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Welt Anis Amri soll von seinen Anschlagsplänen erzählt haben
Mehr Welt Anis Amri soll von seinen Anschlagsplänen erzählt haben
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15:47 27.11.2018
Der Lkw, mit dem Anis Amri den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin verübte (Archivfoto). Quelle: Michael Kappeler/dpa
Berlin

Der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz hat einen islamistischen Gefährder in seine Anschlagspläne eingeweiht. Darüber habe der Leiter des Berliner Landeskriminalamtes (LKA), Christian Steiof, am vergangenen Freitag in nichtöffentlicher Sitzung den Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses informiert, berichten der RBB und die Berliner Morgenpost.

Der LKA-Chef schilderte demnach, dass drei sogenannte Vertrauenspersonen (VP) seiner Behörde Kontakt zum Attentäter Anis Amri hatten. Einer dieser Informanten habe Mitarbeitern der Anti-Terroreinheit des LKAs von einem Gespräch mit einem Mann berichtet, der der Behörde bekannt sei und von dieser als Gefährder eingestuft werde. Im Gespräch mit der V-Person habe dieser gesagt, Amri habe ihn über seine Anschlagspläne in Kenntnis gesetzt. Die Grünen wollen nun den V-Mann-Führer im Ausschuss hören. Sie zweifeln nach eigenen Angaben mehr denn je an der These, wonach Amri ein Einzeltäter gewesen sei.

Grünen-Obmann-Konstantin von Notz beharrt auf Aufklärung

Nach Angaben von Teilnehmern der Sitzung versicherte LKA-Chef Steiof, dass das LKA erst nach dem Anschlag von der V-Person erfahren habe, dass ihr der Terrorplan Amris bekannt gewesen sei. Nach den Berichten handelt es bei dem Mitwisser Amris um einen wegen versuchten Totschlags und Körperverletzung vorbestraften Mann. Wann er von dem Plan des Tunesiers erfuhr und der V-Person des LKA davon erzählte, sei unklar.

Tatsächlich sind Berichte über etwaige Mitwisser nicht neu. So erhielt das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt bereits im Frühjahr 2016 Berichte darüber, dass der 24-Jährige andere Personen auffordere, mit ihm gemeinsam Anschläge in Deutschland zu begehen. Dazu wolle er sich „großkalibrige Schnellfeuergewehre" beschaffen, notierten die Fahnder. Amri habe damit geprahlt, er wolle ein Blutbad anrichten, ergänzte ein V-Mann des LKA im Juli 2016. Die Ankündigungen alleine reichten aber offenbar nicht für einen Haftbefehl. Im Netzwerk des mittlerweile verhafteten islamistischen Predigers Abu Walaa, der in Celle vor Gericht steht und zu dem Amri den Ermittlungen zufolge steten Kontakt hatte, soll dem Vernehmen nach häufiger über Attentate gesprochen worden sein – beispielsweise über einen Terrorakt mit einem Lkw oder darüber, Polizeibeamte in einem Hinterhalt zu erschießen.

Aus Nordrhein-Westfalen gab es bereits ähnliche Berichte

Der Obmann der Grünen-Fraktion im Anis-Amri-Untersuchungsausschuss des Bundestages, Konstantin von Notz, sagte zum neuen Stand der Dinge, „die vermeintlichen Gewissheiten in Sachen Breitscheidplatz“ würden „immer zweifelhafter“. Es zeige sich jetzt, wie wichtig parlamentarische Aufklärung sei. Diese gehe weiter. Bisher gingen Sicherheitsbehörden und Bundesanwaltschaft stets davon aus, dass Amri ein Einzeltäter war.

Er hatte am 19. Dezember 2016 mit einem entführten Lastwagen einen Anschlag verübt. 12 Menschen starben, darunter der Lkw-Fahrer, mehr als 70 wurden verletzt. Es war der bislang schwerste islamistische Anschlag in Deutschland. Amri wurde später auf der Flucht in Italien von der Polizei erschossen.

Von Markus Decker/RND