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Welt Weiter kein Ende bei Abu-Walaa-Prozess in Sicht
Mehr Welt Weiter kein Ende bei Abu-Walaa-Prozess in Sicht
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09:31 24.09.2018
Abu Walaa im Oberlandesgericht in Celle. Quelle: dpa
Celle

Er wurde als „Scheich von Hildesheim“ und „Mann ohne Gesicht“ bekannt: Ein Jahr nachdem der mutmaßliche Deutschlandchef der Terrormiliz Islamischer Staat, Abu Walaa, erstmals vor Gericht stand, zieht sich der Prozess weiter in die Länge. Weil der Iraker und die vier Mitangeklagten zu den Vorwürfen vor dem Oberlandesgericht Celle schweigen, stützt das Verfahren sich nach wie vor auf Zeugenaussagen. Dafür sind weitere Prozesstermine zunächst bis Weihnachten geplant.

Wegen Unterstützung des IS und Mitgliedschaft in der Terrormiliz stehen die fünf seit Ende September vergangenen Jahres vor Gericht. Sie sollen junge Menschen insbesondere im Ruhrgebiet und im Raum Hildesheim islamistisch radikalisiert und in die IS-Kampfgebiete geschickt haben.

Der „Mann ohne Gesicht“: Abu Walaa vor Gericht. Quelle: Youtube

Zeugen berichten von Radikalisierung

Bisher haben Eltern im Zeugenstand, nur wenige Meter von den hinter Sicherheitsglas sitzenden Angeklagten entfernt, geschildert, wie ihre Kinder radikalisiert und im Irak zu Selbstmordattentätern wurden.

Der geläuterte IS-Rückkehrer Anil O., der als Kronzeuge in dem Verfahren auftritt, berichtete von den Gräueln in Syrien. Der Deutschtürke aus Gelsenkirchen geriet als Jugendlicher in islamistische Kreise. Nach seiner Schilderung vor Gericht reiste er mit Hilfe von Abu Walaas Netzwerk nach Syrien aus. Später wandte er sich vom IS ab und kooperierte mit den Behörden.

Mit seinen „fantastischen Geschichten“ habe er sich in Deutschland ein mildes Urteil ermöglicht, kritisierte die Verteidigung. Zwar gab O. in tagelangen Zeugenvernehmungen einen detailreichen Einblick in das menschenverachtende Tun des IS, in Bezug auf Abu Walaa blieb so manche belastende Angabe aber wackelig.

Das Netzwerk, in dem auch Amri verkehrte

LKA-Fahnder gaben Einblicke von V-Leuten in das Netzwerk wieder, im dem auch Berlin-Attentäter Anis Amri verkehrte. So etwa voneinem V-Mann des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, der seit langem in der islamistischen Szene im Einsatz ist und Abu Walaa lange auf den Fersen war. Unter anderem besuchte er mit der Truppe um den Iraker eine Dortmunder Sauna, die zur regelmäßigen Lagebesprechung diente. Auch auf Berlin-Attentäter Anis Amri war „Murat“ angesetzt.

Die Vertreter der Bundesanwaltschaft (von links): Nadine Robe, Holger Schneider-Glockzin und Dieter Killmer. Quelle: dpa

Weil die Bundesanwaltschaft „Murat“ vor Prozessbeginn hinsichtlich seiner Identität Vertraulichkeit zusicherte, durfte er in Celle nicht vor Gericht befragt werden. Nur die Düsseldorfer LKA-Beamten, die „Murat“ anleiteten, sagten aus und wiederum ließen sich etliche belastende Angaben nicht hieb- und stichfest belegen.

Die Verteidigung erhob zudem den Vorwurf, „Murat“ habe selbst zu Anschlägen in Deutschland angestachelt. Darauf deuteten auch Aussagen von Kronzeuge O. hin. Das LKA aber wies das vor Gericht zurück.

Viele Aussagen untermauern die Anschuldigungen der Anklage. Etliche Angaben aber erwiesen sich als wackelig oder ließen sich nicht gerichtsfest nachweisen.

Zeugen eingeschüchtert

Bekannt wurde in dem Prozess zuletzt, dass ein Mitangeklagter aus der Haft heraus versucht hat, Zeugen massiv einschüchtern zu lassen. So wurde auf das Haus der Schwester eines Zeugen in Duisburg geschossen. Einem weiteren Zeugen sei über Mittelsmänner klar gemacht worden, im Sinne des Mitangeklagten auszusagen.

Von dpa/RND

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