Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Welt Brinkhaus’ Ausflug zur Bundeswehr
Mehr Welt Brinkhaus’ Ausflug zur Bundeswehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:40 02.10.2018
Ralph Brinkhaus, Fraktionsvorsitzender der Union, wird auf einem Truppenübungsplatz im brandenburgischen Lehnin von einem Soldaten begrüßt. Quelle: Ralf Hirschberger/dpa
Brück

Der neue Chef will lieber die gelben Ohrstöpsel. Keine Lärmschutzkopfhörer. „Bei meiner Frisur sehen die Mickey Mäuse komisch aus“, sagt Ralph Brinkhaus und grinst. Sein Schädel ist kahl bis auf einen dünnen Haarkranz.

Brinkhaus ist der neue Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion. Vor einer Woche hat der 50-jährige Westfale den 69-jährigen Volker Kauder in einer Stichwahl aus dem Amt gehebelt. Es war eine kleine Revolution: Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte ihren Vertrauten Kauder gestützt. Brinkhaus will für Aufbruch stehen in der CDU, in der sich Unruhe und Ungeduld breit machen nach all den vielen Jahren mit Merkel an der Spitze. Eine labile Lage, lieber also keine Mickey-Maus-Anwandlungen für den neuen starken Mann in der Partei. Zumindest nicht, wenn Fernsehkameras dabei sind.

Und die sind da. Brinkhaus, der bisherige Haushaltsexperte, hat die Nacht über in seiner ersten Koalitionsrunde gesessen und über Dieselautos und Fachkräfte-Zuwanderung verhandelt. Nun absolviert er seinen ersten Termin außerhalb des Berliner Politikbetriebs. Er ist dafür ein paar Dutzend Kilometer nach Brandenburg hineingefahren, zur Fläming-Kaserne, einem Schießplatz der Bundeswehr südlich der Hauptstadt. Ihm steht nun eine Limousine mit Fahrer zu, mit dem Kennzeichen B-FV für „Fraktionsvorsitzender“. Die Kommandeurin begrüßt zwischen Kantine und zwei Panzerdenkmälern. „Jetzt ein Eis“ steht auf einem Schild vor der Kantine. Aus der Ferne ist Schusslärm zu hören.

„Hallo, hi“, sagt Brinkhaus mit tiefer lauter Stimme. „Lieber noch ein Jäckchen“, sagt die örtliche Bundestagsabgeordnete. „Ein Jäckchen, ja“, antwortet Brinkhaus. „Mein erster Ausseneinsatz“, sagt er weiter und lächelt vergnügt. „Eine schöne Sache.“ Die Kommandeurin fährt ihn mit dem Jeep ein paar Hundert Meter weiter Richtung Schusslärm. „Kommandantur“ steht auf einem Schild auf der Kühlerhaube. Für die Rückfahrt wählt er mal lieber den Mannschaftsbus.

„Bei der Bundeswehr Flexibilität gelernt“

Aber vorher muss er noch auf die Schießbahn. Auf weiten sandigen Feldern stehen Kiefern, ein bisschen Heidekraut und Schiess-Scheiben. Soldaten in Kampfanzug stehen in Gruppen mit Gewehren auf ihren Übungsdurchlauf. Ihre grünen Helme sind zusätzlich mit groben Flicken versehen. Brinkhaus ist im dunklen Anzug gekommen. Die Gewehre schießen gut, bestätigt der Ausbilder. „Ja, super“, sagt Brinkhaus und wirkt wirklich erfreut. Er winkt den Soldaten. „Dann müssen Sie ihre Handschuhe nicht ausziehen“, sagt er.

Er ist selbst Anfang der 90er Jahre beim Militär gewesen, zwölf Monate lang. Damals gab es noch die Wehrpflicht. Brinkhaus sagt, er habe dabei „gelernt, mich auf Situationen einzulassen, die ich noch nicht kannte“. Zufällig oder auch gar nicht so zufällig passt das gut zu seiner Lage als neuer Fraktionschef. Und auch die Terminwahl gibt es eine Erklärung. Anerkennung solle das sein für die Soldaten und auch „ein politisches Signal“. Die innere und äußere Sicherheit werde für die Fraktion in den nächsten Jahren „einer der Schwerpunkte unserer Arbeit“ sein. Es ist eine ziemlich einfache Antwort auf eine Sehnsucht in den Unionsparteien, die es gibt, obwohl sie seit Jahren die Innen- und Verteidigungsminister gestellt haben. Brinkhaus verlässt die Parteilinie hier nicht: Er fordert mehr Geld für den Wehretat. Für die allgemeine Dienstpflicht, die aus der Union ins Gespräch gebracht wurde, zeigt er „Sympathie“, legt sich aber nicht fest. Schließlich gebe es noch rechtliche Bedenken.

Und dann geht es doch noch kurz über die Koalitionsrunde in der Nacht. Er habe nur zweieinhalb Stunden geschlafen, erzählt Brinkhaus. Aber jetzt freue er sich schon auf die nächste Runde. „Ich komme wieder“, sagt er und lacht wie befreit.

Von Daniela Vates/RND

Wie man eine Niederlage zum Erfolg erklärt: Trotz des gescheiterten Referendums zum Namenswechsel sieht sich die Regierung in Mazedonien in ihrem West-Kurs bestätigt. Das Land taumelt in eine neue Krise.

02.10.2018

Der Volkswagen-Konzern entlässt Audi-Chef Rupert Stadler. Stadler scheide mit sofortiger Wirkung aus den Vorständen von VW und Audi aus, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur. Für Stadler wird der Schritt teuer.

02.10.2018

Etwa 45 Milliarden Euro soll das Vermögen des verstorbenen Ikea-Gründers Ingvar Kamprad umfasst haben. Seine Kinder erben aber nur einen kleinen Teil davon, wie sich jetzt herausstellte.

02.10.2018