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Der rechte Schulterschluss

AfD in der Provinz Der rechte Schulterschluss

AfD-Spitzenpersonal aus vier Bundesländern trat am Politischen Aschermittwoch in einem Solarpark hinter Pirna auf. Pegida, Compact und rechter AfD-Flügel üben den Schulterschluss und greifen nach der Macht. Für den Skandal sorgt André Poggenburg.

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Hassprediger: André Poggenburg, Vorsitzender der AfD in Sachsen-Anhalt bei seiner Rede, in der er Deutschtürken als „vaterlandsloses Gesindel“ verunglimpfte.

Quelle: dpa

Nentmannsdorf. Der Parkplatz ist eine morastige Wiese, der Veranstaltungsort eine Lagerhalle mit nackten Blechwänden. In diesem rustikalen Ambiente wurde am Mittwochabend der Schulterschluss der vier ganz rechten AfD-Landesverbände Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg vollzogen. Aber nicht nur der: Partei und Pegida marschieren ab sofort im Gleichschritt.

In einem Solarpark in Nentmannsdorf hinter Pirna feierte der Kreisverband der AfD Sächsische Schweiz-Osterzgebirge seinen politischen Aschermittwoch. Mehr AfD-Herzland geht nicht: An der Wand steht das Wahlergebnis der Gemeinde Bahretal, zu der Nentmannsdorf gehört. 43,8 Prozent hat die AfD hier geholt.

Vier Landeschefs gaben sich das Mikrofon im die Hand: Björn Höcke aus Thüringen, André Poggenburg aus Sachsen-Anhalt, Andreas Kalbitz aus Brandenburg und Jörg Urban aus Sachsen. 1000 Menschen füllen die Halle schon lange vor Beginn. Die zumeist älteren AfD-Anhänger sind aus ganz Sachsen angereist.

Einige tragen Tracht, einzelne Thor Steinar, die meisten Funktionsjacken.

„Hier feiert zusammen, was zusammen gehört“, sagt Björn Höcke und grüßt die Pegida. Deren Chef Lutz Bachmann ist wie selbstverständlich vertreten, auch die Ordner kommen von Pegida, und das Publikum ist professionell trainiert: Von „Wir sind das Volk“ über „Widerstand“ bis „Abschieben“ kommen die Sprechchöre schnell und machtvoll.

Höcke nennt Pegida den „notwendigen Tritt in den Hintern der Partei“ und wird frenetisch bejubelt. Der Skandal des Abends aber kommt nicht vom Thüringer, sondern von André Poggenburg aus Sachsen-Anhalt. Der nennt die Deutschtürken in ihrer Gesamtheit „vaterlandsloses Gesindel, das wir hier nicht länger haben wollen“. Schon zuvor hatten die Tausend bei der puren Erwähnung des Namens Cem Özdemir „abschieben, abschieben“ gerufen.

„Diese Kameltreiber sollen sich dahin scheren, wo sie hingehören, nämlich weit hinter den Bosporus“, ruft Poggenburg sogar. Gökay Sofuoglu, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde Deutschlands, nimmt es in einer ersten Reaktion gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) mit einer Mischung aus Empörung und Humor: „Die AfD hat keine Hemmungen, diskriminierende rassistische Aussagen zu tätigen. Wir werden natürlich überprüfen, ob wir rechtliche Schritte einleiten werden. Übrigens: Kamele sind in der Türkei nicht heimisch.“

Wie selbstverständlich steht Jürgen Elsässer neben den AfD-Granden auf der Bühne. Auch der Publizist-Popstar vom „Compact“-Magazin feiert den „Schulterschluss mit der außerparlamentarischen Bewegung“ und schließt sich selbst mit ein.

In der Nentmannsdorfer Halle scheint alles möglich: „Wir wollen in Sachsen die erste Regierung unter AfD-Führung stellen“, ruft Jörg Urban, auch von „vier blauen Ministerpräsidenten“ ist die Rede. Von Koalitionen dagegen um so weniger: „Keine Kompromisse mit den Altparteien, niemals“, ruft Höcke, und die Menge antwortet: „Widerstand!“

Teilnehmer des politischen Aschermittwochs der sächsischen AfD in der Lagerhalle in Nentmannsdorf

Teilnehmer des politischen Aschermittwochs der sächsischen AfD in der Lagerhalle in Nentmannsdorf.

Quelle: dpa

Von Jan Sternberg/RND

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