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Welt Das sind die „Omas gegen Rechts“
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01:31 24.11.2018
Omas gegen Rechts: Andrea Herzog und Dörte Schnell. Quelle: Michael Rauhe
Hamburg

Wie sie da sitzen, mit Handys, iPad und dem „Oma-gegen-Rechts“-Sticker am Revers, vermitteln Andrea Herzog und Dörte Schnell überhaupt nicht den Eindruck klassischer Großmütter. Nur das Umfeld passt: die 90 Jahre alte Kneipe Nagel am Hamburger Hauptbahnhof, in der die beiden von ihrer Protestbewegung erzählen, die immer mehr Zulauf kriegt.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative im November 2017 in Österreich, wo sie bislang mehr als 3300 Mitglieder hat. In Deutschland schlossen sich die ersten „Omas gegen Rechts“ im Januar 2018 zusammen. Mittlerweile gibt es 27 Städte-Gruppen (im Oktober waren es noch 18) mit 1300 Anhängern.

Die Hamburger Gruppe gibt es seit Februar. Sie wurde hier, im Nagel gegründet. Von Dörte Schnell, 63, die als Sozialarbeiterin in einer Stadtteilschule tätig ist. Und von Andrea Herzog, 66, die erst als Lehrerin, dann in einem Hörbuch-Verlag gearbeitet hat und jetzt Deutsch für Geflüchtete und Ausländer unterrichtet. „Am Anfang waren wir zu viert, jetzt hat unsere Facebook-Gruppe mehr als 125 Mitglieder, von denen etwa 30 aktiv zu Demos gehen“, sagen sie stolz. Mit bewusst in Schwarz-Weiß gehaltenen Plakaten („Farben werden von Parteien für sich beansprucht“) stehen sie und die anderen Omas dann unverzagt zwischen den Lagern aus Rechten und Linken: bei jeder „Merkel-muss-weg-Demo“ in Hamburg, aber auch bei Großdemonstrationen wie „Berlin gegen Nazis“ Mitte Oktober.

„Dass nicht nur jugendliche Antifas gegen die Rechten demonstrieren, hat am Anfang viele verwundert“, sagen sie. „Jetzt hat man sich daran gewöhnt, dass wir zwar alt sind, aber nicht stumm.“ Weil die Omas zwar resolut, aber vertrauenswürdig und friedlich sind, schießen sich ihrer Gruppe oft andere Demonstranten, meist Frauen an: „Bei uns fühlen sie sich sicher.“

Was die Initiative für ihresgleichen interessant macht, wissen Schnell und Herzog genau. „Plötzlich sind da ähnlich denkende Menschen vor Ort, denen man sich frei nach dem Motto ,Runter vom Sofa und mitmachen’ anschießen kann.“ Weil die „Omas gegen Rechts“ unterschiedliche Internetkompetenz haben, werden verschiedene Informationskanäle bedient: Facebook, WhatsApp oder Email. Und weil trotzdem auch der persönliche Austausch wichtig ist, trifft man sich regelmäßig im Nagel, wo der Kellner Dörte Schnell und Andrea Herzog auch heute wie alte Bekannte mit Handschlag begrüßt.

Neben der Atmosphäre ist aber vor allem die zentrale Lage entscheidend: „Wir kommen aus allen Himmelsrichtungen“, sagt Andrea Herzog. Sie lebt in Ottensen, Dörte Schnell seit einigen Jahren im Hamburger Umland. Wo genau, möchte sie nicht verraten. „Es wurden schon Omas bedroht“, sagt sie. Die Hamburger Gruppe etwa sei von einem AfD-Funktionär mit unflätigen Bemerkungen bedacht worden.

Doch abhalten lassen sie sich dadurch nicht. Und als Altachtundsechziger wissen sie noch genau, wie Aufstand funktioniert. Vor allem Andrea Herzog, die aus der DDR stammt und in Schwaben aufwuchs, hat sich nie einschüchtern lassen. „Ich hatte als junge Frau viel mit den Oppositionellen in der DDR zu tun, habe Rolling-Stones-Platten und Manuskripte über die Grenze geschmuggelt und in den 90er-Jahren, als ich über einen Klassenkameraden meines Sohnes Kriegsflüchtlinge aus dem Balkan kennengelernt habe, eine Hilfsinitiative für sie gegründet“, so die resolute Frau, die ihr braunes Haar mittelkurz trägt und mit neugierigen Augen durch eine rot-gerahmte Brille blickt. Weil sie selber ein Kind von Flüchtlingen war, liegen ihr diese besonders am Herzen. „Wie war ich begeistert über die große Hilfsbereitschaft der Deutschen 2015“, sagt sie. „Und wie erschüttert, dass diese sich bei vielen in blanken Rassismus umgekehrt hat.“

Bei der ersten Aktion der Hamburger „Omas gegen Rechts“ – der Teilnahme am Ostermarsch – hat sie dennoch gefehlt. „Da war ich auf Studienreise in Jerusalem, wo wegen der Gaza-Proteste auch viel los war“, sagt sie. Dörte Schnell aber war dabei, mit 15 anderen Frauen. „Viele von ihnen waren das erste Mal in ihrem Leben auf einer Demo und haben sich nur, um mit uns Kontakt aufzunehmen, bei Facebook angemeldet“, sagt die 63-jährige mit den kurzen weißen Locken.

Der Rechtsruck in der Gesellschaft rufe viele auf den Plan. „Wir möchten uns nicht von unseren Enkeln fragen lassen, warum wir nichts getan haben“, betont sie, und spielt damit auf die Diskussionen an, die sie mit ihren Eltern im puncto Nationalsozialismus geführt hat. „Außerdem haben wir viel zu verteidigen“, fügt sie hinzu. „Wir haben miterlebt, wie unsere Gesellschaft immer offener und freier wurde – wie der Paragraf 218 und das Kuppeleigesetz abgeschafft wurden, Frauen wählen und ohne die Erlaubnis ihrer Männer arbeiten und ein Konto eröffnen durften.“

Vornehmlich aber protestieren die Omas gegen Rechtspopulisten, die AfD und Pegida. „Es ist empörend, wie dreist dort die Ängste der Menschen geschürt werden, um sie lenkbar zu machen“, sagt Andrea Herzog. Und: Nachdem Themen wie Rassismus, Antisemitismus und Ausgrenzung jahrzehntelang verpönt gewesen waren, habe die AfD es geschafft, sie wieder populär zu machen. „Lange hat sich niemand getraut, rassistisch zu sein. Jetzt ist es wieder salonfähig.“

Das wollen immer mehr Menschen nicht mehr hinnehmen – nicht nur Frauen, und nicht nur Ältere. Etwa acht Prozent der Hamburger „Omas gegen Rechts“ sind Männer, deutschlandweit sind es 22 Prozent. Auch immer mehr Kinder und Enkel marschieren mit. Auch das überrascht Dörte Schnell und Andrea Herzog nicht. „Wir Omas“, sagen sie, „haben eben Vorbildfunktion.“

Von Friederike Ulrich

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