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Welt Berlinale: Die neue Internationale
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18:01 22.06.2018
Doppelspitze: Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek. Quelle: Foto: imago
Hannover

Am Ende war es doch noch zumindest eine halbe Überraschung: Die bisherige German-Films-Chefin Mariette Rissenbeek soll die Berlinale zusammen mit Carlo Chatrian in eine neue Zeit führen. Die Entscheidung für den Italiener Chatrian (Jahrgang 1971) als künstlerischen Direktor, bislang verantwortlich fürs Festival Locarno, war schon vorab durchgesickert. Die Niederländerin Rissenbeek (Jahrgang 1956), noch zuständig für die Vermarktung des deutschen Films im Ausland, hatte dagegen wohl kaum jemand auf der Liste als künftige Berlinale-Geschäftsführerin.

Wie auch? Rissenbeek saß schließlich selbst in der von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gebildeten Auswahlkommission für die beiden wohl wichtigsten Kulturposten, die aktuell zu vergeben sind in diesem Land. Das könnte manchem sauer aufstoßen. Grütters selbst hatte Rissenbeek demnach gebeten, sich als „profunde Kennerin der internationalen Filmszene“ zu bewerben. „Wir wollten auf die Beste einfach nicht verzichten, nur weil sie in der Findungskommission war“, so die Staatsministerin.

Auftrag: Champions League

Nachvollziehen lässt sich die vom Aufsichtsrat der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin (KBB) abgesegnete Wahl: Vermieden werden sollte offenbar, eine Kandidatin ins Rennen zu schicken, der zu viel Stallgeruch der deutschen Filmförderung anhaftet und die deshalb nicht für den vehement geforderten Neuaufbruch nach der Ära Dieter Kosslick steht. Internationale Erfahrung ist tatsächlich kein schlechtes Qualitätsmerkmal in der harten Konkurrenz der Filmfestivals zwischen Cannes und Toronto.

„Mit dem neuen Führungstandem behält die Berlinale - unter sich verändernden Bedingungen des Filmschaffens - ihren Platz in der Champions League, den sie sich unter Dieter Kosslick erarbeitet hat“, so Grütters. Kosslick trat sein Amt 2001 an und bestreitet im Februar 2019 seine letzte Berlinale. Dann übernimmt die Doppelspitze, die bei anderen Festivals längst üblich ist. Die beiden Neuen erhalten Verträge mit einer fünfjährigen Laufzeit.

Chatrian und Rissenbeek müssen jetzt den Spagat zwischen anspruchsvollem Programm und Publikumsorientierung hinbekommen. Dieses Kunststück war Kosslick zuletzt immer schwerer gefallen. Denn auch wenn es bei ihm stets so wirkte: Ein entspanntes Plätzchen ist der rote Berlinale-Teppich nicht.

Von Stefan Stosch / RND

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