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Welt Ankara streckt Fühler nach Damaskus aus
Mehr Welt Ankara streckt Fühler nach Damaskus aus
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13:03 23.02.2018
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Quelle: imago/Depo Photos
Ankara

Einen Monat nach Beginn der türkischen Invasion im Norden Syriens hat der Sprecher des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch die Möglichkeit von Sondierungen mit dem Regime in Damaskus angedeutet, um die die Situation zu entschärfen. Unter „außerordentlichen Umständen“ könnten türkische Geheimdienst-Beamte „direkte oder indirekte Kontakte“ mit Stellen in Bagdad herstellen, um „bestimmte Probleme zu lösen, wenn nötig“, sagte Erdogans Sprecher Ibrahim Kalin am Mittwoch in verklausulierten Worten im türkischen Fernsehen.

Ziel der türkischen Militäroperation ist es, die Kämpfer der Kurdenmiliz YPG aus Afrin zu vertreiben. Die Türkei sieht in der YPG eine Terrororganisation. Bisher haben die türkischen Streitkräfte bei ihrem Vormarsch nach offiziellen Angaben 1780 „Terroristen neutralisiert“. Die türkische Invasion stößt international auf wachsende Kritik, weil sie den Syrienkonflikt neu anzufachen droht. Zu Beginn dieser Woche deutete sich eine Verschärfung des Konflikts an, nachdem die staatliche syrische Nachrichtenagentur meldete, regierungstreue syrische Milizen würden die YPG bei der Abwehr des türkischen Vormarsches unterstützen. Damit drohte sich der Konflikt um Afrin zu einer direkten militärische Konfrontation zwischen der Türkei und der syrischen Regierung auszuweiten.

Russland fordert die Türkei auf, mit Syrien zu verhandeln

Aufnahmen des syrischen Staatsfernsehens zeigten, wie regierungstreue Milizen am Dienstag auf etwa 20 Fahrzeugen mit Maschinengewehren und syrischen Fahnen in Afrin einrückten. Die Türkei reagierte mit Artilleriefeuer. Nach türkischer Darstellung zog sich daraufhin der Konvoi wieder aus der Stadt zurück. „Es scheint, sie wollten eine Show veranstalten und Propaganda machen“, kommentierte Erdogans Sprecher Kalin am Mittwoch.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow, dessen Land im Syrienkonflikt neben dem Iran der wichtigste Verbündete des Assad-Regimes ist, forderte die Türkei auf, in Verhandlungen mit der Regierung in Damaskus einzutreten. Er sei sicher, dass „die berechtigten Sicherheitsinteressen der Türkei im Dialog mit der syrischen Regierung zufriedenstellend berücksichtigt“ werden könnten, sagte Lawrow. Erdogan Sprecher Kalin wies das zurück: „Ein solcher Dialog zwischen Ankara und Damaskus kommt nicht in Frage“, sagte Kalin. „Die Türkei tut, was für ihre nationalen Interessen nötig ist.“ Ein Abbruch der Afrin-Offensive stehe nicht zur Diskussion. „Wir schulden dafür keinem eine Erklärung“, so der Sprecher.

Ankara hat seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor sieben Jahren auf einen Sturz Assads gesetzt und lehnt deshalb auch jetzt Verhandlungen mit dem Regime ab. Kalins Worten ist aber zu entnehmen, dass die Türkei dennoch informelle Kontakte mit Stellen in Damaskus sucht, um eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden.

Von Gerd Höhler/RND

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