaupt Besucher im Sommer haben.

Finde ich auch. Es gibt Tausende Menschen, die um die halbe Welt reisen, um die Hitze im Death Valley am eigenen Leib zu erfahren. Die meisten kommen aus Asien und Europa. Vor allem viele Deutsche und Franzosen. Es ist gerade diese extreme Landschaft und die extremen Temperaturen, die Touristen anlocken. Wir nennen die Sommermonate auch „European Season“, die Europa-Saison. Das große Thermometer, das wir am Besucherzentrum aufgestellt haben, ist übrigens das meistfotografierte Motiv in Death Valley. Jeder will dokumentieren, dass er sich tatsächlich in dieser Hitze aufgehalten hat.

Stimmt es, dass man im Death Valley Eier auf dem Boden braten kann?

Klar, es gibt viele Besucher, die mit Pfannen und Eiern ankommen, um sich ein Ei zu braten. Ein paar Kollegen im Besucherzentrum machen manchmal „Dashboard Cookies“ oder „Dashboard Pizza“, also Plätzchen oder Pizza, die sie auf einem Blech backen, das sie im Auto vorne auf das Armaturenbrett unter die Windschutzscheibe gelegt haben. Geht gut und schmeckt prima. Ich persönlich benutze lieber einen Herd.

Von Stefan Wagner

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