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Welt „Babylon Berlin“-Autor lässt Romanhelden Gereon Rath rechten Arm heben
Mehr Welt „Babylon Berlin“-Autor lässt Romanhelden Gereon Rath rechten Arm heben
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09:43 01.11.2018
Nebulös: Gereon Rath (Volker Bruch) bei einer Beschattung am Bahnhof Friedrichstraße. Quelle: ARD Degeto/X-Filme/Beta Film/Sky
Berlin

Gereon Rath ist gescheitert. Sein halbherziges Durchwursteln, sein unpolitisches Desinteresse an der sich anbahnenden deutschen Katastrophe bringen den Berliner Kriminal-Oberkommissar nur dorthin, wo er nie stehen wollte: Ganz vorne am Bordstein in Nürnberg, beim Reichsparteitag 1935, während der Mercedes des „Führers“ vorbeifährt und alle frenetisch „Heil“ rufen. Und was tut Rath, der schwache Held? Er schreit mit.

Gereon Rath hebt den rechten Arm

„Rath spürte, dass er, wie von einer unsichtbaren Macht getrieben und ohne dies bewusst zu wollen, dabei war, mit den anderen den rechten Arm zu heben, weil hier niemand war, der nicht den Arm hob, weil alle es taten; und er merkte, dass er nicht dagegen ankam. Und dann hörte er, wie das Wort „Heil“ aus seinem Mund kam. Einmal, zweimal, dreimal. Er, Gereon Rath, der in Berlin den Deutschen Gruß verweigerte und verschlampte, wo immer das nur möglich war, stand hier in Nürnberg am Straßenrand und riss, getragen von der Masse und ihrem Rhythmus, in einem fort den rechten Arm hoch.“

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So also springt Volker Kutscher mit seinem Romanhelden um. Im siebten Rath-Roman „Marlow“, der im Jahr 1935 spielt, kann Rath den Nazis nicht mehr entkommen. In Nürnberg gerät er in den Sog der Massenpsychose, und in Berlin interessieren sich die neuen Geheimdienste für seinen aktuellen Fall. Ein Taxifahrer kracht in voller Fahrt gegen eine Mauer, sein Fahrgast und er sterben sofort. Der Fahrgast aber gehörte zum Sicherheitsdienst der SS. In seinem Gepäck findet Rath Briefumschläge, darin Dokumente mit dem Stempel „Geheime Reichssache“. Der Tote hatte anscheinend Ober-Nazi Hermann Göring ausspioniert – ein Komplott innerhalb des Regimes. Und weil Rath nun einmal ist, wie er ist, lässt er das brisante Material nicht einfach liegen, sondern wird Teil einer ganz großen Spionagegeschichte. Am Ende wird er die Nazis auch beruflich nicht mehr los.

Direkt an die Jahrhundert-Katastrophe heran

Volker Kutscher, das unterscheidet ihn von seinem Romanhelden, ist mit „Marlow“ ganz und gar nicht gescheitert. Unbeirrt hat er an seiner eigenen Serie weitergeschrieben, der noch mindestens drei weitere Teile folgen werden. Denn er möchte Rath bis ins Jahr 1938 begleiten, direkt an die Jahrhundert-Katastrophe heran. Kutscher lässt sich nicht beeinflussen vom Hype um die umjubelte Fernsehserie „Babylon Berlin“, deren Autoren seine Figuren und seinen ersten Roman als Grundlage für einen Zwanzigerjahre-Rausch genommen haben. Schließlich muss er seinen eigenen Weg weitergehen, mit seinem eigenen Rath und vor allem seiner eigenen Charly Ritter. Die kennen die Fernsehzuschauer als Hinterhof-Jöre und Teilzeitnutte, also meilenweit von der Roman-Charlie entfernt. Die versucht in „Marlow“ den tragischen Tod ihres Vaters, eines Gefängniswärters, aufzuklären – eine Geschichte, die Kutscher schon in seinem Neben-Roman „Moabit“ anerzählt hat und die er in „Marlow“ nun zu Ende bringt.

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Und dann gibt es noch eine weitere Geschichte: Die des Unterwelt-Königs Johann Marlow und seines schweigsamen chinesischen Chauffeurs Liang. Rath war mit Marlow immer wieder verbunden, geschäftlich und durch Drohungen aneinandergekettet. Nun trägt Marlow eine SS-Uniform (ehrenhalber) und sucht neue Geschäftsmöglichkeiten im neuen Deutschland. In einer Nebenhandlung wird sein Weg dorthin nachgezeichnet. Am Ende webt Kutscher alle Fäden meisterhaft und mit leichter Hand zusammen. Heller wird es im Rath-Universum nun nicht mehr. Aber die Geschichte muss weitergehen.

Volker Kutscher: Marlow. Der siebte Rath-Roman. Piper, 528 Seiten, 24 Euro

Von Jan Sternberg / RND

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