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Welt Bericht: Weniger DDR-Grenztote als gedacht
Mehr Welt Bericht: Weniger DDR-Grenztote als gedacht
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15:18 06.11.2018
Eine Besucherin geht am einstigen Abschnitt der innnerdeutschen Grenze nahe der sachsen-anhaltischen Gemeinde Sorge am Signalzaun entlang (Archivfoto). Quelle: Matthias Bein dpa/lah
Berlin

Die Zahl der DDR-Grenztoten muss einem Medienbericht zufolge nach unten korrigiert werden. Wie der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) am Dienstag berichtete, gibt es Zweifel an einer von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) geförderten Studie des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin. Die vielbeachtete Untersuchung war 2017 veröffentlicht worden und hatte insgesamt 327 „Todesopfer des DDR-Grenzregimes an der innerdeutschen Grenze“ zwischen 1949 und 1989 festgestellt. Seitdem galt diese Zahl als offizielle Opferzahl des DDR-Grenzregimes.

Laut RBB müssen mindestens 50 Opferfälle angezweifelt werden. So seien teilweise Täter zu Opfern gemacht worden, heißt es in dem Bericht. Unter anderem zähle die Studie auch Offiziere, die Suizid begangen haben, als Todesopfer des DDR-Grenzregimes. Den Angaben zufolge war der RBB bei einer investigativen Recherche auf die Ungereimtheiten in der Studie gestoßen.

„Verhöhnung der Opfer“

Der Historiker und Vertreter der Union der Opferverbände, Christian Sachse, teilte die Recherche-Ergebnisse des RBB. „Wenn Täter zu Opfern gemacht werden, dann ist das eine Verhöhnung der Opfer“, sagte Sachse. Zudem bestätigte er Hinweise auf Manipulation, es gebe an „vielen Stellen Lyrik“, erklärte der Historiker.

Die Forscher verteidigten dagegen die Studie. „Wir haben das so formuliert nach gutem Denken und Überlegen, wie wir mit solchen Biografien umgehen“, sagte Politikwissenschaftler Jochen Staadt dem Sender. An der Studie hatte auch der Politikwissenschaftler Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat mitgearbeitet.

Autoren verteidigen ihre Studie

Kulturstaatsministerin Grütters zeigte sich alarmiert. „Wenn es jetzt berechtigte Zweifel gibt, dann werde ich dem sofort nachgehen“, sagte sie dem RBB. Grütters Amtsvorgänger Bernd Neumann (CDU) hatte den Angaben zufolge 2012 die 650.000 Euro teure Untersuchung in Auftrag gegeben.

Fragwürdig sei etwa der Umgang der Studie mit dem Fall Hans S., einem hochrangigen Major aus Brandenburg, der sich 1988 nach einem Dienstgespräch selbst erschoss, berichtete der RBB weiter. Aus den Akten gehe hervor, dass Hans S. seit Jahren ein Alkoholproblem gehabt habe. Deshalb habe es auch berufliche Verfehlungen gegeben. In der Studie des Forschungsverbundes SED-Staat werde Hans S. aber zum „Todesopfer des DDR-Grenzregimes“, obwohl er selbst Täter gewesen sei. So habe er 17 Jahre für die Staatssicherheit gearbeitet, meldete der RBB.

Haben Sie Suizidgedanken? Dann wenden Sie sich bitte an folgende Rufnummern: Telefon-Hotline (kostenfrei, 24 h), auch Auskunft über lokale Hilfsdienste: 0800 – 111 0 111 (ev.) 0800 – 111 0 222 (rk.) 0800 – 111 0 333 (für Kinder / Jugendliche) Email: unter www.telefonseelsorge.de

Von RND/epd

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