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Welt 500 Tiere getötet: Die Jagd nach Englands Katzen-Mörder
Mehr Welt 500 Tiere getötet: Die Jagd nach Englands Katzen-Mörder
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05:02 23.08.2018
Stoff aus einem Thriller: Mehr als 500 Tiere soll der „UK Cat Killer“ bereits getötet und verstümmelt haben. Quelle: Kate Green / Anadolu Agency
London

Es klingt wie eine Geschichte aus einem Psychothriller. Seit knapp drei Jahren soll der „UK Cat Killer“ mehr als 500 Tiere in England getötet und verstümmelt haben. Die meisten von ihnen sind Katzen, aber auch Füchse und Kaninchen wurden schon tot aufgefunden. 10.000 Pfund (rund 11 150 Euro) Belohnung sind auf den Tiermörder ausgesetzt. Polizei und Tierschutzorganisationen versuchen, ihn zu schnappen.

Auch Tony Jenkins und Boudicca Rising – die ihren echten Namen geheim hält – wollen den „UK Cat Killer“ stoppen. Die Jagd des Paares, das ein privates Tierheim betreibt, begann am 22. September 2015, als Rising und Jenkins angerufen wurden, um sich einen kopf- und schwanzlosen Kadaver in ihrem Stadtteil Croydon anzuschauen. „Uns war schnell klar, dass das kein Fuchs gewesen sein kann“, sagt Rising. In den folgenden Wochen mussten sie zu immer weiteren Fällen ausrücken.

Die Tierschützer Tony Jenkins und Boudicca Rising, Gründer des privaten Tierheims SNARL (South Norwood Animal Rescue and Liberation) wollen den UK Cat Killer schnappen. Quelle: Tobias Schreiner/dpa

Katzen durch stumpfe Gewalteinwirkung getötet

Nach Berichten über den „Croydon Cat Killer“ in der Lokalpresse und einer Petition mit 50.000 Unterschriften ließ sich die Londoner Polizei von Gerichtsmedizinern bestätigen, dass die ersten 23 gefundenen Tierkadaver sehr wahrscheinlich von derselben Person nach demselben Muster getötet wurden: Tod durch stumpfe Gewalteinwirkung, anschließende Verstümmelung mit einem Messer. Chefermittler Andy Collin führte schließlich unter dem Codenamen „Takah“ ein 15-köpfiges Team von Ermittlern an, das dem Spuk ein Ende machen sollte, und arbeitete eng mit den Tierschützern Rising und Jenkins zusammen.

Doch in den folgenden Monaten wurden immer mehr tote Katzen über die Londoner Stadtgrenzen hinaus in ganz Südengland und sogar bis hoch nach Manchester gefunden. Aus dem „Croydon Cat Killer“ wurde der „UK Cat Killer“. Als Kriminalpsychologen erklärten, dass sich der Täter irgendwann langweilen und auch Menschen angreifen könnte – viele bekannte Serienmörder haben mit dem Töten von Tieren begonnen –, sorgte das für Hysterie. Die Polizei sieht aber „keine Hinweise auf ein Risiko für menschliches Leben“, teilt sie mit.

Chefermittler gab überraschend Leitung des Falls ab

Mehr als zweieinhalb Jahre und über 500 tote Tiere später gab Chefermittler Andy Collin im Juni 2018 unerwartet die Leitung des Falls ab. Ohne ihren wichtigsten Kontakt bei der Polizei sind Jenkins und Rising wieder auf sich allein gestellt. Der wachsenden Zahl von toten Tieren kommen sie kaum noch hinterher. Das Postfach ihrer Facebook-Seite SNARL (South Norwood Animal Rescue Liberty) quillt über, mehr als 27.000 „Gefällt mir“-Angaben zählt sie mittlerweile. Die gefundenen Köpfe und Kadaver der Katzen, die sie keinen Besitzern zuordnen können, verstaut Jenkins in der heimischen Gefriertruhe.

Den Einsatz des Paares betrachten manche kritisch. Tatsächlich könnte es sein, dass es den laut SNARL in seiner Sexualität gestörten, psychopathischen Täter gar nicht gibt. Das behaupteten zuletzt einige Experten wie der Umweltforscher Stephen Harris von der Universität Bristol. Im britischen Wissenschaftsmagazin „New Scientist“ zog Harris Parallelen zum Fall „Operation Obelisk“ von 1998, bei dem die Polizei nach Funden Dutzender toter Katzen einen Massenmörder mit gestörter Sexualität suchte. Der Fall wurde ein Jahr später eingestellt, nachdem Harris festgestellt hatte, dass Füchse für den Tod der Tiere verantwortlich waren.

Tatorte überall im Land

Rising und Jenkins wollen von solchen Theorien nichts wissen. Sie glauben, dass der Täter oder die Tätergruppe in einer Branche arbeitet, in der man viel mit dem Auto unterwegs ist. „Das erklärt die willkürlich anmutenden Tatorte überall im Land“, so Rising. Wie genau sie den Killer fangen wollen, verraten die beiden nicht. Fast täglich sammelt Jenkins in seinem alten Auto tote Katzen ein. Das Pärchen ist gesundheitlich angeschlagen, verschuldet und auf Spenden angewiesen, um die Miete und alltägliche Kosten für sich selbst und ihre zahlreichen Haustiere zu bezahlen. „Wir sind fix und fertig“, sagt Rising.

Aufgeben wollen die Tiernarren aber trotzdem nicht. „Wir kriegen ihn.“ Davon sind Rising und Jenkins fest überzeugt.

Von Tobias Schreiner

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